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Mal ein paar andere Texte

Gad Labudda: 13 Leserbriefe und Anworten Teil 6

Erstellt von Admin am 13. April 2009

Teil 6

 

Wie  muß man mit thailändischen Frauen umgehen?

An Paule Plapper

Nachdem ich einige Ihrer Artikel gelesen habe, konnte ich Ihnen bisher leider noch nicht widersprechen. Ich muß Ihnen auch eine gute Kenntnis des Landes und der Menschen zugestehen. Aber Ihre Antworten auf Leserbriefe schmecken nach essigsaurer Tonerde und ich kann mir gut vorstellen, wie Sie vor dem Computer sitzen und einen Leserbrief auf ihren Giftzähnen aufgespießt haben, um dem fragenden Schreiber mit sadistischem Vergnügen zu erklären, warum das gar nicht geht, was er will.

Ich selbst lebe seit einiger Zeit mit einer Thailänderin zusammen und wir haben viele Probleme, obwohl sie offensichtlich mit mir leben will. Da ich aber keine Lust habe, mir von Ihnen begründen zu lassen, warum ich ein kleiner Doofi bin, drehe ich den Spieß um und führe Sie aufs Glatteis: Wenn Sie sich so gut auskennen, dann sagen Sie mir doch, wie die thailändischen Frauen sind und wie man mit ihnen umgehen muß. Dann kann ich anschließend Ihre Antwort verreißen. Viel Vergnügen,

August D.

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Danke, August,

danke für das Vergnügen. Mit Ihrem Wunschzettel auf meinen hochachtungsvoll frisch polierten Giftzähnen bemühe ich mich darum. Leider haben Sie mich nicht gerade mit Informationen überhäuft. Sie wollen also wissen, wie irgendein Farang mit den thailändischen Frauen umgehen soll. Das ist gut, weil auch schon andere Farang nach einer allgemeingültigen Gebrauchsanweisung für den Artikel ‘thailändische Frauen’ gefragt haben.

Zunächst einmal gehen Sie „die thailändischen Frauen“ überhaupt nichts an. Fragen Sie bitte Ihre Frau, die wird das bestätigen. Dann gibt es noch ein anderes Problem: Trotz allen Geredes über ‘die Frauen’, ‘die Männer‘ und die erstaunliche anatomische Ähnlichkeit innerhalb dieser Gruppen handelt es sich jedoch nicht um standardisierte Industrieprodukte, die alle gleich sind (und folglich beliebig auswechselbar wären). Wenn ich davon ausgehe, daß Ihre Frau mindestens 18 Jahre alt ist, dann war sie mindestens 18 Jahre lang einer Fülle von Erlebnissen und Erfahrungen unterworfen, die sie geprägt und ihren Charakter geformt haben. Kein anderer Mensch hat diese Erfahrungen gemacht und so ist kein Mensch so, wie diese Frau.

Ihr Problem in der Beziehung zu ‘den Frauen’ besteht deshalb vornehmlich darin, daß alle diese Frauen sich voneinander unterscheiden, nur Sie sind immer derselbe. Deswegen müssen wir bei der Suche nach den Ursachen von Partnerschaftsproblemen bei Ihnen beginnen. Können Sie sich verstehen, können Sie einem Menschen erklären, wer Sie sind und wie Sie sind? Das wäre eine Voraussetzung für ein gemeinsames Leben, denn den Menschen ‘an sich’ gibt es nicht. Jeder Mensch ist in Situationen, die mit anderen Menschen zu tun haben. Jeder Mensch, der mit Ihnen etwas zu tun hat, reagiert auf Sie. Er kann sich beispielsweise nicht wohlfühlen, wenn Sie mürrisch aussehen oder verärgert sind. Wer Sie sieht, stellt sich auf sie ein, er reagiert auf Sie und ein großer Teil seines Verhaltens sind Reaktionen auf Ihr Verhalten. Wenn Sie nett und freundlich sind, so fällt es Ihrem Gegenüber viel leichter, auch nett und freundlich zu sein. ‘Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus’.

Und noch etwas: Können Sie alleine leben? Das ist vielleicht nicht angenehm, aber diese Fähigkeit ist eine Voraussetzung, mit anderen Menschen leben zu können. Wenn Sie nicht leben können, können Sie auch nicht mit einem anderen Menschen leben, denn Sie brauchen ihn dazu, um selbst leben zu können. Das ist kein Miteinander. Sie können dann höchstens von ihm oder durch ihn leben, aber nicht mit ihm. Sicher gibt es die Möglichkeit gegenseitiger Abhängigkeit, aber diese macht die Gemeinsamkeit unmöglich und diese Partnerschaften sind sehr aufreibend und zeitlich begrenzt, nämlich bis einer der Partner merkt, daß man sich nicht versteht, daß die Gemeinsamkeit fehlt.

Wenn jemand behauptet, er liebt seinen Partner, so sollte er sich fragen, was er für diesen Partner will. Wollen ist übrigens wie Lieben die eigene Aktivität und nicht etwa die Erwartung, daß der Partner gefälligst glücklich zu sein hat. Die Frage ist also, was Sie dafür tun, daß Ihre Frau glücklich oder zumindest zufrieden ist. Wissen Sie das? Können Sie sich das einen Moment merken? Schön. Dann sollten Sie sich jetzt überlegen, ob ihre Frau das auch wirklich will, was Sie ‘für sie’ tun, oder ob Sie etwa nur bestimmen, daß es für sie gut zu sein hat.

Wissen Sie wirklich, was Ihre Frau will? Sagt sie Ihnen das? Und ist das wirklich alles, was sie will, oder weiß sie es selbst nicht oder sagt es Ihnen nicht und wartet nun darauf, daß Sie ihr Leben regeln, damit sie zufrieden leben kann? Können Sie sich vorstellen, was Ihre Frau will, was sie braucht? Würde Ihnen das reichen, um zufrieden leben zu können? Oder konzentrieren Sie sich mehr auf das, was Sie von Ihrer Frau erwarten, vielleicht mit der Begründung, sie geben ihr ja Geld und Essen dafür, daß sie für Sie da ist?

Wenn Sie dieser Meinung sind, sollten Sie sich überlegen, weshalb sie mit einem anderen Menschen leben wollen; Geld und Essen haben sie doch selbst, aber Sie suchen die Gesellschaft eines Menschen. Könnte es nicht sein, daß Ihre Frau dasselbe sucht, wie Sie? Vielleicht etwas Wärme, Anerkennung, Verständnis, etwas freundliches Leben um sich herum und etwas Aufmerksamkeit? Und geben Sie ihr das? Sie wollen sicher nicht erzählen, daß thailändische Frauen keine Zuneigung und Aufmerksamkeit brauchen, weil sie ja Geld bekommen, nicht wahr?

Aber wir haben bisher etwas theoretisch überlegt, was ein Zusammenleben ausmacht, egal mit welcher Person und aus welchem Land. Nun kommen wir zum Leben mit einer Thailänderin. Thailänderinnen sind nicht anders, als andere Menschen auch. Sie sind vielleicht körperlich etwas schmaler gebaut, etwas kleiner, was manche Ausländer dazu veranlaßt, sie wie Kinder oder minderwertige Menschen zu behandeln, wodurch Spannungen entstehen. Viele Ausländer sind der Meinung, daß die kleinen thailändischen Frauen ‘ganz scharf’ darauf sind, einen großen, stattlichen Ausländer zu finden und rechnen ihr höheres Alter und ihren Bauchspeck zu dem hinzu, was sie für ihre ‘Männlichkeit’ halten.

Oft glauben sie, daß höchste Ziel aller Frauen sei die sexuelle Befriedigung und meinen, daß sie diese durch einen großen und schweren Körper garantieren können. Beides ist ein Irrtum. Weder ist die sexuelle Befriedigung ihr vorrangiges Ziel, noch halten sie dicke ältere Männer für besonders stattlich oder gar ‘sexy’, auch wenn dies an Bars zum Anlocken der Gäste so gerne gesagt wird.

Im Allgemeinen kann gesagt werden, daß die meisten thailändischen Frauen zum Nachgeben erzogen werden, sie sollen ihren Eltern und ihrem Mann dienen, ihnen gehorchen und für deren Wohlergehen sorgen. Doch diese kulturelle Norm findet ihre Grenzen, wenn der Mann sich nicht auch an die dazugehörigen kulturellen Normen hält, die der Ausländer oft gar nicht kennt, oder wenn sich keine gemeinsame Lebensbasis, keine Übereinstimmung finden läßt. Dazu kommt, daß es keinerlei Garantie gibt, daß die Frau, die ein Ausländer kennenlernt, auch tatsächlich untertänig sein will. Oftmals wird die Frau zu Beginn der Bekanntschaft nachgiebig sein und eine untergeordnete Rolle spielen.

Dieses Verhalten hört meist dann auf, wenn sie als ein untergeordneter Mensch behandelt wird, oder dann, wenn es für sie nicht mehr lebensnotwendig ist, sich unterordnen zu lassen, wenn sich damit keine gemeinsame Lebensbasis schaffen läßt. Während Thailänder die Tendenz haben, möglichst ohne große Reibungen nebeneinander zu leben, neigen westliche Ausländer eher dazu, gegeneinander zu kämpfen, wobei aber gewisse Grenzen gelten. Wenn nun ein Farang auf den Gedanken kommen sollte, gegen seine Partnerin zu kämpfen, sollte er sich nicht wundern, wenn sie diesen Kampf schließlich aufnimmt – ohne die Grenzen zu kennen.

Wer bei seiner thailändischen Partnerin eine bestimmte Handlung erreichen will, tut gut daran, sie dabei um ihre Hilfe zu bitten und ihr klar zu sagen, was er wünscht. Es ist ebenso verkehrt, Handlungen oder Verhaltensweisen als selbstverständlich vorauszusetzen, nur weil sie vielleicht in Europa üblich sind, wie es verkehrt ist, diese Handlungen zu befehlen (weil man ja ein größerer Mensch ist).

Eine Besonderheit der Thailänderinnen, die westliche Ausländer kennenlernen, besteht nicht so sehr in deren Wesen, sie ergibt sich vielmehr in den weitaus meisten Fällen durch die etwas sonderbare Art der Bekanntschaft, durch eine Situation, in der der Ausländer Vergnügen oder Unterhaltung sucht und Geld hat, auf das die Thailänderin glaubt, angewiesen zu sein. Dadurch kommen zwei Menschen, die sich nicht kennen und kaum miteinander sprechen können, abrupt in eine sehr enge Nähe, während man normalerweise Wochen oder Monate braucht, um sich kennenzulernen und zu verstehen. Hier müssen meist Stunden reichen, Stunden in einer Bar, von der es meist direkt ins Hotelbett geht. Maßgeblich sind dabei zunächst nur der vermutete Reichtum des Farang und die subjektiv wahrgenommene Schönheit des Körpers der Thailänderin. Alles Andere scheint nebensächlich; es kann sich vielleicht später entwickeln.

Beim Kennenlernen eines Partners sollte man vielleicht nicht so sehr darauf achten, wieviel Geld er hat oder wie schön er ist. Eine Frau, die schon halb ausgezogen an einer Bar steht, mag ihrem Partner zu später Stunde vielleicht Arbeit ersparen, aber das ist leider gar keine Garantie dafür, daß man später auch mit ihr gemeinsam leben kann.

Das Allerwichtigste, was man bei einem Partner sehen kann, sind weder Portemonnaie noch Brüste, sondern die Achtung, die er vor anderen Menschen hat. Man kann mit keinem Menschen leben, der Menschen nicht achtet. Das trifft auch dann zu, wenn man selbst keine Achtung hat und nur ein Geschäft beabsichtigt. Achtung vor anderen Menschen ist nicht vom Besitz eines Menschen abhängig. Am leichtesten erkennt man sie am Umgang mit Menschen, die von der Umwelt vielleicht als ‘minderwertig’ eingestuft werden.

Wer vor einem Menschen keine Achtung hat, weil dieser nur wenig Besitz zeigt oder vielleicht klein oder gar körperbehindert ist, der hat keine Achtung vor Menschen. Er wird seine Partner oder Freunde nur nach dem von ihnen zu erwartenden Vorteil betrachten und fallenlassen, wenn dieser Vorteil eines Tages zu gering erscheint.

Man kann übrigens auch Geschäftspartner achten und sollte es unbedingt tun, denn auch Geschäfte bedürfen einer Gemeinsamkeit, gemeinsamen Gewinns. Das hier übliche Geschäft lautet zunächst: Geld gegen Vergnügen. Dennoch kann daraus eine gemeinsame Beziehung werden, denn man kann sich aneinander gewöhnen und gegenseitig versorgen. Sie müssen allerdings zuerst herausfinden, ob Ihre Partnerin nur Geld sucht, oder ob sie auch versucht, an Sie zu denken, versucht, etwas für Sie zu tun, ohne daß Sie es zuvor verlangt haben, versucht, Ihnen eine Freude zu bereiten, ohne dafür Geld zu verlangen. Und Sie sollten sicher sein, daß sie Sie nicht für irgend einen dummen Farang hält. Dann können Sie vielleicht mit ihr leben, es sei denn, daß Sie sie für irgend eine dumme Thai halten.

Schließlich haben die Geschäftspartner, die nach Pattaya kommen, ein gemeinsames Problem; sie sind allein, meist sogar einsam. Gemeinsam kann man dem entgehen. Dazu muß man bereit sein, das Leben mit dem Anderen zu teilen. Das bedarf nicht nur einiger Anstrengung, sondern auch vieler Geduld und Ehrlichkeit. Zunächst einmal müssen die Partner akzeptieren, daß der andere nichts Böses will und ein eigenständiger Mensch ist. Man sollte ihn also sein eigenes Leben leben lassen, ohne Befehle oder Geschrei. Wenn man eine Handlung des Partners nicht versteht, so geht dies vielleicht besser, wenn man ihn fragt, warum er so handelt – und wenn man dann auch aufmerksam zuhört, wenn er versucht, es zu erklären.

Zum Verständnis ist es natürlich auch wichtig, seine Sprache zu lernen, oder zumindest eine gemeinsam bekannte Sprache, wie etwa Englisch. Dennoch sollte man nicht vergessen, daß die meisten Frauen, die mit einem Ausländer leben, keinen sehr hohen Bildungsgrad haben und ihre Empfindungen oder Gedanken nicht gerade sehr präzise ausdrücken können. Hier ist der berühmte Satz der deutschen Hausfrau zu berücksichtigen, die ihrem Mann sagt: „Nun hör’ doch endlich einmal nicht darauf, was ich sage, hör’ doch ‘mal auf das, was ich meine.“

Das muß nicht immer einen durchschlagenden Erfolg bringen, denn viele Menschen wollen gar nicht wissen, wofür sich ihr Partner interessiert. Es reicht ihnen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit führt in vielen Fällen nur dazu, daß die Frau ausschließlich von der Bedeutung und der Auswirkung der verschiedensten Omen und aller möglichen Geister, von glückverheißenden Zahlen, von garantiert zutreffenden, erträumten Lottozahlen und gehörten Unglücken durch Geistereinwirkung spricht.

Das wirkt etwa so aufmunternd, wie eine europäische Partnerin, die nur von Schönheitssalons, schicker Mode und der unbedingt durchzusetzenden Gleichberechtigung schnattert, ohne dabei ihr Hirn zu bemühen oder etwa zu verstehen, was sie sagen. Männer ziehen es demgegenüber vor, ihre Frauen über Fußball und Börsenberichte zu informieren, weshalb sie sich als intelligenter bezeichnen.

Während man die Worte seiner Partnerin also nicht immer auf die Goldwaage legen sollte, ist es empfehlenswert, ihre Handlungen näher zu betrachten. Thailänder sind normalerweise sehr höflich. Es ist interessant, zu beobachten, wer sich wem gegenüber höflich verhält. Oft läßt eine Person die Höflichkeit fallen, wenn der Gegenüber arm ist; dann wird angesetzt, daß er keinen Wert hat, weil man vom ihm keinen Gewinn erwarten kann. Für diese Person haben auch Sie keinen Wert, wenn sie kein Geld mehr haben. Sie sind für ihn nur das, was er von Ihnen erhalten kann.

