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Gruberts’ Lieblingsautor in Sachen Thailand!

Gad Labudda: 13 Leserbriefe und Anworten Teil 5

Erstellt von Admin am 7. April 2009

Teil 5

 

Ich sehe sie immer nur schlafen…

Herrn Paul Plapper,

ich habe einige Ihrer bissigen Antworten gelesen und die kommen mir gerade recht. Ich lebe in einem sehr schönen Haus etwas außerhalb von Pattaya. Seit einigen Wochen habe ich eine Freundin, die hier mit mir lebt. Ein ganz junges und hübsches Ding aus der Provinz. Ich dachte, sie bringt mir etwas Leben ins Haus, aber ich sehe sie Tag und Nacht immer nur schlafen. Sie hätte hier alle Möglichkeiten, sich zu beschäftigen, aber sie schläft nur. Ich habe sie schon zum Arzt geschickt, aber der sagt, sie ist körperlich völlig gesund. Ich glaube, sie ist einfach nur faul, daß sie dauernd schläft. Das müssen Sie einmal schreiben, ich lasse ihr das sogar übersetzen.

Ich stehe morgens früh auf und mache mir mein Frühstück selber. Sie steht dann erst so zwei bis drei Stunden später auf, wenn ich schon längst im Internet bin. Ich bin noch sehr aktiv und hole mir bis nachmittags alle Nachrichten aus dem Internet. In der Zeit schläft sie. Wenn ich mit dem Internet fertig bin, macht sie was zu Essen und dann schläft sie wieder, während ich eine Stunde spazieren gehe. Sie will aber nicht mitkommen. Wenn ich wiederkomme, schwimme ich eine halbe Stunde lang einige Runden im Pool vor dem Haus. Sie will aber nicht schwimmen. Bis abends lese ich etwas und sehe mir in der Deutschen Welle die Nachrichten an, während sie schläft. Ich habe ihr ein Buch gekauft zum Englischlernen, aber das liest sie nicht, sie schläft.

Abends gehe ich vielleicht etwas essen oder in eine Bar und sehe mir anschließend noch einen Videofilm an, während sie im Bett liegt und schläft. Das regt mich langsam auf. Ich bin schon pensioniert, aber ich bin immer noch aktiv. Sie schläft aber nur, obwohl sie doch so jung ist, da muß man doch Interessen haben, sie hat ja noch so viel zu lernen. Aber sie liegt nur im Bett und schläft. Jetzt schreiben Sie ihr das ‘mal.

Wilhelm V.

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Sehr geehrter Herr Wilhelm V.,

ich habe mich bemüht, Ihre Beschwerde richtig zu verstehen, habe damit aber einige Schwierigkeiten. Sie beklagen sich darüber, daß Ihr Ding schläft. Ihr Ding, Ihr ganz junges und hübsches, liegt im Bett und schläft. Sicherlich ist mir bei Ihren Zeilen entgangen, weshalb Sie sich das Ding geholt haben und was das Ding eigentlich tun sollte. Aufgefallen ist mir aber, daß es sich gar nicht um ein Ding handelt, sondern um einen Menschen, ein ganz junges Mädchen. Aber das haben Sie wohl schon erforscht.

Während Sie also nun ganz aktiv im Sessel sitzen und sich im Internet deutsche Zeitungen zu Gemüte führen, stört es Sie, daß das Mädchen nicht ganz aktiv dahinter steht und sich die komischen Zeichen ansieht, die die Deutschen Buchstaben nennen. Dann macht das Mädchen Ihnen etwas zu essen und ist gar nicht daran interessiert, mit einem alten Mann zur heißen Mittagszeit in praller Sonne eine Stunde gemütlich spazieren zu gehen. Sie werden kaum eine Thailänderin finden, der nicht allein der Gedanke daran heiße Schauer über den Rücken als auch über den hellen Teint fahren läßt. Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, daß Thailänder gar keinen Stolz darein legen, spazierenzugehen, und daß besonders Frauen alles Erdenkliche tun, sich nicht der Sonne auszusetzen, sich notfalls wenigstens die Handtasche vors Gesicht halten, um nur ja einen hellen Teint zu behalten und nicht etwa braun zu werden?

Und dann hat sie nicht einmal Lust, eine halbe Stunde hinter Ihnen herzuschwimmen. Fatal. Haben Sie sie einmal gefragt, ob sie überhaupt schwimmen kann? Und haben Sie sich einmal überlegt, wieviel Spaß es für ein junges Mädchen machen muß, eine halbe Stunde lang hinter einem alten Mann herzuschwimmen?

Und wenn Sie Bücher lesen und die Deutsche Welle sehen, setzt sie sich nicht voller Schwung dazu, um auf die deutschen Bücher zu starren und staunend die deutschen Nachrichten zu hören, die sie nicht versteht? Und sie setzt sich nicht einmal vor ein dickes Buch, um alleine Englisch zu lernen? Dabei fällt mir ein: Sie haben gar nicht geschrieben, wie lange Sie sich jeden Tag vor ein Buch setzen, um alleine Thai zu lernen.

Sehen Sie, das Ding hat verstanden, daß es dafür bezahlt wird, daß es für Sie da ist. Nicht als Partner, nicht als Freundin, sondern als Ding im Bett. Das Mädchen braucht scheinbar das Geld, sonst wäre es längst weg. Es wartet auf Ihre Befehle, es wartet darauf, daß Sie etwas sagen, was es tun soll. Es ist nicht so selbständig erzogen, daß es von selbst wüßte, was es tun will und hat vermutlich gelernt, immer nur das zu tun, was befohlen wird. Aber Sie sind so nett, daß Sie ihr nichts befehlen. Sie sagen ihr nichts, was sie tun könnte, und woran sie auch Spaß haben könnte, sondern nur, was Ihnen paßt. Und Sie tun nichts, woran das Mädchen teilhaben könnte. Sie wollten ein ganz junges Mädchen. Wozu? Es ist keine erfahrene Frau, die mit sich selbst fertig wird und außerdem noch für einen alten Mann sorgen kann. Das Mädchen braucht jemand, der ihm hilft, jemand, an den es sich klammern kann, der ihm hilft, groß zu werden.