Andere Personen lassen die Höflichkeit fallen, wenn der Gegenüber eine untergeordnete Stellung hat, keine Macht besitzt, in der Gesellschaftsordnung unten steht, wie etwa der Farang. Auch hier geht es nur um die Vorteile, die erwartet werden, nicht etwa um eine menschliche Beziehung. Wenn Sie sich an eine Bar setzen und Ihnen ein zwanzigjähriges Mädchen sagt, Sie sollen sich erst einmal die Haare schneiden und sie müssen sich die Fingernägel völlig abschneiden, so wie es in ihrem Dorf üblich ist, und sich dann auf den Tisch vor Ihren Kaffee setzt, so haben Sie ein Muster dieses Verhaltens. Dieses Mädchen würde es nie wagen, sich einem Thai gegenüber dermaßen unhöflich zu verhalten.

Bei Ihnen aber ist dieses Verhalten angebracht, weil Sie ja nur ein Farang sind. Sie haben keinen Wert, außer dem Geld, das man von Ihnen erwartet. Eine menschliche Beziehung wird hier nicht möglich sein. Erst wenn ein Mensch auch anderen gegenüber, die ärmer oder ‘untergeordnet’ sind, höflich und hilfsbereit ist, können Sie annehmen, daß hier eine menschliche Beziehung möglich ist, daß Sie für diesen Menschen mehr sind, als ihr Kapital.

So sehr Farang auch in der thailändischen Gesellschaft der touristischen Orte und vieler Städte abgelehnt werden, sofern sie nicht gerade als Kunden und Geldbringer auftreten, so sehr wird man aber auch darauf achten, ob Sie selbst höflich sind und Thailänder akzeptieren. Wenn Sie das nicht tun, können Sie sicher sein, daß auch Sie nicht akzeptiert werden, daß man Sie höchstens lächelnd als die Variation eines Goldesels ansieht. Es ist ja auch nur sehr schwer möglich, einen Menschen zu achten, von dem man nicht geachtet wird. Die Beziehung zu Ihnen wird von diesem Menschen dann nur als eine zu bezahlende Dienstleistung angesehen, nicht etwa als eine Partnerschaft oder gar Freundschaft.

Viele thailändische Frauen haben Angst vor einem Ausländer. Nicht nur wegen vieler Vorurteile und wegen des schlechten Rufes, in dem Ausländer dank jener Leute stehen, die hier im Urlaub ‘die Sau ‘rauslassen’ oder großkotzig und überheblich auftreten, sondern auch wegen des unterschiedlichen kulturellen Hintergrundes, der unterschiedlichen Mentalität und der Verständigungsschwierigkeiten.

Wenn Ihre Partnerin von Ihnen Abstand hält, so heißt das nicht unbedingt, daß sie Sie ablehnt; es kann die normale Angst vor dem Fremden sein, die Angst, Fehler zu machen. Sie können diese Angst nicht verbieten und Sie können sie auch nicht erdrücken, indem Sie Ihre Partnerin jetzt dauernd in den Arm nehmen. Wenn Sie sie zu nichts zwingen, wird sie wahrscheinlich von selbst auf Sie zukommen. Sie können ihr dabei zumindest mit Geduld helfen.

Barfrauen kommen meist aus sehr armen Verhältnissen. Das bedeutet, daß sie viele Dinge nicht kennen und nicht viel gelernt haben. Nicht, weil sie dumm sind, sondern weil sie keine Gelegenheit zum Lernen hatten. Vieles, von der Anwendung elektrischer Geräte bis zur Anwendung spezieller Medikamente für bestimmte Krankheiten ist vielleicht für Sie selbstverständlich, Ihrer Partnerin aber völlig unbekannt, meist auch das logische Denken. Wenn Sie Ihrer Frau etwas sagen wollen und sie versteht es nicht, fühlen Sie sich vielleicht hilflos, weil Sie glauben, Ihre Frau will Sie nicht verstehen oder sie ist einfach zu dumm. Und wenn Sie sich hilflos fühlen, dann neigen Sie dazu, irgendeine Kurzschlußhandlung zu begehen oder zu schreien. Beides hilft nicht.

Ihre Frau kann Sie dann wohl besser hören, aber immer noch nicht besser verstehen. Und sie wird in Zukunft noch mehr Angst vor Ihnen haben. Sie erreichen also das Gegenteil von dem, was Sie wollen. Geduldige Erklärungen helfen hier mehr.

Versuchen Sie, Ihrer Partnerin ganz in Ruhe etwas zu erklären, wenn sie es nicht weiß – und ganz in Ruhe zuzuhören, wenn sie fragt, antwortet oder Ihnen widerspricht. Und geben Sie ihr für das, was sie tut und lernt, auch etwas Anerkennung, für die Mühe, die sie sich macht, etwas für Sie zu tun. Wenn Ihre Partnerin empfindet, daß sie von Ihnen akzeptiert wird und gemeinsam mit Ihnen leben kann, wird sie dies ernsthaft versuchen. Besonders dann, wenn sie keine eigene Familie unterstützen muß.

Doch wenn Ihre Partnerin sich auch von Ihnen verlassen fühlt, werden sie nur die Rolle eines Versorgers oder eines Goldesels erhalten. Das kommt dann ganz auf Sie an. Aber sie sollten wissen, daß solch eine Beziehung nur solange hält, wie Sie unbedingt gebraucht werden. Je mehr Geld Ihre Partnerin sparen kann, desto näher rückt dann der Tag, an dem sie es nicht mehr nötig hat, mit einem Farang zu leben, ihm zu dienen und das zu tun, was er will oder was er befiehlt.

Mit besten Grüssen

Paule Plapper

 

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Gad Labudda: 13 Leserbriefe und Anworten Teil 3

Erstellt von Admin am 11. April 2009

Teil 3

 

Meine Frau muß mir doch helfen…

An die Redaktion,

Ich habe schon einige Male meinen Urlaub in Thailand verbracht und liebe dieses Land. Die Leute sind freundlich, sie lächeln und haben ein heiteres Wesen. Sie kümmern sich nicht groß um das, was andere Leute machen und lassen sie in Ruhe, das Leben ist billig und das warme Klima bekommt mir sehr gut. Schon seit längerer Zeit habe ich viel Geld gespart und darauf hin gearbeitet, hier zu leben.  

Nun bin vor einem halben Jahr nach Thailand gekommen. Schon nach wenigen Tagen habe ich eine Freundin gefunden, die auch wirklich mit mir leben will. Ich habe nicht nach einer Schönheit gesucht, sondern nach einem netten Menschen und das ist sie auch. Sie versucht nicht, mich auszunehmen, ist sparsam und bescheiden und kümmert sich auch um mich. Aber trotzdem gibt es große Probleme.

Wenn ich hier leben will, muß ich Thai lernen, aber darüber lacht sie nur und hilft mir mit keinem Wort. Sie isoliert mich von ihren Freunden und wir können höchstens in Bars und Restaurants gehen. Ich kann mit ihr zusammen keine Thailänder kennenlernen, sie hilft mir nicht, Verbindungen aufzubauen, Geschäftsmöglichkeiten oder eine Beschäftigung zu finden. Ich bekomme von ihr keine Informationen und meine Unterlagen hebt sie so auf, daß ich sie nie finden kann.

Ich habe immer ein sauberes Hemd und eine saubere Hose, aber meine guten Sachen liegen zerknüllt in einem Beutel, da kann ich reden, was ich will. Sie will mit mir leben, aber sie hindert mich daran, eine Existenz aufzubauen und hier leben zu können. Manchmal habe ich das Gefühl, als wenn sie gegen mich kämpft. Ich weiß nicht, wie ich das verstehen soll und was ich machen kann, damit sich das ändert. Welche Erfahrungen habt Ihr mit solchen Sachen?

Andreas P.

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Bester Andreas,

zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu Deiner hübschen Geschäftsbeziehung – es gibt keinen Zweifel, daß es sich um nichts Anderes handelt. Du bist in ein Land gekommen, dessen Menschen freundlich sind, denn „sie kümmern sich nicht groß um das, was andere Leute machen“. Und Du freust Dich: „Schon nach wenigen Tagen habe ich eine Freundin gefunden…“. Das war wohl ein Irrtum; es ist äußerst selten, daß man nach wenigen Tagen eine Freundin findet.

Du hast irgend eine Frau gesucht, die Dich versorgt und mit Dir ins Bett geht, wofür Du ihr Geld gibst. Sie hat jemand gesucht, der sie ernährt und ihr Geld gibt und dafür arbeitet sie dann. Das ist ein Arbeitsverhältnis, keine Freundschaft. Sie hat sicherlich keinen Anlaß, Dich unter die Leute zu bringen. Wofür? Um Dich mit anderen Frauen bekannt zu machen und sich Konkurrenz zu suchen?

‘Ein Mann ist das, was eine Frau aus ihm macht’. Diese alte Volksweisheit darf man sich etwas länger überlegen. Männer und Frauen können nur gemeinsam leben und niemals gegeneinander. Trotz allem ‘Kampf der Geschlechter’ von Machos und Emanzen. Das Zusammenleben hinterläßt immer seine Spuren. Auch wenn man dafür bezahlt.

Und dann kommen Männer nach Thailand, suchen sich eine sexuell brauchbare Putzfrau, die aus irgend einem Dorf in eine Bar gegangen ist und glauben, daß sie mit ihr gemeinsam leben können, glauben, daß diese Frau, die möglicherweise zwischen drei bis vier Bambuswänden aufgewachsen ist und höchstens vier bis sechs Jahre zur Schule gegangen ist, sie in die High Society einführt und ihnen hilft, ein Geschäft aufzubauen. Frauen, die in einer Bar ausgelöst werden, sehen ihre Aufgabe bestenfalls darin, für ihren alternden Sponsor die jugendliche Geliebte zu spielen.

Wenn es darum geht, ihm Thai beizubringen, so nehmen sie diese Bemerkung nicht ernst; Ausländer sind dafür bekannt, daß sie kein Thai lernen. Zudem meinen die Einen, es wäre gar nicht gut, wenn Ausländer Thai sprechen, denn dann könnten sie verstehen, was die Thai sprechen und sie vielleicht sogar kontrollieren, was deren Einkommensmöglichkeiten und ihrem Privatleben gar nicht dienlich ist. Die Anderen halten sich zu Recht für unfähig, jemand beim Lernen der thailändischen Sprache zu helfen.

Die meisten der Frauen, die in den Bars arbeiten, können einfach nichts anderes tun. Das heißt nicht, daß es grundsätzlich schlechte Menschen sind, aber sie haben kaum irgendwelche Fähigkeiten gelernt, die beim Leben in der Stadt erforderlich sind. Die Schulbildung auf dem Lande ist so gut wie gar nicht auf ein praktisches Geschäftsleben bezogen. Selbst die Leute, die vier oder sechs Jahre in der Schule waren, sind kaum in der Lage, eine Anschrift aus einem Telefonbuch zu suchen, in Erfahrung zu bringen, welche Ämter für welche Probleme zuständig sind, Verordnungen zu verstehen oder amtliche Formulare auszufüllen. Auch wenn der Ausländer noch so sehr beteuert, daß er ja kein Thailänder ist und deshalb seine Freundin diese Aufgaben übernehmen muß, so ist sie dazu einfach nicht in der Lage. Wäre sie es, dann hätte sie sicherlich bei einer anderen Tätigkeit ein besseres Einkommen oder würde selbst ein Geschäft betreiben.

Von grundlegender Bedeutung für die Beziehungen mit durchschnittlichen Thailändern und insbesondere mit den Frauen, die in Bars arbeiten, ist die Meinung, die diese von den Farang haben. In der stark hierarchisch geordneten thailändischen Gesellschaft nimmt der Farang die allerunterste Stufe ein. Dies wird damit begründet, daß er in den thailändischen Gesellschaftsschichten noch nicht einmal erwähnt wird und keinerlei Rechte hat. Außerdem haben Ausländer nach der landläufigen Meinung von Thailändern keine Bildung, sie können sich einfach nicht benehmen, was man ja regelmäßig von den Farang an den Bars erlebt. Sie sind unhöflich und außerdem sind sie dumm.

Man kann bekanntlich jeden Menschen nach seiner Anwendung der Sprache einschätzen und die Farang sprechen so gut wie überhaupt kein Thai, sie brüllen nur hin und wieder etwas, was kein Mensch verstehen kann. Außerdem wissen sie sich noch nicht einmal zu helfen, machen Vieles falsch und tun Vieles, was ein anständiger Thai niemals machen würde. Deshalb glaubt man, sie seien alle dumm.

Aber die Farang sind auch bekannt dafür, daß sie Geld haben. Die Farang sind alle reich, glaubt man. Sie gehen nicht arbeiten und zahlen für den Flug mehr, als ein durchschnittlicher Thai auf dem Lande in einem Jahr verdient, nur um für Frauen, Alkohol und Hotels an einem Tag mehr auszugeben, als dieser Thai in einem Monat verdient. Man braucht also nicht darüber zu diskutieren, ob sie reich sind, denn ein durchschnittlicher Thai könnte sich so etwas nie erlauben.

Es ist also einfach lächerlich, oder ein grober Spaß, wenn ein Farang im Hotel lebt und sagt, er sucht in Thailand Arbeit oder er will Geschäfte machen, wo doch sicher ist, daß er dabei weniger verdient, als er im Hotel ausgibt. Was Du jetzt machen kannst? Du kannst Dich daran gewöhnen, daß Deine Freundin mit Dir ins Bett geht und Dir im Haushalt hilft, weil sie Geld braucht, daß sie Dich nicht für voll nimmt und daß Du selbst erledigen darfst, was Du für wichtig hältst. Viel Spaß dabei wünscht

Dein Paule Plapper

 

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Gad Labudda: 13 Leserbriefe und Anworten Teil 4

Erstellt von Admin am 9. April 2009

Teil 4

 

 

In Thailand kann man billig leben…

Sehr geehrte Redaktion,

Ihre Anschrift habe ich von einem Freund, der jedes Jahr nach Thailand in Urlaub fährt. Er hat mir gesagt, daß man in Thailand sehr billig leben kann. Die meisten Arbeiter verdienen dort im Monat zwei- bis dreitausend Baht und ernähren davon ihre Familie. Ich habe ein Mathematik-Studium mit einem Diplom abgeschlossen und will jetzt meine Doktorarbeit schreiben. Das schaffe ich nicht, wenn ich gleichzeitig arbeiten gehen muß. Ich kann aber nicht neun Monate oder ein ganzes Jahr in Deutschland leben, ohne Geld zu verdienen, um nur meine Arbeit zu schreiben.

Nun habe ich mir gedacht, ich könnte vielleicht ein Jahr nach Thailand kommen, ein billiges Zimmer mieten und zur Gesellschaft ein Mädchen nehmen, das auch für mich kocht. Dann könnte ich dort in einem Jahr meine Arbeit schreiben und auch gleich drucken lassen, weil das dort viel billiger ist.

Können Sie mir sagen, in welcher Gegend ich billig wohnen und leben kann und mir erforderliche weitere Hinweise geben (Stromversorgung, evtl. religiöse Eigenheiten, Ernährungsart, erforderliche Gesundheitsvorsorge, etc.)?

Edelhardt Pf.

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Bester Edelhardt,

Sie haben bestimmt theoretische Mathematik studiert. Aber es ist nicht alles Mathematik, was glänzt und man kann Mathematik auch nicht leben. Es gibt viele Ausländer, die glauben, daß sie in Thailand billig leben können und mit dem Gedanken an ein paradiesisches Leben und wenig Geld hierherkommen, deshalb ist Ihre Frage von allgemeinem Interesse.

Sie wollen in Thailand ganz billig leben ‘und zur Gesellschaft ein Mädchen nehmen’, das auch für Sie kocht. Und was berechtigt Sie zu der Annahme, daß dieses Mädchen auch ganz billig leben will?

Sehen Sie, es ist alles dunkelgraue Theorie, was Sie sich gedacht haben. Das Schlimme ist, daß Sie dabei Ihr eigenes Leben und das Leben anderer Menschen ausgeklammert haben. Sie wollen ganz billig und bescheiden leben. Mit einer Dienerin für Bett und Küche zur Gesellschaft. Meinen Sie nicht auch, daß Sie realitätsfremd oder gar etwas größenwahnsinnig sind? Wieviel Geld wollen Sie denn Ihrer Konkubine und Putzfrau im Monat anbieten? Oder glauben Sie, daß Sie eine thailändische Frau finden, die auf einen Lohn verzichtet und für Sie gratis arbeitet, weil Sie so schön oder ein exotischer Ausländer sind?

Sie können eine billige Putzfrau finden, aber nicht eine Frau, die mit Ihnen für einen täglichen Teller Reis vorübergehend zusammenlebt, ohne Geld zu verlangen. Frauen, die bereit sind, mit einem Farang zu leben, den sie nicht kennen, tun das, um Geld zu verdienen und ihre Kinder oder ihre Familie zu ernähren, nicht weil es ihnen Spaß macht. Es gibt tatsächlich Thai, die leben von 3.000 Baht und ernähren ihre Familie damit. Aber die leben in einer Bauruine, in einem Bretterverschlag und haben keine Diener, sondern Hunger. Vernünftiges Essen, Stromversorgung, Gesundheitsvorsorge oder Sozialversicherung können sie sich nicht erlauben, dafür haben sie kein Geld.

Ich habe selbst in einem Dorf gelebt, um zu lernen und zu schreiben. Sicher, Sie haben Recht. Ich habe experimentiert, um zu wissen, wieviel Geld man zum Leben in einem thailändischen Dorf braucht und ich habe keine 1.000 Baht im Monat ausgegeben – abgesehen von der Miete, die ich nicht zu zahlen brauchte und mindestens 2.000 Baht betragen hätte. Ein Teller Reis im Dorfrestaurant hat mich trotz reichlicher Beigabe von Chili nur sieben Baht gekostet. Sehr billig. Außerdem habe ich mir zuhause Suppe gekocht, Zigaretten von thailändischem Tabak gedreht und auch noch Mekong im Haus gehabt. Es geht. Allerdings werden mit Sonnenuntergang die Bürgersteige hochgeklappt, das Restaurant bringt alle zwei Tische und sechs Stühle in Sicherheit und schließt und niemand geht mehr auf die Straße.

Selbstverständlich gibt es keine Frau, die mit einem alleinstehenden Farang spricht, bei ihm saubermacht, oder die Wäsche wäscht; sie würde selbstverständlich im Dorf sofort als Prostituierte angesehen. Und die Unterhaltung beschränkt sich auf das ‘Restaurant’, die zwei Tische vor dem Lebensmittelladen, die Frage, ob man den König liebt und ob Thailand schön ist, besser als das Ausland, bitte, und wie einem die Frauen gefallen. Wollen Sie das ein Jahr lang durchhalten? Schön, dann bringen Sie bitte eine Badehose und einige Handtücher mit. In dem flachen Steinhaus, das ich bewohnte, war die Mittagstemperatur 58° C. und der Computer schaltete zwischen 12 Uhr mittags und 17 Uhr ab.

Aber ich glaube, zu verstehen, daß das nicht das Leben ist, daß Sie suchen. Sie brauchen eine Gesellschaftsdame zum billigen Leben. Und Sie glauben scheinbar auch noch, daß die thailändischen Mädchen nichts Besseres zu tun haben, als Dienerin, Putzfrau und Geliebte auf Zeit für einen armen Farang zu spielen, weil der glaubt, er kann sich ‘zur Gesellschaft ein Mädchen nehmen’, wie andere Leute eine Flasche Bier, weil er ihnen dann einen Teller Reis gibt. Die Jiden nennen so etwas ‘Chuzpe’; der höchstmöglich denkbare Grad von Unverschämtheit. Kein Mädchen wird mit Ihnen für ein Jahr in ein unbekanntes Dorf gehen, um dort als billige Hure eines armen Farang angesehen zu werden und zu leben.

Sicher, es stimmt, daß Sie in verschiedenen Orten ein Mädchen mitnehmen können, und daß dieses Mädchen auch freiwillig mitgeht. Wenn Sie beispielsweise in Bangkok, Pattaya, Phuket etc. in einem Hotel leben und pro Nacht vielleicht 500 Baht für Ihr Hotelzimmer bezahlen, dann haben Sie gute Chancen, in einer Bar für 200 oder mehr Baht ein hüb-sches Mädchen auszulösen, das Sie dann in Ihr Hotel mitnehmen können, wofür das Mädchen nochmals mindestens 500 Baht erwartet. Macht ohne Speisen und Getränke 1.200 Baht für diesen Abend.

Die Mädchen, die in Thailand mit unbekannten Ausländern ins Bett gehen, tun dies, weil sie sich, ihre Familie, ihre Eltern, Geschwister oder Kinder ernähren wollen, manche auch deshalb, weil sie reich werden wollen. Aber nie und nimmer, weil sie die Chance haben, von einem  Farang beschlafen zu werden und dafür einen Teller Suppe bekommen. Jedes Kloster bietet ihnen mehr und besseres Essen ohne Gegenleistung.

Und noch etwas: Glauben Sie wirklich, Sie können ein Jahr lang mit einem Mädchen zusammen leben und das Mädchen dann sitzen lassen, möglichst noch mit einem Kind von Ihnen? Dann tun Sie besser daran, nie nach Thailand zu kommen. Was geschieht aber, wenn Ihre mathematische Kalkulation über Ihren weiblichen Gebrauchsgegenstand einen Fehler hat, wenn Sie sich an so ein Mädchen gewöhnen, es verstehen lernen und mögen und entweder nicht sitzen lassen wollen oder nicht sitzen lassen können? Wollen Sie dann Ihr Leben lang mit diesem Mädchen zusammen leben und jeden Tag über schöne Kleidung, über Gemüse, Geister und Lotteriezahlen sprechen? Wie meinen Sie? Das Mädchen könnte ja auch etwas lernen?

Bester Edelhardt, Menschen, die in ihrer Jugend nicht die Möglichkeit hatten, das Lernen zu lernen, haben später keine Chance mehr dazu. Und wenn das Mädchen sich an Sie gewöhnt hat und Sie dann vielleicht sogar mag, was machen Sie dann? Nehmen Sie das Mädchen dann mit nach Deutschland, wo es nicht leben kann oder bleiben Sie dann hier in Thailand, wo Sie nicht arbeiten und schon allein deshalb nicht leben können? Was immer Sie tun, Sie werden beide unglücklich, es ist nur eine Zeitfrage. Aber vielleicht sind Sie auch schon während des einen Jahres unglücklich, in dem Sie versuchen wollen, zusammen zu leben.

Sicher, Sie können in Bangkok oder Pattaya mit einem Mädchen zusammenziehen, das Ihnen dafür nur 10.000 Baht im Monat abnimmt. Dann müssen Sie noch 5.000 Baht Miete und minimal weitere 5.000 Baht für Ernährung und Nebenkosten ausgeben. Da ist noch kein Barbesuch drin und kein Vergnügen. Plus Flugreise und Visareisen. Macht etwa knapp 300.000 Baht für das eine Jahr, ohne Sicherheiten und Rücklagen. Mit dem Geld können Sie auch in Deutschland leben, wenn auch ohne Dienerin für Bett und Küche, aber sicher mit weit weniger Ärger.

Was an Ihrem Denken stört, ist nicht etwa, daß Sie sich in ein thailändisches Mädchen verliebt haben, mit dem Sie leben wollen, obwohl Sie kein Geld haben. Das wäre zwar nicht schön, sondern geradezu unangenehm, aber verständlich. Sie aber haben kein Geld und suchen nun eine Dienerin, die Sie auch ins Bett befehlen können, weil sie glauben, ihr bliebe nichts anderes übrig, wenn sie nicht verhungern will. Das ist nicht nur schäbig, das ist rein mathematisch; garantiert gefühlsfrei, obwohl andere Mathematiker dafür bekannt sind, daß sie eher zuviel Gefühl haben.

Ich kann Ihnen keine brauchbaren Adressen geben. Weder von Apartments noch von billigen Häusern auf dem Land. Ich kann Ihnen nur empfehlen, für einen oder zwei Monate Arbeit einzupacken und diese Zeit in einem preiswerten Guesthouse zu verbringen und sich selbst umzusehen, um sich das Land und die Leute, die alle von Ihnen erwarten, daß Sie viel Geld ausgeben und von Ihnen extra hohe Preise verlangen, weil Sie ein reicher Farang sind, selbst anzusehen und sich Ihr eigenes Urteil zu bilden. Sie können bestimmt ein billiges Zimmer finden und billig leben, wenn Sie alleine leben, aber das können sie nicht ein Jahr lang durchhalten, glaubt

Ihr Paule Plapper
 

 

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Gad Labudda: 13 Leserbriefe und Anworten Teil 5

Erstellt von Admin am 7. April 2009

Teil 5

 

Ich sehe sie immer nur schlafen…

Herrn Paul Plapper,

ich habe einige Ihrer bissigen Antworten gelesen und die kommen mir gerade recht. Ich lebe in einem sehr schönen Haus etwas außerhalb von Pattaya. Seit einigen Wochen habe ich eine Freundin, die hier mit mir lebt. Ein ganz junges und hübsches Ding aus der Provinz. Ich dachte, sie bringt mir etwas Leben ins Haus, aber ich sehe sie Tag und Nacht immer nur schlafen. Sie hätte hier alle Möglichkeiten, sich zu beschäftigen, aber sie schläft nur. Ich habe sie schon zum Arzt geschickt, aber der sagt, sie ist körperlich völlig gesund. Ich glaube, sie ist einfach nur faul, daß sie dauernd schläft. Das müssen Sie einmal schreiben, ich lasse ihr das sogar übersetzen.

Ich stehe morgens früh auf und mache mir mein Frühstück selber. Sie steht dann erst so zwei bis drei Stunden später auf, wenn ich schon längst im Internet bin. Ich bin noch sehr aktiv und hole mir bis nachmittags alle Nachrichten aus dem Internet. In der Zeit schläft sie. Wenn ich mit dem Internet fertig bin, macht sie was zu Essen und dann schläft sie wieder, während ich eine Stunde spazieren gehe. Sie will aber nicht mitkommen. Wenn ich wiederkomme, schwimme ich eine halbe Stunde lang einige Runden im Pool vor dem Haus. Sie will aber nicht schwimmen. Bis abends lese ich etwas und sehe mir in der Deutschen Welle die Nachrichten an, während sie schläft. Ich habe ihr ein Buch gekauft zum Englischlernen, aber das liest sie nicht, sie schläft.

Abends gehe ich vielleicht etwas essen oder in eine Bar und sehe mir anschließend noch einen Videofilm an, während sie im Bett liegt und schläft. Das regt mich langsam auf. Ich bin schon pensioniert, aber ich bin immer noch aktiv. Sie schläft aber nur, obwohl sie doch so jung ist, da muß man doch Interessen haben, sie hat ja noch so viel zu lernen. Aber sie liegt nur im Bett und schläft. Jetzt schreiben Sie ihr das ‘mal.

Wilhelm V.

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Sehr geehrter Herr Wilhelm V.,

ich habe mich bemüht, Ihre Beschwerde richtig zu verstehen, habe damit aber einige Schwierigkeiten. Sie beklagen sich darüber, daß Ihr Ding schläft. Ihr Ding, Ihr ganz junges und hübsches, liegt im Bett und schläft. Sicherlich ist mir bei Ihren Zeilen entgangen, weshalb Sie sich das Ding geholt haben und was das Ding eigentlich tun sollte. Aufgefallen ist mir aber, daß es sich gar nicht um ein Ding handelt, sondern um einen Menschen, ein ganz junges Mädchen. Aber das haben Sie wohl schon erforscht.

Während Sie also nun ganz aktiv im Sessel sitzen und sich im Internet deutsche Zeitungen zu Gemüte führen, stört es Sie, daß das Mädchen nicht ganz aktiv dahinter steht und sich die komischen Zeichen ansieht, die die Deutschen Buchstaben nennen. Dann macht das Mädchen Ihnen etwas zu essen und ist gar nicht daran interessiert, mit einem alten Mann zur heißen Mittagszeit in praller Sonne eine Stunde gemütlich spazieren zu gehen. Sie werden kaum eine Thailänderin finden, der nicht allein der Gedanke daran heiße Schauer über den Rücken als auch über den hellen Teint fahren läßt. Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, daß Thailänder gar keinen Stolz darein legen, spazierenzugehen, und daß besonders Frauen alles Erdenkliche tun, sich nicht der Sonne auszusetzen, sich notfalls wenigstens die Handtasche vors Gesicht halten, um nur ja einen hellen Teint zu behalten und nicht etwa braun zu werden?

Und dann hat sie nicht einmal Lust, eine halbe Stunde hinter Ihnen herzuschwimmen. Fatal. Haben Sie sie einmal gefragt, ob sie überhaupt schwimmen kann? Und haben Sie sich einmal überlegt, wieviel Spaß es für ein junges Mädchen machen muß, eine halbe Stunde lang hinter einem alten Mann herzuschwimmen?

Und wenn Sie Bücher lesen und die Deutsche Welle sehen, setzt sie sich nicht voller Schwung dazu, um auf die deutschen Bücher zu starren und staunend die deutschen Nachrichten zu hören, die sie nicht versteht? Und sie setzt sich nicht einmal vor ein dickes Buch, um alleine Englisch zu lernen? Dabei fällt mir ein: Sie haben gar nicht geschrieben, wie lange Sie sich jeden Tag vor ein Buch setzen, um alleine Thai zu lernen.

Sehen Sie, das Ding hat verstanden, daß es dafür bezahlt wird, daß es für Sie da ist. Nicht als Partner, nicht als Freundin, sondern als Ding im Bett. Das Mädchen braucht scheinbar das Geld, sonst wäre es längst weg. Es wartet auf Ihre Befehle, es wartet darauf, daß Sie etwas sagen, was es tun soll. Es ist nicht so selbständig erzogen, daß es von selbst wüßte, was es tun will und hat vermutlich gelernt, immer nur das zu tun, was befohlen wird. Aber Sie sind so nett, daß Sie ihr nichts befehlen. Sie sagen ihr nichts, was sie tun könnte, und woran sie auch Spaß haben könnte, sondern nur, was Ihnen paßt. Und Sie tun nichts, woran das Mädchen teilhaben könnte. Sie wollten ein ganz junges Mädchen. Wozu? Es ist keine erfahrene Frau, die mit sich selbst fertig wird und außerdem noch für einen alten Mann sorgen kann. Das Mädchen braucht jemand, der ihm hilft, jemand, an den es sich klammern kann, der ihm hilft, groß zu werden.

Was jetzt? Wollen Sie sich um das Mädchen kümmern? Nein? Dann lassen Sie es gehen. Suchen Sie sich eine Frau, die mit sich und mit Ihnen fertig wird. Oder mögen Sie das Mädchen wirklich? Und haben Angst, alleine zu sein? Dann vergessen Sie nicht, daß es nicht eine Altenpflegerin ist. Setzen Sie sich mit dem Mädchen zusammen und unternehmen Sie etwas mit ihm gemeinsam. Lernen Sie gemeinsam mit dem Mädchen Zeichnen, Gitarre spielen, Kochen oder was das Mädchen mag. Helfen Sie ihm, Englisch zu lernen. Lassen sie es Kurse besuchen, Computer oder Englisch, weil es Kontakt mit jungen Leuten und eine sinnvolle Beschäftigung braucht. Sagen Sie ihm, daß es Freundinnen mitbringen kann, um gemeinsam zu lernen, um sich zu unterhalten oder fernzusehen.