Was jetzt? Wollen Sie sich um das Mädchen kümmern? Nein? Dann lassen Sie es gehen. Suchen Sie sich eine Frau, die mit sich und mit Ihnen fertig wird. Oder mögen Sie das Mädchen wirklich? Und haben Angst, alleine zu sein? Dann vergessen Sie nicht, daß es nicht eine Altenpflegerin ist. Setzen Sie sich mit dem Mädchen zusammen und unternehmen Sie etwas mit ihm gemeinsam. Lernen Sie gemeinsam mit dem Mädchen Zeichnen, Gitarre spielen, Kochen oder was das Mädchen mag. Helfen Sie ihm, Englisch zu lernen. Lassen sie es Kurse besuchen, Computer oder Englisch, weil es Kontakt mit jungen Leuten und eine sinnvolle Beschäftigung braucht. Sagen Sie ihm, daß es Freundinnen mitbringen kann, um gemeinsam zu lernen, um sich zu unterhalten oder fernzusehen.

Aber am Besten ist es, wenn Sie sich selbst überlegen, was Sie eigentlich wollen. Es ist nicht möglich, ein junges Mädchen auf längere Zeit mit einem alten Mann zusammenzusperren, weshalb auch immer. Es geht mir dabei nicht um die Frage, was moralisch ist, denn so eine Frage kann ich gar nicht beantworten. Moral ist meistens nur das Verhalten, was man von anderen Leuten erwartet. Es geht vielmehr darum, daß Sie Beide leben können müssen und dazu braucht ein junges Mädchen auch junge Leute.

Wie immer dem sei, werde ich selbstverständlich Ihrem Wunsch nachkommen und den von Ihnen erwünschten Brief schreiben:

Mein liebes Ding,

Ihr Opa hat mir geschrieben und sich darüber beschwert, daß sein Ding schläft. Aber nicht nur das. Außerdem hat er auch schon vergessen, daß er einmal jung war. Er weiß nicht mehr, daß man etwas Spaß braucht und etwas Vergnügen, wenn man jung ist. Er beschwert sich, daß Sie nur schlafen und wenig aktiv sind, wo doch alle Möglichkeiten bestehen, etwas zu tun und etwas zu lernen. Ich glaube aber, daß Sie darauf warten, daß er Ihnen sagt, was Sie tun können. Das kann schwierig werden, denn es ist möglich, daß er sich als Ausländer etwas unsicher fühlt und deswegen nichts sagen will. Tun Sie doch einfach so, als wären Sie zehn Jahre älter und schlagen Sie ihm einmal vor, was er mit Ihnen zusammen tun kann. Sagen Sie ihm, was Ihnen Spaß macht und was Sie gerne tun möchten.

Wenn Ihnen nichts einfällt, dann ist das auch nicht tragisch, dann überlegen Sie sich einfach einmal, was Ihnen Spaß machen könnte und probieren es aus. Irgend etwas, was Sie selbst tun, wie nähen, sticken, zeichnen, schreiben, kochen, etc. Sie können sich überlegen, was Ihrem Opa oder Ihren Freundinnen Spaß machen kann und Sie können sie ja auch fragen.

Sicher sollten Sie die Zeit dazu nutzen, wenigstens Englisch zu lernen, oder vielleicht Deutsch. Sie werden es später brauchen, weil man in Thailand mit einer Fremdsprache viel besser Geld verdienen kann. Nachdem Wilhelm einen Computer hat, könnte er Ihnen vielleicht auch erklären, wie man mit so einem Ding umgeht, auch das kann wichtig sein, um besser Geld verdienen zu können. Wenn man sich beschäftigt und Freude daran findet, ist es auch nicht so langweilig, weiß

Ihr Paule Plapper

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Gad Labudda: 13 Leserbriefe und Anworten Teil 2

Erstellt von Admin am 6. April 2009

Teil 2

 

Ich will hier in Pattaya bleiben…

Liebe Redaktion,

Ich komme schon seit Jahren nach Pattaya und bin schon das vierte Mal hier. Ich habe mir schon bei den früheren Gelegenheiten vorgenommen, einmal hier zu bleiben, aber jetzt habe ich vor einer Woche ein Mädchen gefunden, das ideal zu mir paßt und wir sind sehr glücklich. Ich habe einen Kaufmannsgehilfenbrief und zwanzig Jahre Erfahrung im Großhandelswesen. Ich bin ein sehr aktiver Mensch, besitze über 30.000 Mark und ich habe in der Schule auch etwas Englisch gelernt.

Ich habe nie geheiratet, weil mir die deutschen Frauen nicht gefallen. Sie sind zu massig und haben zu viele Ansprüche. Dazu wollen sie auch noch dauernd emanzipiert sein. Aber hier sind die Frauen ganz anders. Jetzt überlege ich mir, ob ich hier eine Arbeit suchen soll, oder ob ich mich selbständig mache. Ich hoffe, daß Ihr mir einen guten Rat geben könnt, damit ich weiß, wie ich es am besten mache.

Walter S.

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Mein Gott, Walter,

das Beste ist, jetzt gleich sofort zum Flughafen zu fahren und nach Deutschland zurückzufliegen. Entweder tut Dir das warme Wetter nicht gut, oder Du hast Dir eine schwere, ansteckende Krankheit zugezogen, die bei stärkerem Touristenaufkommen um sich greift und die Hirnzellen auf ,Scheintot’ stellt. Aber im Grunde handelt es sich nur um ein Phänomen, das hier besonders massiv auftritt, während es in aller Welt vorkommt, wenn ein Mann ein hübsches Mädchen sieht. Dann beginnt das, was man so schön ‘ein inneres Bedürfnis nennt’, das schafft die Illusionen, Wunschträume und Tagträume, die mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun haben.

Du hast in Deutschland in über zwanzig Jahren keine Frau gefunden, unter Millionen von Frauen. Ist Dir nicht aufgefallen, daß die alle anders sind und nur Du immer derselbe geblieben bist? Wieviele Frauen hast Du denn wirklich kennengelernt? Sicher, zugegeben, die meisten haben eine kräftigere Figur und auch einen kräftigeren Hintern, als die Thailänderinnen. Aber, bestehen das Hauptmerkmal und die Grundlage für eine Lebensgemeinschaft darin, keinen dicken Hintern zu haben?

Du beklagst Dich darüber, daß die deutschen Frauen emanzipiert sein wollen, gleichberechtigt, und daß sie zu viele Ansprüche haben. Das trifft sicherlich auf viele deutsche Frauen zu. Es ist ein Anzeichen dafür, daß für viele deutsche Frauen ‘das heilige Band der Ehe’ ein Geschäft ist – genauso, wie für viele Männer. Aber glaubst Du vielleicht, das wäre hier anders? Die Frauen, die nach Pattaya kommen und in den Bars arbeiten, kommen, um Geld zu verdienen oder einen reichen Mann zu finden. Dafür bieten sie ihren Körper an und viele spielen die Geliebte, denn dafür werden sie bezahlt. Während der Zeit, für die sie bezahlt werden oder in der sie auf eine Partnerschaft hoffen, in der sie versorgt werden, sind sie hilfsbereit, ja fast untertänig und stehen dem Mann für alles zur Verfügung.

Ist es das, was Du suchst? Dann bist Du hier falsch, denn der Schein trügt. Die gespielte Liebe ist eine bezahlte Arbeitsleistung. Und das, was Du Deine Liebe nennst, ist eine verfeinerte Selbstbefriedigung, für die Du bezahlst. Sie ist schön und Du willst sie haben, als Eigentum besitzen und benutzen.  Das hat nichts mit Liebe zu tun. Es gibt nichts, was Du für sie willst, Du willst nur, daß sie für Dich da ist und daß sie dabei glücklich ist, ohne daß Du dafür etwas tun oder Dich gar um sie kümmern müßtest.

Du kannst keinen Menschen in einer Woche kennenlernen, schon gar nicht aus einem Dir völlig fremden Kulturkreis mit einer Sprache, die Du nicht verstehst. Ihr könnt nicht einmal miteinander sprechen und Du liebst sie? Weil sie so gut zu Dir paßt? Dann liebst Du Dich, und nicht sie. Du hast Dir ja auch noch nicht einmal überlegt, ob Du auch zu ihr paßt. Fällt Dir nicht auf, daß es doch seltsam ist, daß Dich hier alle Frauen (in den Bars) auf den ersten Blick lieben, während Du in Deutschland nicht eine einzige Frau finden konntest, die Dich liebt?

Dabei hast Du Dich sicher nicht verändert, als Du zum Urlaub hierhergekommen bist. Du liebst ihren Körper, ihre Dienstleistungen und ihre Ergebenheit. Kannst Du Dir nicht denken, daß das alles ganz schnell vorbei ist, wenn ihr nicht miteinander harmoniert, Euch wirklich in den Lebensanschauungen versteht, wenn die gegenseitigen Erwartungen nach dem Urlaub nicht erfüllt werden, oder wenn sie genug Geld hat, daß sie auch essen und leben kann, ohne Deine Dich liebende Dienerin zu spielen?

Sicher gibt es Ausländer, die mit einer Thailänderin leben, aber der Prozentsatz zufriedener und bleibender Partnerschaften ist sehr gering. Es sind Partnerschaften, die sich entwickeln und das geht nicht innerhalb von sieben Tagen. Deine Überlebenschancen als Großhandelskaufmann sind hier gering. Ausländer dürfen nichts tun, was nicht auch Thailänder machen können. Dein Geld ist nicht ausreichend, um hier eine feste Existenz aufzubauen. Deine Fähigkeiten (zu tun, was Thai nicht tun können) und Deine Sprachkenntnisse sind nicht ausreichend, um hier leben zu können. Dennoch müßtest Du erst einmal ein Jahr hier leben, um zu wissen, ob Du hier auf die Dauer glücklich wirst und ob Du mit Deiner Freundin zusammen leben kannst. Es ist nur ein schöner Wunschtraum, an dem Du leidest. Du solltest mit mehreren Freunden ehrlich darüber sprechen, rät

Dein Paule Plapper

 

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Gad Labudda: 13 Leserbriefe und Anworten Teil 1

Erstellt von Admin am 4. April 2009

13 Posts – von ‘Paule Plapper’ in ‘Kunterbuntes Pattaya’ –

von Gad Labudda

Eine Zeitung erhält Leserzuschriften. Zumeist Fragen oder Beschwerden. Die sind wichtig, weil es sich meist um Themen handelt, die Leser interessieren. Aber manchmal kommen zu wenige oder sogar gar keine Leserbriefe. Dann muss man etwas unternehmen, um die Rubrik aufrechterhalten zu können. Dann überlegt man sich ein Thema, dass die Leser interessiert. Dazu nimmt man vielleicht einen lieben Bekannten zum Thema eines Leserbriefes, der natürlich nicht namentlich erwähnt wird, oder man lässt einen Bekannten einen Leserbrief aus der Sicht einer ihm bekannten Person schreiben und antwortet dann darauf.

Die Antworten zu solchen Leserbriefen entscheiden sich merklich von Antworten zu echten Briefen. Man kann nämlich dem Klaus, der einen Leserbrief schreibt, nicht sagen: „Du bist ein Idiot.“ Nicht nur, weil es nicht höflich ist, sondern vor allen Dingen, weil es ihm nicht hilft, auch wenn man diese Aussage begründet. Aber dem Klaus, der keinen Leserbrief schreibt, kann man mit solch einer Antwort mitteilen, dass man einen Menschen kennt, der genau die gleiche Frage, dieselbe Beschwerde hat. Und man kann ihm sagen, was man will, denn er wird ja nicht angesprochen. Deswegen kann man ihm auch ruhig eine verbale Ohrfeige geben, denn dier trifft ihn ja nicht, bringt ihn aber oft dazu, sich sein Problem näher zu überlegen, weil er der Ohrfeige zugeschaut hat.

Um solche Leserbriefe und Antworten handelt es sich hier. Sie zeigen Fehler und Irrtümer auf, geben manchmal auf grobe Weise Informationen, ohne aber tatsächlich jemand zu verletzen.

 Teil 1

Kann ich meiner Freundin glauben?…

Liebe Redaktion,

Ich bin Fliesenleger, 35 Jahre alt, lebe in einer Kleinstadt und habe seit zwei Wochen eine Freundin aus Kalasin. Ich habe sie hier an einer Bar kennengelernt, aber sie ist ein sehr anständiges Mädchen. Leider spricht sie kein Deutsch und auch kein Englisch. Sie ist auch nur zwei Jahre zur Schule gegangen. Aber sie ist sehr fleißig und ganz ehrlich. Sie schickt ihren Eltern Geld, weil die nichts verdienen können. In den zwei Wochen habe ich sie lieb gewonnen und will sie nicht mehr verlieren. Sie hat mir gesagt, daß sie mit mir leben will, obwohl sie noch ganz jung ist. Aber kann ich ihr glauben?