Aber am Besten ist es, wenn Sie sich selbst überlegen, was Sie eigentlich wollen. Es ist nicht möglich, ein junges Mädchen auf längere Zeit mit einem alten Mann zusammenzusperren, weshalb auch immer. Es geht mir dabei nicht um die Frage, was moralisch ist, denn so eine Frage kann ich gar nicht beantworten. Moral ist meistens nur das Verhalten, was man von anderen Leuten erwartet. Es geht vielmehr darum, daß Sie Beide leben können müssen und dazu braucht ein junges Mädchen auch junge Leute.

Wie immer dem sei, werde ich selbstverständlich Ihrem Wunsch nachkommen und den von Ihnen erwünschten Brief schreiben:

Mein liebes Ding,

Ihr Opa hat mir geschrieben und sich darüber beschwert, daß sein Ding schläft. Aber nicht nur das. Außerdem hat er auch schon vergessen, daß er einmal jung war. Er weiß nicht mehr, daß man etwas Spaß braucht und etwas Vergnügen, wenn man jung ist. Er beschwert sich, daß Sie nur schlafen und wenig aktiv sind, wo doch alle Möglichkeiten bestehen, etwas zu tun und etwas zu lernen. Ich glaube aber, daß Sie darauf warten, daß er Ihnen sagt, was Sie tun können. Das kann schwierig werden, denn es ist möglich, daß er sich als Ausländer etwas unsicher fühlt und deswegen nichts sagen will. Tun Sie doch einfach so, als wären Sie zehn Jahre älter und schlagen Sie ihm einmal vor, was er mit Ihnen zusammen tun kann. Sagen Sie ihm, was Ihnen Spaß macht und was Sie gerne tun möchten.

Wenn Ihnen nichts einfällt, dann ist das auch nicht tragisch, dann überlegen Sie sich einfach einmal, was Ihnen Spaß machen könnte und probieren es aus. Irgend etwas, was Sie selbst tun, wie nähen, sticken, zeichnen, schreiben, kochen, etc. Sie können sich überlegen, was Ihrem Opa oder Ihren Freundinnen Spaß machen kann und Sie können sie ja auch fragen.

Sicher sollten Sie die Zeit dazu nutzen, wenigstens Englisch zu lernen, oder vielleicht Deutsch. Sie werden es später brauchen, weil man in Thailand mit einer Fremdsprache viel besser Geld verdienen kann. Nachdem Wilhelm einen Computer hat, könnte er Ihnen vielleicht auch erklären, wie man mit so einem Ding umgeht, auch das kann wichtig sein, um besser Geld verdienen zu können. Wenn man sich beschäftigt und Freude daran findet, ist es auch nicht so langweilig, weiß

Ihr Paule Plapper

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Gad Labudda: 13 Leserbriefe und Anworten Teil 2

Erstellt von Admin am 6. April 2009

Teil 2

 

Ich will hier in Pattaya bleiben…

Liebe Redaktion,

Ich komme schon seit Jahren nach Pattaya und bin schon das vierte Mal hier. Ich habe mir schon bei den früheren Gelegenheiten vorgenommen, einmal hier zu bleiben, aber jetzt habe ich vor einer Woche ein Mädchen gefunden, das ideal zu mir paßt und wir sind sehr glücklich. Ich habe einen Kaufmannsgehilfenbrief und zwanzig Jahre Erfahrung im Großhandelswesen. Ich bin ein sehr aktiver Mensch, besitze über 30.000 Mark und ich habe in der Schule auch etwas Englisch gelernt.

Ich habe nie geheiratet, weil mir die deutschen Frauen nicht gefallen. Sie sind zu massig und haben zu viele Ansprüche. Dazu wollen sie auch noch dauernd emanzipiert sein. Aber hier sind die Frauen ganz anders. Jetzt überlege ich mir, ob ich hier eine Arbeit suchen soll, oder ob ich mich selbständig mache. Ich hoffe, daß Ihr mir einen guten Rat geben könnt, damit ich weiß, wie ich es am besten mache.

Walter S.

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Mein Gott, Walter,

das Beste ist, jetzt gleich sofort zum Flughafen zu fahren und nach Deutschland zurückzufliegen. Entweder tut Dir das warme Wetter nicht gut, oder Du hast Dir eine schwere, ansteckende Krankheit zugezogen, die bei stärkerem Touristenaufkommen um sich greift und die Hirnzellen auf ,Scheintot’ stellt. Aber im Grunde handelt es sich nur um ein Phänomen, das hier besonders massiv auftritt, während es in aller Welt vorkommt, wenn ein Mann ein hübsches Mädchen sieht. Dann beginnt das, was man so schön ‘ein inneres Bedürfnis nennt’, das schafft die Illusionen, Wunschträume und Tagträume, die mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun haben.

Du hast in Deutschland in über zwanzig Jahren keine Frau gefunden, unter Millionen von Frauen. Ist Dir nicht aufgefallen, daß die alle anders sind und nur Du immer derselbe geblieben bist? Wieviele Frauen hast Du denn wirklich kennengelernt? Sicher, zugegeben, die meisten haben eine kräftigere Figur und auch einen kräftigeren Hintern, als die Thailänderinnen. Aber, bestehen das Hauptmerkmal und die Grundlage für eine Lebensgemeinschaft darin, keinen dicken Hintern zu haben?

Du beklagst Dich darüber, daß die deutschen Frauen emanzipiert sein wollen, gleichberechtigt, und daß sie zu viele Ansprüche haben. Das trifft sicherlich auf viele deutsche Frauen zu. Es ist ein Anzeichen dafür, daß für viele deutsche Frauen ‘das heilige Band der Ehe’ ein Geschäft ist – genauso, wie für viele Männer. Aber glaubst Du vielleicht, das wäre hier anders? Die Frauen, die nach Pattaya kommen und in den Bars arbeiten, kommen, um Geld zu verdienen oder einen reichen Mann zu finden. Dafür bieten sie ihren Körper an und viele spielen die Geliebte, denn dafür werden sie bezahlt. Während der Zeit, für die sie bezahlt werden oder in der sie auf eine Partnerschaft hoffen, in der sie versorgt werden, sind sie hilfsbereit, ja fast untertänig und stehen dem Mann für alles zur Verfügung.

Ist es das, was Du suchst? Dann bist Du hier falsch, denn der Schein trügt. Die gespielte Liebe ist eine bezahlte Arbeitsleistung. Und das, was Du Deine Liebe nennst, ist eine verfeinerte Selbstbefriedigung, für die Du bezahlst. Sie ist schön und Du willst sie haben, als Eigentum besitzen und benutzen.  Das hat nichts mit Liebe zu tun. Es gibt nichts, was Du für sie willst, Du willst nur, daß sie für Dich da ist und daß sie dabei glücklich ist, ohne daß Du dafür etwas tun oder Dich gar um sie kümmern müßtest.

Du kannst keinen Menschen in einer Woche kennenlernen, schon gar nicht aus einem Dir völlig fremden Kulturkreis mit einer Sprache, die Du nicht verstehst. Ihr könnt nicht einmal miteinander sprechen und Du liebst sie? Weil sie so gut zu Dir paßt? Dann liebst Du Dich, und nicht sie. Du hast Dir ja auch noch nicht einmal überlegt, ob Du auch zu ihr paßt. Fällt Dir nicht auf, daß es doch seltsam ist, daß Dich hier alle Frauen (in den Bars) auf den ersten Blick lieben, während Du in Deutschland nicht eine einzige Frau finden konntest, die Dich liebt?

Dabei hast Du Dich sicher nicht verändert, als Du zum Urlaub hierhergekommen bist. Du liebst ihren Körper, ihre Dienstleistungen und ihre Ergebenheit. Kannst Du Dir nicht denken, daß das alles ganz schnell vorbei ist, wenn ihr nicht miteinander harmoniert, Euch wirklich in den Lebensanschauungen versteht, wenn die gegenseitigen Erwartungen nach dem Urlaub nicht erfüllt werden, oder wenn sie genug Geld hat, daß sie auch essen und leben kann, ohne Deine Dich liebende Dienerin zu spielen?

Sicher gibt es Ausländer, die mit einer Thailänderin leben, aber der Prozentsatz zufriedener und bleibender Partnerschaften ist sehr gering. Es sind Partnerschaften, die sich entwickeln und das geht nicht innerhalb von sieben Tagen. Deine Überlebenschancen als Großhandelskaufmann sind hier gering. Ausländer dürfen nichts tun, was nicht auch Thailänder machen können. Dein Geld ist nicht ausreichend, um hier eine feste Existenz aufzubauen. Deine Fähigkeiten (zu tun, was Thai nicht tun können) und Deine Sprachkenntnisse sind nicht ausreichend, um hier leben zu können. Dennoch müßtest Du erst einmal ein Jahr hier leben, um zu wissen, ob Du hier auf die Dauer glücklich wirst und ob Du mit Deiner Freundin zusammen leben kannst. Es ist nur ein schöner Wunschtraum, an dem Du leidest. Du solltest mit mehreren Freunden ehrlich darüber sprechen, rät

Dein Paule Plapper

 

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Gad Labudda: 13 Leserbriefe und Anworten Teil 1

Erstellt von Admin am 4. April 2009

13 Posts – von ‘Paule Plapper’ in ‘Kunterbuntes Pattaya’ –

von Gad Labudda

Eine Zeitung erhält Leserzuschriften. Zumeist Fragen oder Beschwerden. Die sind wichtig, weil es sich meist um Themen handelt, die Leser interessieren. Aber manchmal kommen zu wenige oder sogar gar keine Leserbriefe. Dann muss man etwas unternehmen, um die Rubrik aufrechterhalten zu können. Dann überlegt man sich ein Thema, dass die Leser interessiert. Dazu nimmt man vielleicht einen lieben Bekannten zum Thema eines Leserbriefes, der natürlich nicht namentlich erwähnt wird, oder man lässt einen Bekannten einen Leserbrief aus der Sicht einer ihm bekannten Person schreiben und antwortet dann darauf.

Die Antworten zu solchen Leserbriefen entscheiden sich merklich von Antworten zu echten Briefen. Man kann nämlich dem Klaus, der einen Leserbrief schreibt, nicht sagen: „Du bist ein Idiot.“ Nicht nur, weil es nicht höflich ist, sondern vor allen Dingen, weil es ihm nicht hilft, auch wenn man diese Aussage begründet. Aber dem Klaus, der keinen Leserbrief schreibt, kann man mit solch einer Antwort mitteilen, dass man einen Menschen kennt, der genau die gleiche Frage, dieselbe Beschwerde hat. Und man kann ihm sagen, was man will, denn er wird ja nicht angesprochen. Deswegen kann man ihm auch ruhig eine verbale Ohrfeige geben, denn dier trifft ihn ja nicht, bringt ihn aber oft dazu, sich sein Problem näher zu überlegen, weil er der Ohrfeige zugeschaut hat.

Um solche Leserbriefe und Antworten handelt es sich hier. Sie zeigen Fehler und Irrtümer auf, geben manchmal auf grobe Weise Informationen, ohne aber tatsächlich jemand zu verletzen.

 Teil 1

Kann ich meiner Freundin glauben?…

Liebe Redaktion,

Ich bin Fliesenleger, 35 Jahre alt, lebe in einer Kleinstadt und habe seit zwei Wochen eine Freundin aus Kalasin. Ich habe sie hier an einer Bar kennengelernt, aber sie ist ein sehr anständiges Mädchen. Leider spricht sie kein Deutsch und auch kein Englisch. Sie ist auch nur zwei Jahre zur Schule gegangen. Aber sie ist sehr fleißig und ganz ehrlich. Sie schickt ihren Eltern Geld, weil die nichts verdienen können. In den zwei Wochen habe ich sie lieb gewonnen und will sie nicht mehr verlieren. Sie hat mir gesagt, daß sie mit mir leben will, obwohl sie noch ganz jung ist. Aber kann ich ihr glauben?

Ingo

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Bester Ingo,

ich bin sicher, daß Ihre Freundin wirklich mit Ihnen leben will. Aber ich bin nicht sicher, daß Sie zusammen leben können.

Ihre Freundin mag ein guter Mensch sein, ein junges Mädchen, das nichts gelernt hat, keine Arbeit finden kann und nun versucht, Ihre Eltern zu unterstützen, indem es in Pattaya Geld verdient. Ich glaube nicht, daß Ihre Freundin Sie liebt, aber sie wird sicherlich alles für Sie tun, wenn sie davon leben und ihren Eltern etwas Geld schicken kann.

Aber Sie können nicht mit ihr sprechen, Sie können sich kaum verständigen. Es wäre sicher gut, wenn Sie sich überlegen, was Sie von Ihrer Freundin erwarten. Wir müssen davon ausgehen, daß es keine Gemeinsamkeiten gibt, keine gleichen Anschauungen oder Überzeugungen, was das Leben, die Parterschaft, die Politik oder die Religion betrifft. Und mit Sicherheit haben Sie auch keine gemeinsamen Vorstellungen über Musik, Informationen, Kultur, Essen oder gemütliches Wohnen. Es kann aber sein, daß Ihre Freundin einen großen Anteil ihrer Vorstellungen und Erwartungen aufgibt, wenn Sie ein netter Mensch sind und Ihre Freundin gut versorgen. Dennoch wird es sehr schwierig sein, miteinander zu leben, sich zu verstehen und miteinander sprechen zu können.

Es kommt aber noch ein anderes Problem dazu. Sie werden in Thailand nicht als Fliesenleger arbeiten können. Und es ist sehr unwahrscheinlich, daß ihre Freundin in Deutschland leben kann. Sie hat nicht genug gelernt, um Kurse zu besuchen und richtig Deutsch lernen zu können. Dadurch wird sie kaum eine Möglichkeit haben, eine Arbeitsstelle zu finden. Sie wird in Deutschland kaum Kontakte haben, keine Freunde, keine Unterhaltung. Wahrscheinlich wird sie den ganzen Tag bei Ihnen zuhause sitzen und darauf warten, daß Sie wiederkommen, damit sie nicht alleine ist und etwas Unterhaltung hat.

Sie aber sind dort nicht mehr im Urlaub, sondern müssen arbeiten gehen und haben keine Zeit für sie. Wenn Sie abends nachhause kommen, sind Sie müde und wollen sich ausruhen. Wieviele Möglichkeiten haben Sie in Deutschland, sich wirklich um sie zu kümmern? Haben Sie sich überlegt, daß Ihre Lebensvorstellungen wahrscheinlich ganz anders sind, als die Ihrer Freundin? Vielleicht Überstunden, Auto, Stammkneipe, Fußball, Kegelclub und Wintersport? Haben Sie Ihre Freundin schon einmal gefragt, was sie am liebsten tut und sind Sie sicher, daß Sie diese Interessen mit ihr teilen oder ihr dabei helfen können?

Ich weiß nicht, ob Sie Ihre Freundin lieben, aber ich weiß, daß wir uns gerne selbst belügen. Wir sehen eine schönes Märchenbuch, ein Skateboard, ein Meerschweinchen, ein Auto, eine schöne Frau und dann lieben wir. Wir gehen mit dem Märchenbuch ins Bett, drücken das Meerschweinchen an uns, streicheln das Auto und heiraten die Frau. Diese Liebe bezieht sich ganz auf uns selbst, man nennt sie ‘Habenwollen’. Wir überlegen nicht, ob es für das Märchenbuch gut ist, im Bett zu sein, ob es gut ist für das Meerschweinchen, wenn wir es an uns drücken, ob es dem Auto hilft, wenn wir es streicheln und ob es für die Frau gut ist, wenn wir sie heiraten. In den meisten Fällen ist es noch nicht einmal gut für uns selbst. Aber wir wollen sie unbedingt haben. Was wollen Sie für Ihre Freundin?

Es besteht die Gefahr, daß Sie Ihre Freundin, die es gewohnt ist, im Freien zu sein und sich zu unterhalten, in eine Umgebung verpflanzen, in der sie nicht mehr zurechtkommt. Ihre Freundin hat in Deutschland keine Medien wie Fernsehen, Zeitungen, Radio oder Filme in ihrer Muttersprache, keine Freunde, keine Unterhaltung, kennt sich nicht aus, kann nicht einkaufen, nicht ausgehen, ist einsam und wird womöglich schief angesehen. Sie sollten es sich sehr gründlich überlegen, meint

Ihr Paule Plapper

 

 

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Sie sind ja so süß, wenn sie betteln

Erstellt von Admin am 2. April 2009

- 5 Seiten –   (‘Apichai Tamdii’ in ‘Die Geschichten gehen weiter’)
- Ein Bericht über Bettelkinder in den touristischen Orten -

 

Kurzgeschichte von Gad Labudda

Immer wieder erscheinen in den Nachrichten Berichte über Gruppen von Erwachsenen, die Kinder zum Betteln zwingen. Meist sind es Kinder aus Kambodscha und aus Burma, seltener aus Laos, und die Erwachsenen sind meist Thailänder, die manchmal mit ein oder zwei Kambodschanern zusammenarbeiten. Man ist in Thailand nicht schockiert, noch nicht einmal überrascht über solche Berichte, denn sie sind ein Bild des Alltags. Zudem waren es ja auch nur Kinder und dazu noch arme Kinder aus Kambodscha, also keine Personen, um die man sich Gedanken machen müßte. Außerdem gehen sie einen nichts an und man kann ja doch nichts ändern. Und das ist zutreffend.

Mit dieser allgemein üblichen Meinung kann man wirklich nichts am Schicksal dieser Kinder ändern. Nicht, weil man nicht könnte, sondern weil man gar nicht will. Auch viele Ausländer sind dieser Meinung. Manchen tun diese Kinder allerdings leid und dann geben sie ihnen ein paar kleine Münzen oder sie kaufen aus lauter Mitleid ein Kaugummi, das sie eigentlich gar nicht haben wollen. Sie haben ein gutes Herz, oder vielleicht ein soziales Schuldgefühl. Aber manchmal wäre es besser, sie hätten einen klaren Kopf, um die Folgen ihres Mitleids zu überlegen.

Es ist kein Zufall, daß Bettelkinder dort zu finden sind, wo sich diese Ausländer mit dem guten Herzen aufhalten, nämlich an den Bars, denn das ist ihre Bestimmung, von den guten Herzen gutes Geld einzutreiben. Nun wissen wir zwar, warum die Ausländer mit den guten Herzen an den Bars sitzen. Aber es ist sicher auch gut, zu wissen, warum die Kinder an die Bars kommen und wie es dazu kommt, daß man sie ständig an den Bars findet.

Nehmen wir zum Beispiel den kleinen Norodom, der nach dem König Kambodschas, Norodom Sihanouk, benannt wurde, dessen Leben aber gar nicht königlich ist. Er wurde als viertes Kind einer alteingesessenen, erfolgreichen Bettlerfamilie in Phnom Penh geboren. Die ersten Jahre verbrachte er stets zusammen mit seiner Mutter; sie erhielt viel mehr Geld, wenn sie mit einem Säugling oder einem Kleinkind auf dem Arm bettelte. Als er drei Jahre alt war, brachte er nicht mehr so viel ein, was sein Vater bereits als einen günstigen Zeitpunkt vorausgesehen hatte, um seine Mutter gegen eine andere Frau auszutauschen, die nun ein Kind von ihm bekam und damit viel bessere Einnahmen versprach. Norodom wurde zu der Schar der Kinder abkommandiert, die vor den Kaufhäusern und insbesondere den Supermärkten betteln gehen mußten.

Doch dort brachte er nicht viel ein und kam nicht allzuoft mit erbetteltem Geld in nennenswerter Höhe zu der Bretterhütte an der Straßenecke, die sein Vater sich als Hauptquartier erkoren hatte. Ein Umstand, den sein Vater als erfahrener, professioneller Bettler mit einfachen Mitteln zu ändern wußte, als der Junge vier Jahre alt war. Mit Freude hatte er beobachtet, daß sein Sohn Linkshänder war. So hackte er ihm den rechten Arm ab, womit seinem Sohn sein Leben lang gute Einnahmen als Bettler garantiert waren, wenn er nur lernte, geschickt zu betteln und sich unter Vorzeigen des bald heilenden Armstumpfes als zu bemitleidendes Minenopfer auszugeben.

Der Erfolg gab ihm Recht; sein Sohn brachte nun trotz seiner vier Jahre erheblich bessere Summen in erfreulicher Höhe zu seinem Vater, was allerdings den wachsamen Augen der bösen Konkurrenz von einer anderen Straßenecke nicht verborgen blieb und unverhohlenen Neid erweckte, zumal es diesem Mann an eigenen Kindern und folglich auch an abhackbaren Armen mangelte. Angespornt von den großen Erfolgen des einarmigen Vierjährigen nahm er Kontakt mit einem besonders bedürftigen Thai auf, den es in Phnom Penh herumtrieb, und man schmiedete große Pläne und dachte insbesondere an einen Eroberungsfeldzug.

Dafür ist zwar ein gewisses Kapital erforderlich, aber es ist ein altes Vorurteil, anzunehmen, daß Bettler kein Geld haben. Normalerweise gehören sie zu den wohlhabenderen Schichten, indem sie von einem Mangel an Scham und einem dicken Fell profitieren. Sie haben zumeist nur wenige Gefühle und darunter schon gar nicht jene der Achtung oder der Rücksicht gegenüber anderen Menschen. Meist sind es Menschen, die alles tun, um Geld zu bekommen, und wenn man sich nur zu betteln traut, verdient man meist weitaus besser, als wenn man arbeiten geht. Die Leute, die wirklich arm sind, schämen sich, zu betteln und versuchen, irgendeine Arbeit zu finden. Deshalb haben sie kein Geld. Die Bettler dagegen sammeln ihr Geld auf der Bank. Arbeiten zu gehen, bedeutet für sie einen schmerzlichen Gewinneinbruch.

Der böse Konkurrent heuerte einen guten Freund an, der ein altes Auto besaß und bereit war, ihn und einige weitere Fahrgäste gegen ein besonders gutes Entgelt einschließlich Gefahrenzulage an die thailändische Grenze zu bringen. Dann fuhren sie zu einem großen Supermarkt, wo sie den einarmigen Norodom, ein weiteres besonders erfolgversprechendes Kind und drei sehr arm und mager aussehende Kinder im Alter von etwa sechs oder sieben Jahren einluden. Sie gaben ihnen Süßigkeiten und versprachen ihnen eine Fahrt, bei der sie einen Teil der weiten Welt sehen sollten. Bei dieser Gelegenheit nahmen sie schnell noch ein Kind mit, das vielleicht knapp ein Jahr alt war, in einem Kinderwagen vor dem Supermarkt lag und vom Alter her besonders gute Einnahmen versprach. Als sie mit den Kindern abfuhren, ließen sie über eine längere Strecke noch mehrere Banknoten von fünfhundert Riel aus dem Autofenster flattern, worauf alle Kinder dem Auto hinterher liefen und die Straße leer war. Immerhin konnte man für fünfhundert Riel ein Ei kaufen und wurde von den Eltern belohnt. Die Kinder würden über den flatternden Banknoten die mitgenommenen Kinder vergessen und waren als Zeugen ohnehin nicht gut brauchbar.

Sie kamen bis dicht an die thailändische Grenze, die sich über Hunderte von Kilometern hinzieht und praktisch unkontrollierbar ist. Zu Fuß gelangten sie nach Thailand, wo bereits der thailändische Geschäftsfreund mit einem Auto auf sie wartete. Von hier aus begannen sie nun ihren Eroberungsfeldzug durch die touristischen Orte Thailands direkt in Pattaya, wo bereits weitere Mitarbeiter auf sie warteten. Die Kinder wurden nun aufgeteilt. Es waren zweimal zwei Kinder, die mit je einem Bewacher mitgingen, Norodom ging mit einem weiteren Bewacher und der Säugling wurde von einer Frau übernommen. Die Barbezirke wurden aufgeteilt, so daß die Kinder je zweimal durch die Bars gingen. Die Kinder begannen gleichzeitig im Süden, im Zentrum und im Norden und würden später die Bezirke wechseln.

Die Bewacher fuhren die Kinder mit Motorrädern zu den Bars und erklärten ihnen, wie sie zu gehen hatten. Sie selbst blieben unsichtbar in der Nähe und beobachteten die Kinder, damit sie nicht wegliefen und nicht bummelten. Es war Zwischensaison und die Kinder hatten mit Ausländern an den Bars noch keine Erfahrungen, deswegen waren die Forderungen ihrer Bewacher noch gering. Jedes Kind mußte bis Mitternacht mindestens dreihundert Baht einbringen, um etwas zu essen zu bekommen und nicht geschlagen zu werden. Kurz nach Mitternacht wurden sie zu einer am Rande der Stadt gelegenen Hütte gebracht, in der sie auf dem Boden schlafen durften. Sie erhielten einen Teller Reis mit Gemüse. Es war zu wenig, aber das war so beabsichtigt, denn sie mußten dünn, schwach und unterernährt aussehen, um Mitleid zu erwecken. Gut ernährte Kinder verdienen beim Betteln nicht viel.

Nach dem Essen durften sie sich hinlegen und sie durften den Raum bis zum Arbeitsanfang am nächsten Abend nicht verlassen. Es war nicht gut, wenn man die Kinder am Tag sah und man mußte auch aufpassen, daß sie nicht wegliefen. Es war nicht etwa so, daß sie Angst vor Problemen mit der Polizei haben mußten, denn die Kinder konnten hier mit niemand sprechen und ihnen war die Angst vor Polizisten anerzogen worden, zudem durften sie eine Anzeige nur mit Einwilligung der Eltern oder eines Vormundes erstatten, eine Rechtspraxis, die der Polizei und der Staatsanwaltschaft Arbeit sparen sollte. Wenn aber Kinder verschwunden waren, mußte man sich um eine andere Unterkunft und um andere Kinder bemühen, was umständlich war und oft einen erheblichen Verdienstausfall bedeutete.

Nachdem die Kinder tagsüber keine Beschäftigung hatten, den Raum nicht verlassen durften und geschlagen wurden, wenn sie laut wurden oder etwa herumtollen sollten, waren sie gegen achtzehn Uhr genug ‘ausgeruht’, um nach einem Teller Reis mit etwas Gemüse wieder mit ihrer Arbeit zu beginnen. Diesmal mußte jedes Kind mindestens vierhundert Baht einbringen, denn sie kannten ja jetzt die Arbeit und die Strecken, die sie abzulaufen hatten und sie wußten, wie sie sich gegenüber Ausländern zu verhalten hatten. Nur zwei oder drei Tage später würde das Pensum auf fünfhundert Baht pro Tag erhöht.

Nach zwei Wochen mit sich steigernden Einnahmen verließen sie Pattaya und würden sich jetzt drei Wochen in Bangkok aufhalten, um dort in den Vierteln der Bars und Vergnügungsbetriebe Geld zu verdienen. Auch hier wurden die Kinder wieder in einem Raum versteckt, in dem sie nicht laut sein und nicht spielen durften, denn sie sollten ihre Arbeit als Freude und angenehme Abwechslung erleben. Es ist selbstverständlich, daß diese Kinder nicht in eine Schule geschickt wurden, denn ihr einziger Bestimmungszweck bestand darin, ihren Bewachern Geld zu bringen. Wenn sie größer wurden, konnte man sie ohnehin nicht mehr zum Betteln schicken und dann war es für ihre Aufpasser auch unwichtig, ob sie zur Schule gegangen waren.

Doch schon nach einer Woche in Bangkok gerieten sie in eine Razzia und die Hälfte der Gruppe wurde gefaßt, darunter auch der kleine Norodom. Die Bewacher wurden wegen Bettelns und wegen Beschäftigung Minderjähriger und illegaler Ausländer vor Gericht gestellt, denn man konnte ihnen keinen Menschenraub nachweisen.

Die Kinder wurden nach Kambodscha zurückgeschickt, wo die Polizei die Aufgabe hat, die liebenden Eltern zu finden, um ihnen ihre kostbaren Kinder wieder zurückzubringen. Allerdings ist der kambod-schanischen Polizei bekannt, daß man Kinder auch einfach in Heime bringen kann, wenn man die Eltern trotz vielfältiger und aufreibender Bemühungen zufälligerweise nicht finden sollte oder die Kinder etwa nicht identifiziert werden konnten. Viele Kinder waren jahrelang unterwegs und konnten sich an ihre Eltern gar nicht mehr erinnern.

Möglicherweise habe ich mich nicht ganz klar ausgedrückt. Ich habe gesagt, der Bestimmungszweck dieser Kinder besteht darin, ihren Bewachern Geld zu bringen. Es läßt sich auch anders sagen: Sie werden geraubt, mißhandelt und geschlagen, weil mitleidige Menschen ihnen Geld geben. Denn nur dadurch haben sie einen Wert für ihre Entführer. Wenn sie kein Geld einbringen, sind sie für die Entführer völlig wertlos und sie würden überhaupt keinen Sinn darin sehen, sich mit Kindern zu beschäftigen.

Wer den Bettelkindern also aus lauter Mitleid Geld gibt, der verursacht damit, daß Kinder entführt und mißhandelt werden, daß sie hungern müssen, nicht spielen dürfen, ihre Eltern nie wiedersehen, nie in eine Schule kommen und ihr Leben wahrscheinlich als ungelernte Arbeiter, Analphabeten und illegale Ausländer fristen müssen.

Wenn jemand dennoch Mitleid mit den Kindern hat, dann sollte er ihnen etwas zu essen kaufen, Obst oder ein Fleischspießchen, einen Teller Reis oder eine Nudelsuppe. Solange die Kinder an einer Bar sind, werden die Wächter sich nicht trauen, sie zu schlagen oder ihnen das Essen zu verbieten, denn sie wissen genau, daß den Barmädchen und den Inhabern der Bars bekannt ist, daß sie nicht etwa bedürftige Eltern, sondern die Entführer sind, die die Kinder mißhandeln, um bequem leben zu können. Solange es aber noch Leute gibt, die diesen Kindern Geld geben, werden sie weiter hungern, mißhandelt und zum Betteln gezwungen.

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Addi leistet aus Versehen Entwicklungshilfe

Erstellt von Admin am 31. März 2009

- 4 Seiten –   (‘Victor Schluff’ in ‘Treffpunkt Pattaya)

- Ein überkandidelter Farang sucht eine Frau zum Mitnehmen – eine nicht sehr tragische Kömödie -

Kurzgeschichte von Gad Labudda

 

Daß man in Thailand jede Frau einfach von der Straße mitnehmen kann und Ausländer sehr gefragt sind, ist zwar in Thailand noch nicht bekannt, aber in Europa hat es sich bereits herumgesprochen. Selbst Arthur (sprich Addi), der sich weder für Politik noch Weltgeschehen interessiert und konsequenterweise auch keine Zeitung liest, weiß das schon, denn das ist schließlich eines der bevorzugten Gesprächsthemen ,unter Männern‘. Zu Addis großem Leidwesen sind es vorwiegend Gespräche mit Männern, die er an einer Theke führt, denn die wenigen Frauen, die er kennenlernte, hatten schon nach wenigen Stunden seiner Gegenwart recht wenig Interesse an einer Verlängerung ihrer Audienz.