Ingo

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Bester Ingo,

ich bin sicher, daß Ihre Freundin wirklich mit Ihnen leben will. Aber ich bin nicht sicher, daß Sie zusammen leben können.

Ihre Freundin mag ein guter Mensch sein, ein junges Mädchen, das nichts gelernt hat, keine Arbeit finden kann und nun versucht, Ihre Eltern zu unterstützen, indem es in Pattaya Geld verdient. Ich glaube nicht, daß Ihre Freundin Sie liebt, aber sie wird sicherlich alles für Sie tun, wenn sie davon leben und ihren Eltern etwas Geld schicken kann.

Aber Sie können nicht mit ihr sprechen, Sie können sich kaum verständigen. Es wäre sicher gut, wenn Sie sich überlegen, was Sie von Ihrer Freundin erwarten. Wir müssen davon ausgehen, daß es keine Gemeinsamkeiten gibt, keine gleichen Anschauungen oder Überzeugungen, was das Leben, die Parterschaft, die Politik oder die Religion betrifft. Und mit Sicherheit haben Sie auch keine gemeinsamen Vorstellungen über Musik, Informationen, Kultur, Essen oder gemütliches Wohnen. Es kann aber sein, daß Ihre Freundin einen großen Anteil ihrer Vorstellungen und Erwartungen aufgibt, wenn Sie ein netter Mensch sind und Ihre Freundin gut versorgen. Dennoch wird es sehr schwierig sein, miteinander zu leben, sich zu verstehen und miteinander sprechen zu können.

Es kommt aber noch ein anderes Problem dazu. Sie werden in Thailand nicht als Fliesenleger arbeiten können. Und es ist sehr unwahrscheinlich, daß ihre Freundin in Deutschland leben kann. Sie hat nicht genug gelernt, um Kurse zu besuchen und richtig Deutsch lernen zu können. Dadurch wird sie kaum eine Möglichkeit haben, eine Arbeitsstelle zu finden. Sie wird in Deutschland kaum Kontakte haben, keine Freunde, keine Unterhaltung. Wahrscheinlich wird sie den ganzen Tag bei Ihnen zuhause sitzen und darauf warten, daß Sie wiederkommen, damit sie nicht alleine ist und etwas Unterhaltung hat.

Sie aber sind dort nicht mehr im Urlaub, sondern müssen arbeiten gehen und haben keine Zeit für sie. Wenn Sie abends nachhause kommen, sind Sie müde und wollen sich ausruhen. Wieviele Möglichkeiten haben Sie in Deutschland, sich wirklich um sie zu kümmern? Haben Sie sich überlegt, daß Ihre Lebensvorstellungen wahrscheinlich ganz anders sind, als die Ihrer Freundin? Vielleicht Überstunden, Auto, Stammkneipe, Fußball, Kegelclub und Wintersport? Haben Sie Ihre Freundin schon einmal gefragt, was sie am liebsten tut und sind Sie sicher, daß Sie diese Interessen mit ihr teilen oder ihr dabei helfen können?

Ich weiß nicht, ob Sie Ihre Freundin lieben, aber ich weiß, daß wir uns gerne selbst belügen. Wir sehen eine schönes Märchenbuch, ein Skateboard, ein Meerschweinchen, ein Auto, eine schöne Frau und dann lieben wir. Wir gehen mit dem Märchenbuch ins Bett, drücken das Meerschweinchen an uns, streicheln das Auto und heiraten die Frau. Diese Liebe bezieht sich ganz auf uns selbst, man nennt sie ‘Habenwollen’. Wir überlegen nicht, ob es für das Märchenbuch gut ist, im Bett zu sein, ob es gut ist für das Meerschweinchen, wenn wir es an uns drücken, ob es dem Auto hilft, wenn wir es streicheln und ob es für die Frau gut ist, wenn wir sie heiraten. In den meisten Fällen ist es noch nicht einmal gut für uns selbst. Aber wir wollen sie unbedingt haben. Was wollen Sie für Ihre Freundin?

Es besteht die Gefahr, daß Sie Ihre Freundin, die es gewohnt ist, im Freien zu sein und sich zu unterhalten, in eine Umgebung verpflanzen, in der sie nicht mehr zurechtkommt. Ihre Freundin hat in Deutschland keine Medien wie Fernsehen, Zeitungen, Radio oder Filme in ihrer Muttersprache, keine Freunde, keine Unterhaltung, kennt sich nicht aus, kann nicht einkaufen, nicht ausgehen, ist einsam und wird womöglich schief angesehen. Sie sollten es sich sehr gründlich überlegen, meint

Ihr Paule Plapper

 

 

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Sie sind ja so süß, wenn sie betteln

Erstellt von Admin am 2. April 2009

- 5 Seiten –   (‘Apichai Tamdii’ in ‘Die Geschichten gehen weiter’)
- Ein Bericht über Bettelkinder in den touristischen Orten -

 

Kurzgeschichte von Gad Labudda

Immer wieder erscheinen in den Nachrichten Berichte über Gruppen von Erwachsenen, die Kinder zum Betteln zwingen. Meist sind es Kinder aus Kambodscha und aus Burma, seltener aus Laos, und die Erwachsenen sind meist Thailänder, die manchmal mit ein oder zwei Kambodschanern zusammenarbeiten. Man ist in Thailand nicht schockiert, noch nicht einmal überrascht über solche Berichte, denn sie sind ein Bild des Alltags. Zudem waren es ja auch nur Kinder und dazu noch arme Kinder aus Kambodscha, also keine Personen, um die man sich Gedanken machen müßte. Außerdem gehen sie einen nichts an und man kann ja doch nichts ändern. Und das ist zutreffend.

Mit dieser allgemein üblichen Meinung kann man wirklich nichts am Schicksal dieser Kinder ändern. Nicht, weil man nicht könnte, sondern weil man gar nicht will. Auch viele Ausländer sind dieser Meinung. Manchen tun diese Kinder allerdings leid und dann geben sie ihnen ein paar kleine Münzen oder sie kaufen aus lauter Mitleid ein Kaugummi, das sie eigentlich gar nicht haben wollen. Sie haben ein gutes Herz, oder vielleicht ein soziales Schuldgefühl. Aber manchmal wäre es besser, sie hätten einen klaren Kopf, um die Folgen ihres Mitleids zu überlegen.