Das liegt nach Addis Meinung allerdings nur daran, daß sie hoffnungslos veraltet sind, nach längst veralteten Gesellschaftsklischees leben, zu viele Ansprüche haben und vor allen Dingen viel zu dumm sind. Das merkt man schon daran, daß sie Addi, einem feurigen Prediger einer modernen Welt, nur unwillig zuhören, ihn fortlaufend unterbrechen und, wie man daran schon erkennen kann, ihm also geistig nicht folgen können, weshalb sie denn auch oft genug einfach aufgestanden und gegangen sind. Weil seine geistigen Ansprüche zu hoch waren und sie von ihm nichts lernen wollten.

Statt sich stillschweigend überzeugen zu lassen, suchen sie dann lieber eine andere Umgebung, in der Addi nicht gerade damit beschäftigt ist, sich selbst zu überzeugen. Dabei müßten sie doch eigentlich auf ihn fliegen, der sich als Messias eines neuen Lebens betrachtet und dem man die Modernität schon von Weitem ansieht. Seine langgelockte dunkle Haarpracht wird von einem blond gefärbten Zöpfchen betont, dessen Ende eine rosa Schleife ziert, passend zu den rosa getönten Gläsern einer Schmetterlingsbrille und seiner bevorzugten Hemdenfarbe, die einen bemerkenswerten Kontrast zu einer giftgrünen Nylonjacke, gelben Hosen und weißblau gestreiften moonbootähnlichen Sportschuhen bietet.

„Die moderne Welt ist bunt“, war sein letzter Werbespruch für eine Plastikfirma gewesen und er hatte als Werbetexter gut daran verdient. Um dieser Erfolg zu feiern, fuhr er nun nach dem Ankauf geeigneter Tropenkleidung nach Thailand, um nach Möglichkeit mit einer modernen Frau, die einen Retter sucht, wieder nach Deutschland zu gehen. Er hatte auch schon ganz klare Vorstellungen, wie diese moderne Frau auszusehen hat.

Die meisten Frauen seien in Pattaya zu finden, hatte er gehört, dennoch brauchte er vier Tage, an denen er an den Bars vorbeistrich, um die moderne Frau zu finden. Das bedeutet nicht, daß er die günstige Gelegenheit seines Aufenthaltes in Pattaya nicht wahrgenommen hätte, auch andere Frauen kennenzulernen. Schließlich sollte man ihm nicht Einseitigkeit vorwerfen können. Doch er fühlte sich in seiner Meinung über die Frauen nur bestätigt. Alle wollten nur Sex und Geld. Keine wollte mit ihm einfach nur so mitgehen, wegen der guten Freundschaft und des gemeinsamen Vergnügens. Auch hier zählte scheinbar nur, was er zu bieten hat, obwohl doch bekannt war, daß die Frauen hier wie wild darauf aus sind, einen Ausländer mitzukriegen und wenn irgend möglich heiraten zu können. Vielleicht lag es daran, daß er noch nicht hatte durchblicken lassen, daß er eventuell bei der richtigen Frau mit der richtigen Einstellung auch bereit wäre, diese Frau zu heiraten und nach Deutschland mitzunehmen.

Noch nicht einmal für dreihundert Baht wollten sie mit ihm aus Freundschaft mitgehen. Aber für fünfhundert Baht wollten sie gleich ins Bett. Und sie verstanden ihn nicht, obwohl er doch ein ganz gutes Schul-Englisch gelernt hatte. Die meisten schauten ihn einfach nur an und sagten überhaupt nichts und manche lachten sogar. Aber nach vier Tagen hatte er die Richtige gefunden. Sie war ihm sofort aufgefallen. Groß und schlank stand sie hinter einer Bar-Theke, hatte ein seidenes Tuch in den langen schwarzen Haaren, einen Ring in der Nase, und sie trug einen langen Wickelrock unter einer prallen, knappen Bluse mit sehr tiefem Ausschnitt. Und auch er schien ihr sympathisch zu sein, denn als er bei ihr seinen Vodka mit Zitrone bestellt hatte, setzte sie sich gleich zu ihm.

Sie schaute ihn auch nicht nur an, sondern hörte richtig zu und sie sprach auch mit ihm, genauer gesagt, sie antwortete, wenn er sie etwas fragte, und zwischendurch nickte sie mit dem Kopf. Das war die erste Frau, die ihn verstand. Und sie war auch nicht so, wie die anderen. Sie wollte nicht mit ihm mitgehen, selbst als er die Auslöse bezahlen und ihr fünfhundert Baht geben wollte, machte sie Ausflüchte. Sie sagte, daß sie nur Getränke servieren und nicht mit Männern mitgehen wollte. Aber er wußte es im Grunde besser. Alles hat seinen Preis, und bei zweitausend Baht ging sie schließlich mit. Wegen ihrer indischen Aufmachung nannte er sie einfach Indra, denn mit den seltsamen thailändischen Namen würde er sowieso nicht zurechtkommen.

Im Hotel bot sie ihm alles, was er sich im Leben nicht einmal erträumt hatte. Sie war ansonsten sehr ruhig, sprach nur sehr wenig, las ihm aber alle Wünsche von den Augen ab. Am nächsten Tag blieb sie den ganzen Tag bei ihm, war eine aufmerksame Dienerin und hörte ihm den ganzen Tag zu. Natürlich ging er mit ihr in ein besseres Restaurant, wo sie sich auch gut zu benehmen wußte und ihm die ganze Zeit zuhörte, ohne ihn zu unterbrechen. Er wußte schon, daß sie eine sehr gute Schülerin sein würde. Er erklärte ihr, daß die moderne Frau sich selbst ernährt und im Notfall sogar für ihren Mann einsteht, was sie nicht nur verstand, sondern auch bestätigte. Die moderne Frau habe ihren Platz nicht nur am Küchenherd und beim Kaffeeklatsch, sagte er, sondern in der Industrie. Sie müsse sich mit Technik und Elektronik auskennen und auch mit einem Computer umgehen können, das sei einfach eine Erfordernis der Zeit. Die moderne Frau müsse auch selbständig Entscheidungen treffen können. Auch hier gab sie ihm Recht und fügte sogar einige Argumente zu seiner Unterstützung an.

Addi entschloss sich, daß Indra die geeignete Frau für ihn ist. Sie war gehorsam und zeigte sich lernfähig, mit ihr konnte er überall auftreten und sie würde sein Ansehen sicherlich mehren. Zudem war sie als Frau im persönlichen Umgang äußerst angenehm, indem sie in jeder Beziehung für seine Bequemlichkeit sorgte. Und nicht zuletzt tat er auch noch ein gutes Werk, wenn er sie aus ihrem armseligen Barleben erlöste und ihr garantieren konnte, daß sie bei ihm immer einen Teller Reis zu essen hat.

Am Abend sagte er ihr, daß er sie nach Deutschland mitnehmen und heiraten wird. Er sah ihr an, daß sie vor Freude ganz stumm und völlig überwältigt war und gar nicht antworten konnte. Am Abend des nächsten Tages sagte sie, daß sie wegen eines Visas nach Bangkok fahren muß. Richtig, daran hatte er gar nicht gedacht. Er hatte aber schon an einer Bar gehört, daß das so um die achttausend Baht kosten soll. Sicher würde sie noch andere Ausgaben haben, natürlich, da waren ja auch noch die Kosten für den Flug. Wenn sie nur ein normales Visum bekam, mußte sie auf der Botschaft ein Flugticket für Hin- und Rückreise vorlegen können, das würde etwa so um die zwanzigtausend Baht kosten. Sicher hätte sie auch noch andere Ausgaben, vielleicht Kleidung, denn mit ihren dünnen Sachen könnte sie ja jetzt im Winter nicht nach Deutschland kommen.

Er fragte, ob sie noch weitere Ausgaben habe, denn sie schien selbständig genug, daß sie sich da schon eigene Gedanken gemacht haben sollte. Sie erwähnte, daß sie ihren Eltern zwanzigtausend Baht schicken muß. Daran hatte er nicht gedacht, aber er hatte schon gehört, daß es in Thailand üblich sei, die Braut von den Eltern zu kaufen. Immerhin waren zwanzigtausend Baht – so um die fünfhundert Euro – kein hoher Preis für eine Frau wie diese. Er gab ihr zweitausend Euro und sagte, sie solle sich die Kurse der einzelnen Banken ansehen und bei der günstigsten Bank wechseln.

Der nächste Tag ohne sie war trostlos und er freute sich schon auf die gemeinsame Zeit in Deutschland. Als sie abends nicht zurück war und auch am nächsten Tag nicht kam, meinte er, daß sie vielleicht in Bangkok geblieben war, weil sie wegen des Visas noch einmal am nächsten Tag zur Botschaft mußte, die ja nachmittags geschlossen hat. Nach drei Tagen wurde er allerdings etwas unruhig und ging zu der Bar, wo er sie ausgelöst hatte. Dort war man sehr erstaunt und fragte, ob er denn nicht weiß, daß sie nach Indien zurückgeflogen ist. Dort ist sie mit einem Thai verheiratet, der eine Firma mit Maschinen und Ersatzteilen für die Textilindustrie hat. Man betonte in der Bar, daß sie ihn sehr gelobt habe, weil er ihr viel Geld für ihre Eltern und für ihren Rückflug nach Indien geschenkt hat.

Addi ging zur Polizei und erstattete Anzeige. Gegen Indra – nein, das war nicht ihr richtiger Name, aber die in der Bar würden den Namen vielleicht wissen. Wegen insgesamt achtzigtausend Baht. Nein, die habe sie nicht gestohlen, er habe sie ihr gegeben, weil er sie heiraten wollte. „Hat sie das gesagt, gibt es dafür irgendwelche Unterlagen oder Zeugen?“, wollten die Polizisten wissen. „Nein, aber sie hat das Geld genommen.“ Dann fragten die Polizisten: „Wie lange haben Sie sie gekannt?“ und dann lachten sie wieder und sagten, daß es in Thailand nicht verboten ist, Geschenke anzunehmen. Und ein Polizist mit einem ganz besonders breiten thailändischen Lächeln sagte, er brauche auch gerade achtzigtausend Baht und fragte Addi, ob er ihn nicht auch heiraten wollte.

Nach reiflicher Überlegung kam Addi zum Schluß, daß es im Wiederholungsfalle doch besser sei, sicherzustellen, daß die Frau, die er mitnehmen will, ihn auch wirklich heiraten und nach Deutschland gehen will, und daß er die Erledigungen dann mit ihr gemeinsam durchführt, aber ansonsten hatte er noch nichts dazugelernt.

 

 

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Sie haben sich gegenseitig erobert

Erstellt von Admin am 30. März 2009

- 6 Seiten –  (‘Victor Schluff’ in ‘Treffpunkt Pattaya’)

- Gustav entdeckt seine heiße Liebe und die Freundin eine Geldquelle –

Kurzgeschichte von Gad Labudda

 

Gustav hatte eine süße Freundin. Sagten seine Freunde. Etwas pummelig, Stupsnase, Sommersprossen, Brille. Sie war lebendig und redete gern und viel. Das hätte Gustav noch nicht einmal so sehr gestört, wenn sie wenigstens die Intelligenz gehabt hätte, die empfehlenswert ist, wenn man viel redet. Dieser Mangel war ihr durchaus bewußt, doch sie glaubte, für das mangelnde Wissen durch intensiveres Glauben einen Ausgleich zu schaffen, indem sie sehr katholisch war. Das störte Gustav ganz ernsthaft. Er selbst war zwar auch katholisch getauft worden, aber das war nun schon knapp vierzig Jahre her und da er sich seither nicht sehr intensiv darum bemüht hatte, seinem Gott gefällig zu leben, war die tiefe Wirkung, die so eine Taufe auf die Seele haben soll, wohl schon etwas verblaßt.

Nur wenig störte es ihn, daß sie vor jedem Essen beten mußte und das Nachrichtenmagazin ‘Spiegel’ zu einem kommunistischen Hetzblatt deklarierte. Wenn ein Mensch so viel redet, kann ja nicht alles Sinn haben, meinte er. Ganz erheblich aber störte ihn, daß sie praktisch unberührbar war. Der von Gott geschaffene menschliche Körper war unsagbar schmutzig und durfte nicht gezeigt werden, meinte sie. Und die größte Sünde, um deren Genuß er sich so intensiv bemühte, konnte ihm nach ihrer Meinung nur gewährt werden, wenn das heulige Band der Ehe gordisch verknotet war. Aber zu so einem radikalen Schritt wollte er sich nicht hinreißen lassen, bevor er nicht wußte, ob es sich bei ihr auch wirklich zu sündigen lohnte. So dauerte die Beziehung schon mehrere Jahre, was sich für die Beiden hauptsächlich darin äußerte, daß sie älter wurden.

Gustav half sich mit Phantasien und Tagträumen. Nachdem er einige Exemplare des Playboy auf sich hatte einwirken lassen, bastelte er sie zusammen, die Traumfrau, mit der er leben wollte. Besonders wichtig war, daß sie einen braunen, extrem schlanken, ja geradezu knabenhaften Körper hatte. Und ein exotisches Gesicht. Schmal mit großen, mandelförmigen Augen, einem breiten, geschwungenen, vollen Mund und langen schwarzen Haaren. Ja, so mußte sie sein, die Frau, mit der er leben wollte. Und er hatte auch schon gehört, wo er solch eine Frau finden konnte. In Thailand. Da sollten die Frauen auch noch etwas taugen. Da hatte der Mann zu bestimmen und die Frau hatte zu gehorchen, hatte er gehört. Und billig sollten solche Frauen dort sein, hatten ihm Leute gesagt, die schon öfter da gewesen waren. So nährte Gustav seine Traumfrau schon seit mehreren Monaten, lag mit ihr auf der Couch vor dem Videogerät, ging mit ihr an den Strand und ins Bett. Sie war sehr anschmiegsam und sprach sehr wenig, sagte ihm nur, wie sehr sie ihn liebt und was er für ein guter und starker Mann ist, und vor allen Dingen war sie überhaupt nicht katholisch.

Eine Überraschung sollte ihn in die Nähe einer Auswahl solcher Traumfrauen bringen. Seine Freundin teilte ihm nämlich mit, daß sie angesichts der potentiellen Gefahr körperlicher Nähe den Urlaub, den sie das erste Mal gemeinsam zu verbringen geplant hatten, absagen wollte, weil zufälligerweise zur gleichen Zeit auch eine schöne Pilgerfahrt nach Frankreich angeboten wurde. Gustav erholte sich schnell von dem Schrecken und meinte, das sei eine sehr gute Idee, denn er hätte auch schon an eine Pilgerfahrt gedacht, wollte aber auf keinen Fall nach Frankreich.

Som war eines von vielen Kindern einer Kleinstbauernfamilie in einem kleinen Dorf in der Provinz Phetchabun. Die Familie besaß drei kleine Felder und ein kleines Haus, das auf hohen Stelzen vier Zimmer hatte; zwei Schlafzimmer, eine Küche und einen Versammlungsraum. Ansonsten hatten sie noch einige Schulden, viel Hunger, ja, und sehr viele Kinder. Das Dorf war ein hübsches kleines Dorf, ein zu kleines Dorf, befand Som. Es gab noch nicht einmal einen Tempel, geschweige denn eine Schule. Von hier aus sah man auf viele kleine Reisfelder und wenig Wasser. Das Leben war ausgesprochen ruhig, geradezu langweilig. Die meisten jungen Leute hatten das Dorf verlassen, um Arbeit in den Städten zu finden und nur die Alten saßen auf dem Dorfplatz zusammen und hatten noch nicht einmal genug Geld für ihren Lao Kao, den weißen Reisschnaps, den einige Bauern in den größeren Orten heimlich brannten. Junge Männer, für die man sich interessieren konnte, kamen höchstens einmal zu besonders hohen Festtagen aus der Stadt zum Besuch der Familie, ansonsten war das Dorf leer, wenn man von den kreischenden Kindern absah.