Es ist kein Zufall, daß Bettelkinder dort zu finden sind, wo sich diese Ausländer mit dem guten Herzen aufhalten, nämlich an den Bars, denn das ist ihre Bestimmung, von den guten Herzen gutes Geld einzutreiben. Nun wissen wir zwar, warum die Ausländer mit den guten Herzen an den Bars sitzen. Aber es ist sicher auch gut, zu wissen, warum die Kinder an die Bars kommen und wie es dazu kommt, daß man sie ständig an den Bars findet.

Nehmen wir zum Beispiel den kleinen Norodom, der nach dem König Kambodschas, Norodom Sihanouk, benannt wurde, dessen Leben aber gar nicht königlich ist. Er wurde als viertes Kind einer alteingesessenen, erfolgreichen Bettlerfamilie in Phnom Penh geboren. Die ersten Jahre verbrachte er stets zusammen mit seiner Mutter; sie erhielt viel mehr Geld, wenn sie mit einem Säugling oder einem Kleinkind auf dem Arm bettelte. Als er drei Jahre alt war, brachte er nicht mehr so viel ein, was sein Vater bereits als einen günstigen Zeitpunkt vorausgesehen hatte, um seine Mutter gegen eine andere Frau auszutauschen, die nun ein Kind von ihm bekam und damit viel bessere Einnahmen versprach. Norodom wurde zu der Schar der Kinder abkommandiert, die vor den Kaufhäusern und insbesondere den Supermärkten betteln gehen mußten.

Doch dort brachte er nicht viel ein und kam nicht allzuoft mit erbetteltem Geld in nennenswerter Höhe zu der Bretterhütte an der Straßenecke, die sein Vater sich als Hauptquartier erkoren hatte. Ein Umstand, den sein Vater als erfahrener, professioneller Bettler mit einfachen Mitteln zu ändern wußte, als der Junge vier Jahre alt war. Mit Freude hatte er beobachtet, daß sein Sohn Linkshänder war. So hackte er ihm den rechten Arm ab, womit seinem Sohn sein Leben lang gute Einnahmen als Bettler garantiert waren, wenn er nur lernte, geschickt zu betteln und sich unter Vorzeigen des bald heilenden Armstumpfes als zu bemitleidendes Minenopfer auszugeben.

Der Erfolg gab ihm Recht; sein Sohn brachte nun trotz seiner vier Jahre erheblich bessere Summen in erfreulicher Höhe zu seinem Vater, was allerdings den wachsamen Augen der bösen Konkurrenz von einer anderen Straßenecke nicht verborgen blieb und unverhohlenen Neid erweckte, zumal es diesem Mann an eigenen Kindern und folglich auch an abhackbaren Armen mangelte. Angespornt von den großen Erfolgen des einarmigen Vierjährigen nahm er Kontakt mit einem besonders bedürftigen Thai auf, den es in Phnom Penh herumtrieb, und man schmiedete große Pläne und dachte insbesondere an einen Eroberungsfeldzug.

Dafür ist zwar ein gewisses Kapital erforderlich, aber es ist ein altes Vorurteil, anzunehmen, daß Bettler kein Geld haben. Normalerweise gehören sie zu den wohlhabenderen Schichten, indem sie von einem Mangel an Scham und einem dicken Fell profitieren. Sie haben zumeist nur wenige Gefühle und darunter schon gar nicht jene der Achtung oder der Rücksicht gegenüber anderen Menschen. Meist sind es Menschen, die alles tun, um Geld zu bekommen, und wenn man sich nur zu betteln traut, verdient man meist weitaus besser, als wenn man arbeiten geht. Die Leute, die wirklich arm sind, schämen sich, zu betteln und versuchen, irgendeine Arbeit zu finden. Deshalb haben sie kein Geld. Die Bettler dagegen sammeln ihr Geld auf der Bank. Arbeiten zu gehen, bedeutet für sie einen schmerzlichen Gewinneinbruch.

Der böse Konkurrent heuerte einen guten Freund an, der ein altes Auto besaß und bereit war, ihn und einige weitere Fahrgäste gegen ein besonders gutes Entgelt einschließlich Gefahrenzulage an die thailändische Grenze zu bringen. Dann fuhren sie zu einem großen Supermarkt, wo sie den einarmigen Norodom, ein weiteres besonders erfolgversprechendes Kind und drei sehr arm und mager aussehende Kinder im Alter von etwa sechs oder sieben Jahren einluden. Sie gaben ihnen Süßigkeiten und versprachen ihnen eine Fahrt, bei der sie einen Teil der weiten Welt sehen sollten. Bei dieser Gelegenheit nahmen sie schnell noch ein Kind mit, das vielleicht knapp ein Jahr alt war, in einem Kinderwagen vor dem Supermarkt lag und vom Alter her besonders gute Einnahmen versprach. Als sie mit den Kindern abfuhren, ließen sie über eine längere Strecke noch mehrere Banknoten von fünfhundert Riel aus dem Autofenster flattern, worauf alle Kinder dem Auto hinterher liefen und die Straße leer war. Immerhin konnte man für fünfhundert Riel ein Ei kaufen und wurde von den Eltern belohnt. Die Kinder würden über den flatternden Banknoten die mitgenommenen Kinder vergessen und waren als Zeugen ohnehin nicht gut brauchbar.

Sie kamen bis dicht an die thailändische Grenze, die sich über Hunderte von Kilometern hinzieht und praktisch unkontrollierbar ist. Zu Fuß gelangten sie nach Thailand, wo bereits der thailändische Geschäftsfreund mit einem Auto auf sie wartete. Von hier aus begannen sie nun ihren Eroberungsfeldzug durch die touristischen Orte Thailands direkt in Pattaya, wo bereits weitere Mitarbeiter auf sie warteten. Die Kinder wurden nun aufgeteilt. Es waren zweimal zwei Kinder, die mit je einem Bewacher mitgingen, Norodom ging mit einem weiteren Bewacher und der Säugling wurde von einer Frau übernommen. Die Barbezirke wurden aufgeteilt, so daß die Kinder je zweimal durch die Bars gingen. Die Kinder begannen gleichzeitig im Süden, im Zentrum und im Norden und würden später die Bezirke wechseln.

Die Bewacher fuhren die Kinder mit Motorrädern zu den Bars und erklärten ihnen, wie sie zu gehen hatten. Sie selbst blieben unsichtbar in der Nähe und beobachteten die Kinder, damit sie nicht wegliefen und nicht bummelten. Es war Zwischensaison und die Kinder hatten mit Ausländern an den Bars noch keine Erfahrungen, deswegen waren die Forderungen ihrer Bewacher noch gering. Jedes Kind mußte bis Mitternacht mindestens dreihundert Baht einbringen, um etwas zu essen zu bekommen und nicht geschlagen zu werden. Kurz nach Mitternacht wurden sie zu einer am Rande der Stadt gelegenen Hütte gebracht, in der sie auf dem Boden schlafen durften. Sie erhielten einen Teller Reis mit Gemüse. Es war zu wenig, aber das war so beabsichtigt, denn sie mußten dünn, schwach und unterernährt aussehen, um Mitleid zu erwecken. Gut ernährte Kinder verdienen beim Betteln nicht viel.

Nach dem Essen durften sie sich hinlegen und sie durften den Raum bis zum Arbeitsanfang am nächsten Abend nicht verlassen. Es war nicht gut, wenn man die Kinder am Tag sah und man mußte auch aufpassen, daß sie nicht wegliefen. Es war nicht etwa so, daß sie Angst vor Problemen mit der Polizei haben mußten, denn die Kinder konnten hier mit niemand sprechen und ihnen war die Angst vor Polizisten anerzogen worden, zudem durften sie eine Anzeige nur mit Einwilligung der Eltern oder eines Vormundes erstatten, eine Rechtspraxis, die der Polizei und der Staatsanwaltschaft Arbeit sparen sollte. Wenn aber Kinder verschwunden waren, mußte man sich um eine andere Unterkunft und um andere Kinder bemühen, was umständlich war und oft einen erheblichen Verdienstausfall bedeutete.

Nachdem die Kinder tagsüber keine Beschäftigung hatten, den Raum nicht verlassen durften und geschlagen wurden, wenn sie laut wurden oder etwa herumtollen sollten, waren sie gegen achtzehn Uhr genug ‘ausgeruht’, um nach einem Teller Reis mit etwas Gemüse wieder mit ihrer Arbeit zu beginnen. Diesmal mußte jedes Kind mindestens vierhundert Baht einbringen, denn sie kannten ja jetzt die Arbeit und die Strecken, die sie abzulaufen hatten und sie wußten, wie sie sich gegenüber Ausländern zu verhalten hatten. Nur zwei oder drei Tage später würde das Pensum auf fünfhundert Baht pro Tag erhöht.

Nach zwei Wochen mit sich steigernden Einnahmen verließen sie Pattaya und würden sich jetzt drei Wochen in Bangkok aufhalten, um dort in den Vierteln der Bars und Vergnügungsbetriebe Geld zu verdienen. Auch hier wurden die Kinder wieder in einem Raum versteckt, in dem sie nicht laut sein und nicht spielen durften, denn sie sollten ihre Arbeit als Freude und angenehme Abwechslung erleben. Es ist selbstverständlich, daß diese Kinder nicht in eine Schule geschickt wurden, denn ihr einziger Bestimmungszweck bestand darin, ihren Bewachern Geld zu bringen. Wenn sie größer wurden, konnte man sie ohnehin nicht mehr zum Betteln schicken und dann war es für ihre Aufpasser auch unwichtig, ob sie zur Schule gegangen waren.

Doch schon nach einer Woche in Bangkok gerieten sie in eine Razzia und die Hälfte der Gruppe wurde gefaßt, darunter auch der kleine Norodom. Die Bewacher wurden wegen Bettelns und wegen Beschäftigung Minderjähriger und illegaler Ausländer vor Gericht gestellt, denn man konnte ihnen keinen Menschenraub nachweisen.

Die Kinder wurden nach Kambodscha zurückgeschickt, wo die Polizei die Aufgabe hat, die liebenden Eltern zu finden, um ihnen ihre kostbaren Kinder wieder zurückzubringen. Allerdings ist der kambod-schanischen Polizei bekannt, daß man Kinder auch einfach in Heime bringen kann, wenn man die Eltern trotz vielfältiger und aufreibender Bemühungen zufälligerweise nicht finden sollte oder die Kinder etwa nicht identifiziert werden konnten. Viele Kinder waren jahrelang unterwegs und konnten sich an ihre Eltern gar nicht mehr erinnern.

Möglicherweise habe ich mich nicht ganz klar ausgedrückt. Ich habe gesagt, der Bestimmungszweck dieser Kinder besteht darin, ihren Bewachern Geld zu bringen. Es läßt sich auch anders sagen: Sie werden geraubt, mißhandelt und geschlagen, weil mitleidige Menschen ihnen Geld geben. Denn nur dadurch haben sie einen Wert für ihre Entführer. Wenn sie kein Geld einbringen, sind sie für die Entführer völlig wertlos und sie würden überhaupt keinen Sinn darin sehen, sich mit Kindern zu beschäftigen.

Wer den Bettelkindern also aus lauter Mitleid Geld gibt, der verursacht damit, daß Kinder entführt und mißhandelt werden, daß sie hungern müssen, nicht spielen dürfen, ihre Eltern nie wiedersehen, nie in eine Schule kommen und ihr Leben wahrscheinlich als ungelernte Arbeiter, Analphabeten und illegale Ausländer fristen müssen.

Wenn jemand dennoch Mitleid mit den Kindern hat, dann sollte er ihnen etwas zu essen kaufen, Obst oder ein Fleischspießchen, einen Teller Reis oder eine Nudelsuppe. Solange die Kinder an einer Bar sind, werden die Wächter sich nicht trauen, sie zu schlagen oder ihnen das Essen zu verbieten, denn sie wissen genau, daß den Barmädchen und den Inhabern der Bars bekannt ist, daß sie nicht etwa bedürftige Eltern, sondern die Entführer sind, die die Kinder mißhandeln, um bequem leben zu können. Solange es aber noch Leute gibt, die diesen Kindern Geld geben, werden sie weiter hungern, mißhandelt und zum Betteln gezwungen.

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Addi leistet aus Versehen Entwicklungshilfe

Erstellt von Admin am 31. März 2009

- 4 Seiten –   (‘Victor Schluff’ in ‘Treffpunkt Pattaya)

- Ein überkandidelter Farang sucht eine Frau zum Mitnehmen – eine nicht sehr tragische Kömödie -

Kurzgeschichte von Gad Labudda

 

Daß man in Thailand jede Frau einfach von der Straße mitnehmen kann und Ausländer sehr gefragt sind, ist zwar in Thailand noch nicht bekannt, aber in Europa hat es sich bereits herumgesprochen. Selbst Arthur (sprich Addi), der sich weder für Politik noch Weltgeschehen interessiert und konsequenterweise auch keine Zeitung liest, weiß das schon, denn das ist schließlich eines der bevorzugten Gesprächsthemen ,unter Männern‘. Zu Addis großem Leidwesen sind es vorwiegend Gespräche mit Männern, die er an einer Theke führt, denn die wenigen Frauen, die er kennenlernte, hatten schon nach wenigen Stunden seiner Gegenwart recht wenig Interesse an einer Verlängerung ihrer Audienz.