Auch Som würde bald das Dorf verlassen, darüber war sie sich klar. Die Eltern hatten sie schon zweimal darauf angesprochen, aber es hatte bisher noch keine Möglichkeit gegeben, niemand, der etwas über irgend eine freie Arbeitsstelle in der Nähe des Dorfes oder in einer Stadt wußte. Die Eltern fragten überall herum und sobald sie etwas über irgend eine Arbeitsstelle für sie hören würden, war es an ihr, das Dorf zu verlassen.

Aber nun war eine Sensation in das Dorf gekommen. Bisher war das größte Gebäude das zweistöckige Holzhaus des Dorfvorstehers gewesen. Doch jetzt wurde ein noch größeres Haus aus Stein gebaut. Das ließ ein alter Farang bauen, der ein Mädchen aus dem Dorf kennengelernt hatte. Es hieß, er wollte da später einmal leben, aber in Wirklichkeit war für es für die Familie des Mädchens, denn die war da jetzt schon halb eingezogen. Som hatte mit dem Mädchen gesprochen, es war die ältere Schwester einer guten früheren Schulfreundin namens Nam. Sie hatte den Farang in Pattaya an einer Bar kennengelernt. Er besaß sehr viel Geld und hatte dem Mädchen auch schon viel Geld gegeben. Es war ein längeres und sehr offenes Gespräch, bei dem die beiden jüngeren Mädchen hörten, wie das Leben in Pattaya ist.

Es war sicher nicht immer schön, aber man konnte genug verdienen, um keinen Hunger zu haben und mit etwas Glück konnte man einen Farang finden, der mit einem leben wollte. Dem mußte man nur sagen, daß man Geld für die armen Eltern verdienen muß, dann konnte man jeden Monat ein paar tausend Baht auf die Bank bringen und was man zum Leben brauchte, das bezahlte dann der Farang. Es sollte nicht das einzige Gespräch bleiben und von nun an sah man auch Som und Nam oft zusammen. Die Beiden schmiedeten Pläne, wie sie am besten das Dorf verlassen würden, um gemeinsam nach Pattaya zu fahren. Dort wollten sie nach einem Farang suchen, um das nötige Kapital oder einen geeigneten Farang für ein angenehmes Leben zu suchen.

Als die Schwester von ihrem Farang abgeholt wurde, sprachen Som und Nam mit ihren Eltern. Denn rein zufällig wußte die ältere Schwester, daß in einem ehrbaren Restaurant, das jetzt gerade in Pattaya eröffnet wurde, dringend noch Personal für die Bedienung gesucht wird und dabei könnten die beiden Mädchen doch gut Geld verdienen, während sie hier im Dorf nichts machen und nichts verdienen konnten.

Es fiel nicht schwer, die Eltern zu überzeugen und so fuhren Som und Nam mit deren älterer Schwester und ihrem Farang mit nach Pattaya. Er war alt und komisch, der Farang. Er war laut und es mußte alles nach seinem Willen geschehen. Aber er hatte Geld und er spendierte unterwegs auch eine gute Mahlzeit. In Pattaya setzte er sie an einer belebten Bar ab, die die ältere Schwester empfohlen hatte. Dort wollten sie sich auch in einer Stunde treffen, weil noch eine Unterkunft gesucht werden mußte.

Som und Nam konnten zusammen anfangen, worüber sie sehr froh waren, denn sie fühlten sich doch sehr unsicher. Sie wußten überhaupt nicht, was sie zu tun hatten. Es hatte sich so angehört, als müßten sie nur mit den Farang ins Bett gehen, um reich zu werden. Jetzt aber mußten sie den Abwasch machen und Getränke servieren. Der Abwasch störte sie nicht, das war eine Arbeit, die sie kannten. Aber sie kannten doch überhaupt keine Getränke. Und wenn ein Farang etwas sagte, konnten sie überhaupt kein Wort verstehen, wußten nie, was sie tun sollten. Es dauerte einen Monat, bis sie sich etwas einfanden und auch ein paar Worte verstanden. Das schafften sie, weil sie sich jeden Tag mit einem Englischbuch zusammensetzten und eines der Mädchen, bei denen sie wohnten, ihnen gegen Übernahme von Hausarbeit und Wäsche beim Lernen half.

Mit den ersten Männern hatten sie ihre Probleme. Sie hatten absolut keine Ahnung und wußten nicht, was die Männer wollten. Komplikationen gab es bei einem, der Analverkehr wollte, wovon sie noch keine Ahnung hatten und für den sie auch strikt ablehnten. Viel wichtiger war ihnen, daß sie bereits Geld verdienten. Immerhin hatten sie schon im ersten Monat mehr verdient, als sie sonst im Dorf in einem Jahr hatten und das ermutigte. Aber nun waren sie schon ein halbes Jahr in der Bar beschäftigt und der gesuchte Farang hatte sich immer noch nicht sehen lassen.

Som war schon mehrmals für einige Wochen mit einem Farang zusammengewesen, aber das waren Urlauber gewesen, die zuhause verheiratet waren. Nam hatte es über einen Monat mit einem Farang ausgehalten, der störrisch und geizig war. Nicht nur, daß er mit ihr immer einen Wochenvertrag aushandelte und dann ihren Preis erheblich drückte. Sie mußte auch ihr Essen selbst bezahlen, sogar wenn sie zusammen weggingen, und wenn sie einkaufte, mußte sie alles genau abrechnen und als ihr einmal zehn Baht fehlten, mußte sie die aus ihrer Tasche bezahlen. Ansonsten befahl er ihr, wo sie das Haus sauberzumachen hatte und wie sie das zu tun hatte und war nur laut und unfreundlich. Eines Tages hatte sie keine Lust mehr und ging. Der Farang kam später an ihre Bar, um sie wiederzuholen, aber sie wollte nicht. Daß es dann Krach gab, änderte nichts daran.

Es war vielleicht zwei Monate später, daß ein Farang kam, der sich geradezu auf Som stürzte. Sie sollte sich zu ihm setzen und ein Bier bringen. Som saß da und brauchte gar nicht viel zu sagen, er redete alleine und fühlte sich sehr verstanden, weil Som hin und wieder  mit dem Kopf nickte, wenn sie schon wieder einmal mehrere Minuten nichts verstanden hatte. Sie bekam von dem Farang einen Ladydrink, den sie gar nicht bestellt hatte und wurde von ihm ausgelöst. Auf dem Weg zum Hotel sagte er, er heiße Gustav. Er war schon über eine Woche in Pattaya und hatte auch schon mehrere Frauen mitgenommen. Die waren zwar schlank und sehr jung gewesen, aber sie hatten nur eine sehr entfernte Ähnlichkeit mit seiner Traumfrau. Nachdem er sie schon voller Skepsis mitgenommen hatte, fand er bald Gründe für seine Unzufriedenheit.

Zu kindisch waren sie, zu laut, sie redeten zu viel und ließen sich auch nicht so zurechtlegen, wie er es von seiner Traumfrau gewohnt war. Aber als er Som gesehen hatte, wußte er sofort, daß er sie getroffen hatte, seine Traumfrau. Er bewunderte ihren Körper, schaute ergriffen in die Mandelaugen und fand die Bestätigung dafür, daß sie auch wirklich die Traumfrau war, darin, daß sie kaum etwas sagte. Im Hotel mußte sie sich erst ausziehen, um dann von Gustav geradezu angebetet zu werden. Seine Hände wanderten über ihren ganzen Körper, bevor er sie ins Bett legte, so, wie es ihm paßte. Und Som hatte schon viel gelernt in dem ersten halben Jahr, sie sagte ihm, daß er ja so ein starker Mann sei und daß sie ihn liebe, weil er so ein guter Mensch ist. Sie wußte, daß Männer das gerne hörten, wenn man sich dabei  ernst bleiben konnte. Genau die Worte, die er seine Traumfrau immer hatte sagen lassen, merkte Gustav, und war sicher, daß Som die Traumfrau war.

Am nächsten Tag ließ er nicht von ihr ab und kaufte ihr völlig unaufgefordert eine Goldkette für dreitausend Baht. Und sie sagte ihm, daß sie ihn liebt, weil er so ein guter Mensch ist. Und Gustav kaufte ihr daraufhin gleich noch einen Rock und eine Bluse. Und er hielt sie jetzt alle Tage im Arm, neben, vor oder unter sich, kaufte seiner ruhigen Traumfrau alle Sachen, die sie gar nicht wollte und war ja so glücklich, wenn sie ihm sagte, daß sie ihn liebt, weil er so ein guter Mensch ist und so ging das Leben jetzt jeden Tag und das Glück nahm überhaupt kein Ende…

Aber der Urlaub. Entsetzen machte sich breit. Das konnte den Verlust seiner Traumfrau bedeuten. Er merkte nicht, daß er sie noch gar nicht kannte, war sich aber sicher, ohne sie nicht mehr leben zu können. So kaufte er ihr noch eine Goldkette mit einem Diamantanhänger und teilte mit, daß er sie heiraten wird und sie sagte, sie liebte ihn so sehr, weil er so ein guter Mensch ist.

Nun leitete er alles für eine Heirat in die Wege, aber diese Wege waren länger, als der Urlaub. Er würde bald wiederkommen, um in Thailand zu leben. Er war Programmierer und solche Leute wurden hier gesucht, meinte er und wußte gar nicht, wie recht er hat. Dann gab der programmierte Programmierer seiner Traumfrau Geld, damit sie während seiner Abwesenheit nicht mehr in der Bar arbeiten mußte. Dann gab er Geld für die armen Eltern und er gab Geld, damit man mit dem Bau eines kleinen Häuschens für die armen Eltern in ihrem Heimatdorf beginnen konnte, noch mehr Geld würde er dafür von Deutschland schicken, und dann gab er Geld, damit Som in eine Sprachschule gehen konnte und er gab Geld für alle möglichen Notfälle und dann fuhr er ab. Som weinte erwartungsgemäß einige hart erarbeitete Tränen, die Gustav ja so glücklich machten.

In Deutschland leitete er die Heirat in die Wege und schickte öfter Geld für das Haus der Eltern, in dem er nicht wohnen wollte, weil er als Programmierer in der Stadt leben mußte. Aber er fühlte sich verpflichtet, für die Eltern seiner geliebten Traumfrau zu sorgen, damit die nicht noch auf den Gedanken kämen, sich später in seinem Haus zusammen mit Som einzunisten und sein langersehntes Glück behinderten. Und dann er schickte Geld für Som, die sich auch um ihre Hochzeitspapiere kümmerte.

Ein halbes Jahr später kam Gustav und heiratete seine Traumfrau in ihrem kleinen Dorf, wo er auch das einzige große Steinhaus sah, das es dort gab. Das Haus für die Eltern, sagte Som, das Haus, das er bezahlt hatte, wo jetzt nur noch einige Leute drin lebten, die Bauarbeiter, die dort noch arbeiten sollten, bis es ganz fertig war, wie dies in Thailand so üblich ist, weil Bauarbeiter wegen der langen Wege zur Arbeit in oder bei den von ihnen zu bauenden Häusern wohnen. Gustav war sehr froh über das Haus. Und er würde mit Som in Pattaya ein Häuschen kaufen, auf ihren Namen natürlich, und dann würde er für alle Zeiten glücklich mit seiner Traumfrau leben und alle Tage glücklich mit Som leben und programmieren.

Som fand in Pattaya ein Haus, von dem sie ganz begeistert war und auch Gustav fand das Haus gut, obwohl es viel größer und teurer war, als er es geplant hatte. Dann richteten sie das Haus ein und dabei ging Gustavs Geld langsam zur Neige. So mußte er denn doch noch einmal nach Deutschland, um Geld zu verdienen. Aber er tröstete Som damit, daß er ein sehr gutes Angebot habe und in einem halben Jahr bestimmt wiederkommen könnte. Vor allen Dingen tröstete er sie mit dem Geld, das sie brauchte, um jetzt in diesem Haus alleine leben zu können ohne in die schreckliche Bar gehen zu müssen, mit dem Geld für einen weiteren Sprachkurs und mit dem Geld für mögliche Kosten und für alle Fälle und dann fuhr er ab.

Am nächsten Tag saß die arme Som ganz alleine im Kreise der Mädchen in der Bar und rechnete sich aus, wie lange es wohl noch dauern würde, bis sie auf Gustav verzichten kann, Denn nun hatte sie zwar ein Haus in Pattaya, aber das Geld, das er für den Bau des Hauses in ihrem Dorf gegeben hatte, würde sicher nicht viele Jahre reichen. Da wäre es schon besser, wenn er vorher noch etwas Geld schickte. Vielleicht, um sie nach einem schweren Unfall vor dem sicheren Tod durch die Überweisung für eine hohe Krankenhausrechnung zu retten. Inzwischen mußte ihm ja wohl bekannt sein, daß Traumfrauen schon immer etwas teurer waren.

 

 

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Haie, Ratten und ,gute Freunde‘

Erstellt von Admin am 29. März 2009

-         6 Seiten –  (‘Victor Schluff’ in ‘Treffpunkt Pattaya’)

Die Erlebnisse und Begegnungen mit verschiedenen Menschen an einem guten Morgen an einer Bar

Kurzgeschichte von Gad Labudda

Ihr Victor Schluff muß sich hier einmal ganz energisch gegen die allgemeine Volksmeinung zur Wehr setzen; es ist gar nicht wahr, daß er bereits am frühen Morgen in volltrunkenem Zustand die Bars bevölkert. Das geschieht höchstens an besonders späten Abenden. Allerdings muß zugestanden werden, daß die Erlebnisse den Eindruck machen, als wäre der Beobachter sternhagelvoll gewesen, so voll, daß er trotz Lektüre namhafter Einführungen in die Kenntnisse der Fauna als auch der Anatomie noch nicht einmal in der Lage gewesen wäre, Haie, Ratten und ,gute Freunde‘ zu unterscheiden. Das entspricht auch den Tatsachen. Doch leider auch in einem vollkommen nüchternen Zustand. Doch vielleicht lassen Sie Ihren Schluff erzählen und nehmen dann die Unterscheidungen selbst vor.

Um angelegentlich eines Stromausfalls einmal etwas völlig Neues zu erleben, geht Ihr Schluff also nach ausgedehnter Nachtruhe bereits um neun Uhr morgens an eine Eck-Bar an der Pattaya Second Road, wo man ihn schon als abendlichen Gast gut kennt. Schluff bestellt einen Kaffee, versucht, einen Teil des Tagesablaufes an den Bars zu erleben und unterhält sich mit den Mädchen über die letzten Neuigkeiten und Gerüchte.

Die Nachbar-Bar in dem Komplex offener Bars wird neu dekoriert. Sie ist gerade zu einem Preis von 1,2 Millionen Baht verkauft worden. Das beinhaltet freilich nicht den Besitz, sondern nur das ,Schlüsselgeld‘ der türlosen Bar bei einer Vertragsdauer von drei Jahren und die Einrichtung. Ein sehr stolzer Preis. An der Bar fährt ein neues Massenbeförderungsmittel vorbei; ,Dein Freund und Helfer‘ – Aufschrift in Pattaya: ,Station für die Völker aller Nationen‘ (,Station for all Peoples‘) – hat sich wohl zu deren Unterbringung einen Lieferwagen zugelegt, der von einem Drahtgeflecht geziert wird, das so dicht ist, daß auch keine Ratten entweichen können. Das war sicher Absicht. Der Wagen hat die Funktion einer ,grünen Minna‘, ist aber schwarz. In Anlehnung an die Polizeiwagen in Köln, die alle ,Peter‘ heißen und unter besonderer Berücksichtigung der Funktion der hiesigen Polizei und dieses neuen Wagens hält Ihr Schluff aber den Namen ,Schwarzer Peter‘ für sinnvoller.