Das liegt nach Addis Meinung allerdings nur daran, daß sie hoffnungslos veraltet sind, nach längst veralteten Gesellschaftsklischees leben, zu viele Ansprüche haben und vor allen Dingen viel zu dumm sind. Das merkt man schon daran, daß sie Addi, einem feurigen Prediger einer modernen Welt, nur unwillig zuhören, ihn fortlaufend unterbrechen und, wie man daran schon erkennen kann, ihm also geistig nicht folgen können, weshalb sie denn auch oft genug einfach aufgestanden und gegangen sind. Weil seine geistigen Ansprüche zu hoch waren und sie von ihm nichts lernen wollten.

Statt sich stillschweigend überzeugen zu lassen, suchen sie dann lieber eine andere Umgebung, in der Addi nicht gerade damit beschäftigt ist, sich selbst zu überzeugen. Dabei müßten sie doch eigentlich auf ihn fliegen, der sich als Messias eines neuen Lebens betrachtet und dem man die Modernität schon von Weitem ansieht. Seine langgelockte dunkle Haarpracht wird von einem blond gefärbten Zöpfchen betont, dessen Ende eine rosa Schleife ziert, passend zu den rosa getönten Gläsern einer Schmetterlingsbrille und seiner bevorzugten Hemdenfarbe, die einen bemerkenswerten Kontrast zu einer giftgrünen Nylonjacke, gelben Hosen und weißblau gestreiften moonbootähnlichen Sportschuhen bietet.

„Die moderne Welt ist bunt“, war sein letzter Werbespruch für eine Plastikfirma gewesen und er hatte als Werbetexter gut daran verdient. Um dieser Erfolg zu feiern, fuhr er nun nach dem Ankauf geeigneter Tropenkleidung nach Thailand, um nach Möglichkeit mit einer modernen Frau, die einen Retter sucht, wieder nach Deutschland zu gehen. Er hatte auch schon ganz klare Vorstellungen, wie diese moderne Frau auszusehen hat.

Die meisten Frauen seien in Pattaya zu finden, hatte er gehört, dennoch brauchte er vier Tage, an denen er an den Bars vorbeistrich, um die moderne Frau zu finden. Das bedeutet nicht, daß er die günstige Gelegenheit seines Aufenthaltes in Pattaya nicht wahrgenommen hätte, auch andere Frauen kennenzulernen. Schließlich sollte man ihm nicht Einseitigkeit vorwerfen können. Doch er fühlte sich in seiner Meinung über die Frauen nur bestätigt. Alle wollten nur Sex und Geld. Keine wollte mit ihm einfach nur so mitgehen, wegen der guten Freundschaft und des gemeinsamen Vergnügens. Auch hier zählte scheinbar nur, was er zu bieten hat, obwohl doch bekannt war, daß die Frauen hier wie wild darauf aus sind, einen Ausländer mitzukriegen und wenn irgend möglich heiraten zu können. Vielleicht lag es daran, daß er noch nicht hatte durchblicken lassen, daß er eventuell bei der richtigen Frau mit der richtigen Einstellung auch bereit wäre, diese Frau zu heiraten und nach Deutschland mitzunehmen.

Noch nicht einmal für dreihundert Baht wollten sie mit ihm aus Freundschaft mitgehen. Aber für fünfhundert Baht wollten sie gleich ins Bett. Und sie verstanden ihn nicht, obwohl er doch ein ganz gutes Schul-Englisch gelernt hatte. Die meisten schauten ihn einfach nur an und sagten überhaupt nichts und manche lachten sogar. Aber nach vier Tagen hatte er die Richtige gefunden. Sie war ihm sofort aufgefallen. Groß und schlank stand sie hinter einer Bar-Theke, hatte ein seidenes Tuch in den langen schwarzen Haaren, einen Ring in der Nase, und sie trug einen langen Wickelrock unter einer prallen, knappen Bluse mit sehr tiefem Ausschnitt. Und auch er schien ihr sympathisch zu sein, denn als er bei ihr seinen Vodka mit Zitrone bestellt hatte, setzte sie sich gleich zu ihm.

Sie schaute ihn auch nicht nur an, sondern hörte richtig zu und sie sprach auch mit ihm, genauer gesagt, sie antwortete, wenn er sie etwas fragte, und zwischendurch nickte sie mit dem Kopf. Das war die erste Frau, die ihn verstand. Und sie war auch nicht so, wie die anderen. Sie wollte nicht mit ihm mitgehen, selbst als er die Auslöse bezahlen und ihr fünfhundert Baht geben wollte, machte sie Ausflüchte. Sie sagte, daß sie nur Getränke servieren und nicht mit Männern mitgehen wollte. Aber er wußte es im Grunde besser. Alles hat seinen Preis, und bei zweitausend Baht ging sie schließlich mit. Wegen ihrer indischen Aufmachung nannte er sie einfach Indra, denn mit den seltsamen thailändischen Namen würde er sowieso nicht zurechtkommen.

Im Hotel bot sie ihm alles, was er sich im Leben nicht einmal erträumt hatte. Sie war ansonsten sehr ruhig, sprach nur sehr wenig, las ihm aber alle Wünsche von den Augen ab. Am nächsten Tag blieb sie den ganzen Tag bei ihm, war eine aufmerksame Dienerin und hörte ihm den ganzen Tag zu. Natürlich ging er mit ihr in ein besseres Restaurant, wo sie sich auch gut zu benehmen wußte und ihm die ganze Zeit zuhörte, ohne ihn zu unterbrechen. Er wußte schon, daß sie eine sehr gute Schülerin sein würde. Er erklärte ihr, daß die moderne Frau sich selbst ernährt und im Notfall sogar für ihren Mann einsteht, was sie nicht nur verstand, sondern auch bestätigte. Die moderne Frau habe ihren Platz nicht nur am Küchenherd und beim Kaffeeklatsch, sagte er, sondern in der Industrie. Sie müsse sich mit Technik und Elektronik auskennen und auch mit einem Computer umgehen können, das sei einfach eine Erfordernis der Zeit. Die moderne Frau müsse auch selbständig Entscheidungen treffen können. Auch hier gab sie ihm Recht und fügte sogar einige Argumente zu seiner Unterstützung an.