Schluff lacht erst über den großen Wagen für die kleine Station, sieht ihn dann aber doch recht oft wohlgefüllt in Richtung Chonburi vorbeifahren. Das kann natürlich mit einem Großeinsatz der Freunde und Helfer, einer Art kasernierter Nächstenliebe, zu tun haben. Aus Bangkok, wo der Verkehr ohnehin wegen einiger Regenfälle lahmliegt, sind nämlich wieder einmal Massen von uniformierten Freunden und Helfern nach Pattaya geschickt worden. Sie haben den Auftrag, vornehmlich den Handel mit Drogen in Pattaya, insbesondere mit ,Ya ba‘, der ,verrückten Droge‘ in den Griff zu bekommen und lahmzulegen.

So schwärmen unzählige Freunde und Helfer zur Mittagszeit in Uniform und Zivilkleidung, in Polizeiwagen, Pick-ups, Personenwagen und auf Motorrädern aus, die Drogenhändler zu fangen. Das ist amtliche Logik. Zwar sind die Drogenhändler hauptsächlich während der späten Nacht aktiv, da die Polizei dann jedoch bereits schläft, bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Drogenhändler zur Mittagszeit zu verfolgen. Als beliebtes Mittel hierzu haben sich Verkehrskontrollen herausgestellt, da die sich bei Tageslicht besonders problemlos gestalten. Jetzt müßte man nur noch versuchen, die Drogenhändler zur Mittagszeit auf die Straßen zu schicken.

Eines der Mädchen von der Nachtschicht kommt vom Strand zurück, wo es Muscheln gefangen hat, die es in einem Plastikbeutel bringt. Wohl nur diese Tiere sind der an den Bars bekannten Arbeitsgeschwindigkeit hilflos ausgeliefert und so war die Jagd ein voller Erfolg. Ein anderes Mädchen hat irgendwo Gemüse gefangen und auch Reis und etwas Hühnerfleisch sind vorhanden (wobei das Huhn nicht am Strand gefangen wurde!). Die Zeiten sind schlecht, es gibt nur wenige Gäste und damit nur wenig Einkommen und Trinkgeld. So versucht man, zu sparen, wo es nur geht. So ein Essen kostet an den Essensständen immerhin um die zwanzig Baht pro Person. Gemeinsam bereiten die Mädchen das Essen.

An einer äußeren Ecke sitzt ein hagerer Ausländer mit ernstem, unnahbarem Gesicht, schütterem, rotblondem Haar, einer jener Typen, die zwar rot oder auch blau, aber niemals braun werden. Er trägt ein abgenutztes, billiges, aber sauberes Hemd und trinkt ein Bier. Als die Mädchen mit der Zubereitung ihres Essens fertig sind, sagt er, daß er auch noch nichts gegessen hat und bekommt auch seinen Teller Reis, zu dem er sich auch prompt eine weitere Flasche Bier bestellt. Während die Mädchen essen, kommt ein weiterer Ausländer. Nein, er will nichts trinken, er will nur wissen, ob hier Bars zu verkaufen sind, oder ob irgendwelche Barinhaber kein Geld mehr haben, die Miete nicht bezahlen können oder so…

Die Verständigung ist schwierig, denn sein Englisch ist nicht viel besser, als das der Mädchen, aber irgendwie verstehen sie ihn und sagen, die Nachbar-tränke wurde für 1,2 Millionen verkauft. Er winkt ab und macht mit Worten und Zeichensprache verständlich, wenn kein Geld da ist und die Polizei kommt, dann sind die Leute auch mit 200.000 Baht zufrieden. Ein Freund ist bereit, 400.00 Baht für eine Bar zu bezahlen, aber er braucht für seine Arbeit ja auch noch eine Kommission, das sind dann die anderen 200.000 Baht. Die Mädchen sollen sich umhören. Wenn sie eine gute Bar kennen, die verkauft werden kann und es kommt zum Kauf für 200.000 Baht, dann zahlt er ihnen eine Kommission von 2.000 Baht. Er wird wiederkommen, um nachzufragen, ob sie eine gute Bar ausfindig gemacht haben. Der Mann geht und man unterhält sich an der Bar eine Weile über den ,Spinner‘. Die Mädchen meinen, da laufen jetzt mehrere Leute ‘rum, die zum Ende der ,low season‘ einen Fang machen wollen, aber 200.000 Baht ist zu niedrig. Diese Zeiten sind schon lange vorbei.

Schluff geht kurz weg und holt Zigaretten. Bei der Rückkehr sitzt ein Mädchen in der Ecke und heult, das andere schimpft. Der Ausländer, der schon am frühen Morgen da saß, ist inzwischen gegangen. Als er nach der Rechnung gefragt hat, haben die Mädchen seine Biere zusammengezählt – der Reis war gratis – und ihm die Rechnung von 300 Baht gegeben. Die hat er wieder zurückgegeben und gesagt, daß er kein Geld hat und ist gegangen, und sein unnahbares Gesicht hat er auch mitgenommen.

Als ich frage, warum die Mädchen nicht die Polizei geholt haben, meinen sie erst, sie hätten Mitleid mit ihm gehabt. Und außerdem, das war wohl das Ausschlaggebende, kriegen sie das Geld von der Polizei auch nicht zurück, aber sie können damit rechnen, Ärger zu haben, wenn sie stundenlang bei der Polizei sitzen müssen, bis das Protokoll fertig ist und sich vielleicht noch Vorwürfe anhören zu müssen. Anschließend haben sie mit Sicherheit Ärger in der Bar, weil sie die nicht allein lassen dürfen. Die dreihundert Baht müssen die Mädchen natürlich aus ihrer Tasche bezahlen, denn die Bierflaschen sind ja gezählt.

An der Seite der Bar sitzt inzwischen ein älterer Herr mit seiner Anstandsdame, die mit den Barmädchen in höherem Tempo konversiert. Er trinkt gemütlich ein Bier. Es ist ruhig an der Bar. Bis der nächste Gast kommt. „You smoking?“ fragt er mich. Ich schaue auf meine brennende Zigarette, das Päckchen und das Feuerzeug neben dem Aschenbecher, überlege scharf: „Yes.“ Er bittet um eine Zigarette. Ich biete ihm eine an und erkläre ihm, wo er ganz in der Nähe Zigaretten kaufen kann.

„Wer juh komm fromm?“ fragt er mich. Ich sage, daß er einen sehr starken deutschen Akzent hat und vielleicht besser Deutsch spricht. Er erklärt, daß ich ihm aber Geld geben muß, wenn er mit mir Deutsch sprechen soll. Ich mache ihm klar, daß ich gar keine Lust habe, überhaupt mit ihm zu sprechen und da wir in Thailand sind, soll er mit mir in Thai sprechen; für Englisch soll er Übersetzungsgebühr zahlen. Es stört ihn nicht. Er fragt weiter in Englisch, ob ich sein Freund bin. Nein, bin ich nicht. Er muß mich mit jemand verwechseln. Er erklärt, daß er aber mein Freund ist und ich sage ihm, daß er das nicht tun soll. Freunde in Pattaya sind mir zu teuer. Als wenn er das nicht gehört hätte, fragt er, ob ich ihm ein Bier ausgebe. Nein, tu ich nicht.

Er wird mir ein Bier ausgeben, sagt er und zeigt sich zwar unverschämt, aber nicht ungeschickt. „Two beer“, bestellt er bei einem der Mädchen und zeigt dabei auf mich. Das Mädchen wirft mir einen warnenden Blick zu. Wer sich nicht auskennt, glaubt, der Zeigefinger bedeutet, daß ich das zweite Bier bekommen soll. Ich bin aber wirklich nicht das erste Mal an einer Bar. Der Zeigefinger bedeutet, daß ich die Rechnung bezahle. Ich trinke kein Bier, erkläre ich. „One beer“, korrigiert er und zeigt weiter auf mich. Ich mache ihm klar, er soll den Finger wegnehmen. Ich bezahle ihm kein Bier. „One beer“, wiederholt er seine Bestellung.

Ich eröffne ihm, daß an dieser Bar kein Bier verschenkt oder verliehen wird, sondern nur verkauft, und zwar gegen Vorauszahlung. Er greift in die Tasche und zieht fünf Baht hervor. Ich erkläre ihm, daß es an dieser Bar keine so kleinen Flaschen gibt, die muß er woanders suchen. Unbeeindruckt fragt er nach einer weiteren Zigarette. Ich gebe ihm einen Geheimtip. Wenn ich rauchen oder trinken will, gehe ich arbeiten. Dafür bekomme ich Geld, von dem ich mir Zigaretten und etwas Trinkbares bestelle. Die Nachahmung unterliegt keinem Copyright.

Als hätte er mich nicht gehört, meint er, ich sollte ihm fünfhundert Baht geben. Auf mein Kopfschütteln ermäßigt er bis auf einhundert Baht. Dann geht er zu dem älteren Herrn und spricht mit dem. Schätzt, daß der aus der Gegend von London kommt, bekommt aber trotzdem nicht die zweihundert Baht, die er nun verlangt. Auch kein Bier. Schließlich zieht er weiter, worauf die Mädchen erzählen, daß er gestern auch schon ein Bier bestellt und nicht bezahlt hat, anschließend aber wiedergekommen ist, um von den Gästen der Bar etwas zu bekommen. Der ältere Herr, der sich später als ein gemütlicher Rheinländer aus Aachen herausstellt („Dat liecht ja auch jleich um die Ecke von London“), schimpft erst einmal ganz ungemütlich und kann sich gar nicht vorstellten, wie er sich fühlen würde, wenn er andere Leute um eine Zigarette oder ein Bier anhauen sollte. Schließlich einigen wir uns. Wenn man kein Bier hat, braucht man nicht zu betteln, man braucht nur keins zu trinken. Am nächsten Tag erzählt der Aachener, daß er den gleichen Typ gesehen hat, wie er die ganzen Bars an der Strandstraße abgeklappert hat, um alle Ausländer um Bier und Geld anzuhauen.

Schließlich geht der Aachener mit Anstandsdame nachhause und ich lasse mir von den Barmädchen etwas von den verarmten Farang erzählen. Die meinen zunächst, es gibt auch anständige Farang ohne Geld. Die fragen nach einem Glas Wasser oder nach einem Job als Manager für sechs- bis zehntausend Baht. Dann erzählen sie mir einige Geschichten, nach denen mir die Haare zu Berge stehen. Während ich noch meine Haarstoppeln zu beruhigen versuche, kommt ein weiterer Ausländer an die Bar. Eine hagere Figur, deren Kleidung etwas zu weit ist. „Singha“ bestellt er. Das Mädchen stellt die Flasche im Thermosbecher und die Rechnung im Holzbecher vor ihm auf den Tresen. Er nimmt die Flasche aus dem Becher, läßt die Rechnung stehen und geht, ohne einen Ton zu sagen.

In diesem Augenblick kommt gerade eine Polizeistreife vorbei. Ihr Schluff hält sie an und erklärt, der Hagere, der noch keine zehn Meter weiter weg ist, braucht dringend Hilfe. Der hat gerade ein Bier bestellt und ist gegangen, ohne zu bezahlen. Der weiß noch nicht, daß man das Bier bezahlen muß. „Dem helfen wir schon“, verspricht ein Polizist und ruft den Hageren zurück. Dann geht er zu ihm hin und fragt, wo er das Bier her hat. Der zeigt auf die Bar. Der Polizist fragt, ob er bezahlt hat. Der schaut auf die Leute an der Bar, schüttelt mit dem Kopf und bedeutet schließlich, daß er kein Geld hat. Der Polizist bestellt per Sprechfunk einen Wagen und sagt mir, ich soll mitkommen. Ich erkläre, daß ich meinen Kaffee immer bezahlt habe. Der Polizist meint, wegen der Anzeige soll ich mitkommen.

Welche Anzeige? Ich habe nur gesagt, dem Mann müsse man helfen. Dann zeige ich auf die Flasche Bier und auf die Rechnung und erkläre, der Mann wird schon die Wahrheit sagen; wir sind ja noch länger da. Außerdem gibt es Zeugen, daß der Mann stiehlt und deshalb kann man damit rechnen, daß er auch woanders gestohlen hat, was ich nicht gesehen habe und nicht bezeugen kann. Deshalb ist es besser, wenn man ihn selbst sagen läßt, was er alles gestohlen hat. Der Polizist stutzt einen Moment, dann grinst er, nimmt dem Hageren die Flasche ab, nimmt die Rechnung und verfrachtet seinen Patienten. Schluff bezahlt freiwillig das Bier für die Mädchen, die ihm versichern, das wäre ein ganz einmaliger Tag; sonst hätten sie in einer ganzen Woche vielleicht ein oder zwei Kunden, die nicht bezahlen oder nicht genug Geld bei sich haben.

Als dann später der Schwarze Peter mit dem Hageren an der Bar vorbeifuhr, hat Ihr Schluff sogar noch fröhlich gewunken. Der hat aber gar nicht zurückgewunken, noch nicht einmal gelächelt hat er. Später hört Schluff, daß der Mann tatsächlich noch mehrere Diebstähle unterschrieben hat, wodurch die Aufklärungsrate von Verbrechen in Pattaya verbessert werden konnte. Soweit zum Preis einer Bierflasche, wenn man meint, man kann sie klauen und die Mädchen dafür bezahlen lassen. Der Mann tut Schluff überhaupt nicht leid, auch wenn er vielleicht gar nicht weiß, was er alles unterschrieben hat. Man wird es ihm schon sagen.

Als wäre es noch nicht genug gewesen, kam noch ein etwas dicklicher Dreißigjähriger, erklärte, er würde mich kennen und wir wären doch Freunde. Im Moment ging es ihm etwas schlecht und er brauche erst einmal ein Bier und dann müßte ich ihm unbedingt tausend Baht leihen, die würde er auch bestimmt in einer Woche zurückgeben, weil er dann fünfzigtausend Euro für den Rest seines Urlaub bekommt, die schon vor einer Woche abgeschickt wurden, nach denen er aber schon seit vier Tagen vergeblich fragt.

Da sah Ihr Schluff eine dieser meist etwas langhaarigen und verschmierten Personen, die an den Bars vorbeiziehen und alle möglichen Getränkereste in eine große Flasche gießen, die strikt zum persönlichen Gebrauch bestimmt ist. Ihrem Schluff fiel zum ersten Mal auf, wie nett und ehrlich diese Leute eigentlich sind, wenn auch meist angetrunken und leicht verschmutzt. Aber das ist bei denen schließlich nur äußerlich und ließe sich mit etwas Wasser und Seife ändern. Aber sie lügen und betrügen nicht, sie nehmen Abfälle. Ihrem Schluff wurde die Gesellschaft zu viel. Er bezahlte die Rechnung und ging und der Dickliche wartet wohl immer noch an der Bar auf ein Bier und seine Freunde.

Schlimm ist, daß jeder auffällige Europäer zu dem Bild beiträgt, daß sich die Thai von ‘den Farang’ machen. Sie haben ja selbst gesehen, daß die Farang alle reich sind und sie haben gesehen, daß die Farang als Gäste kommen, sich von den sicher nicht reichen Frauen an den Bars ihr Essen erbetteln und ihnen dann sogar noch das Bier klauen.

Schlimm ist auch, daß viele Leute in Europa mit der Überzeugung abfahren, daß sie hier als Vertreter einer besseren Rasse als Herrenmenschen ankommen, die weit über den ‘Eingeborenen’ stehen, die weit unter ihnen stehenden Menschen nicht zu respektieren brauchen und sich nicht um die Gesetze kümmern zu müssen. Diese Einstellung sorgt dafür, daß man in Thailand zur Überzeugung gekommen ist, daß man die Farang nicht akzeptieren kann und bekämpfen muß, weil sie glauben, alle Farang seien arrogant und überheblich. Daran ändert auch die traurige Tatsache nichts, daß viele dieser Farang auch in ihrer Heimat keine Achtung vor Menschen haben, nur ihre Selbstherrlichkeit empfinden können, grundsätzlich nicht mit anderen Menschen leben können oder wollen und nun in Urlaub kommen oder auswandern, um die hier lebenden Menschen ausschließlich zu ihrem Vergnügen zu benutzen.

 

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