Addi entschloss sich, daß Indra die geeignete Frau für ihn ist. Sie war gehorsam und zeigte sich lernfähig, mit ihr konnte er überall auftreten und sie würde sein Ansehen sicherlich mehren. Zudem war sie als Frau im persönlichen Umgang äußerst angenehm, indem sie in jeder Beziehung für seine Bequemlichkeit sorgte. Und nicht zuletzt tat er auch noch ein gutes Werk, wenn er sie aus ihrem armseligen Barleben erlöste und ihr garantieren konnte, daß sie bei ihm immer einen Teller Reis zu essen hat.

Am Abend sagte er ihr, daß er sie nach Deutschland mitnehmen und heiraten wird. Er sah ihr an, daß sie vor Freude ganz stumm und völlig überwältigt war und gar nicht antworten konnte. Am Abend des nächsten Tages sagte sie, daß sie wegen eines Visas nach Bangkok fahren muß. Richtig, daran hatte er gar nicht gedacht. Er hatte aber schon an einer Bar gehört, daß das so um die achttausend Baht kosten soll. Sicher würde sie noch andere Ausgaben haben, natürlich, da waren ja auch noch die Kosten für den Flug. Wenn sie nur ein normales Visum bekam, mußte sie auf der Botschaft ein Flugticket für Hin- und Rückreise vorlegen können, das würde etwa so um die zwanzigtausend Baht kosten. Sicher hätte sie auch noch andere Ausgaben, vielleicht Kleidung, denn mit ihren dünnen Sachen könnte sie ja jetzt im Winter nicht nach Deutschland kommen.

Er fragte, ob sie noch weitere Ausgaben habe, denn sie schien selbständig genug, daß sie sich da schon eigene Gedanken gemacht haben sollte. Sie erwähnte, daß sie ihren Eltern zwanzigtausend Baht schicken muß. Daran hatte er nicht gedacht, aber er hatte schon gehört, daß es in Thailand üblich sei, die Braut von den Eltern zu kaufen. Immerhin waren zwanzigtausend Baht – so um die fünfhundert Euro – kein hoher Preis für eine Frau wie diese. Er gab ihr zweitausend Euro und sagte, sie solle sich die Kurse der einzelnen Banken ansehen und bei der günstigsten Bank wechseln.

Der nächste Tag ohne sie war trostlos und er freute sich schon auf die gemeinsame Zeit in Deutschland. Als sie abends nicht zurück war und auch am nächsten Tag nicht kam, meinte er, daß sie vielleicht in Bangkok geblieben war, weil sie wegen des Visas noch einmal am nächsten Tag zur Botschaft mußte, die ja nachmittags geschlossen hat. Nach drei Tagen wurde er allerdings etwas unruhig und ging zu der Bar, wo er sie ausgelöst hatte. Dort war man sehr erstaunt und fragte, ob er denn nicht weiß, daß sie nach Indien zurückgeflogen ist. Dort ist sie mit einem Thai verheiratet, der eine Firma mit Maschinen und Ersatzteilen für die Textilindustrie hat. Man betonte in der Bar, daß sie ihn sehr gelobt habe, weil er ihr viel Geld für ihre Eltern und für ihren Rückflug nach Indien geschenkt hat.

Addi ging zur Polizei und erstattete Anzeige. Gegen Indra – nein, das war nicht ihr richtiger Name, aber die in der Bar würden den Namen vielleicht wissen. Wegen insgesamt achtzigtausend Baht. Nein, die habe sie nicht gestohlen, er habe sie ihr gegeben, weil er sie heiraten wollte. „Hat sie das gesagt, gibt es dafür irgendwelche Unterlagen oder Zeugen?“, wollten die Polizisten wissen. „Nein, aber sie hat das Geld genommen.“ Dann fragten die Polizisten: „Wie lange haben Sie sie gekannt?“ und dann lachten sie wieder und sagten, daß es in Thailand nicht verboten ist, Geschenke anzunehmen. Und ein Polizist mit einem ganz besonders breiten thailändischen Lächeln sagte, er brauche auch gerade achtzigtausend Baht und fragte Addi, ob er ihn nicht auch heiraten wollte.

Nach reiflicher Überlegung kam Addi zum Schluß, daß es im Wiederholungsfalle doch besser sei, sicherzustellen, daß die Frau, die er mitnehmen will, ihn auch wirklich heiraten und nach Deutschland gehen will, und daß er die Erledigungen dann mit ihr gemeinsam durchführt, aber ansonsten hatte er noch nichts dazugelernt.

 

 

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Sie haben sich gegenseitig erobert

Erstellt von Admin am 30. März 2009

- 6 Seiten –  (‘Victor Schluff’ in ‘Treffpunkt Pattaya’)

- Gustav entdeckt seine heiße Liebe und die Freundin eine Geldquelle –

Kurzgeschichte von Gad Labudda

 

Gustav hatte eine süße Freundin. Sagten seine Freunde. Etwas pummelig, Stupsnase, Sommersprossen, Brille. Sie war lebendig und redete gern und viel. Das hätte Gustav noch nicht einmal so sehr gestört, wenn sie wenigstens die Intelligenz gehabt hätte, die empfehlenswert ist, wenn man viel redet. Dieser Mangel war ihr durchaus bewußt, doch sie glaubte, für das mangelnde Wissen durch intensiveres Glauben einen Ausgleich zu schaffen, indem sie sehr katholisch war. Das störte Gustav ganz ernsthaft. Er selbst war zwar auch katholisch getauft worden, aber das war nun schon knapp vierzig Jahre her und da er sich seither nicht sehr intensiv darum bemüht hatte, seinem Gott gefällig zu leben, war die tiefe Wirkung, die so eine Taufe auf die Seele haben soll, wohl schon etwas verblaßt.

Nur wenig störte es ihn, daß sie vor jedem Essen beten mußte und das Nachrichtenmagazin ‘Spiegel’ zu einem kommunistischen Hetzblatt deklarierte. Wenn ein Mensch so viel redet, kann ja nicht alles Sinn haben, meinte er. Ganz erheblich aber störte ihn, daß sie praktisch unberührbar war. Der von Gott geschaffene menschliche Körper war unsagbar schmutzig und durfte nicht gezeigt werden, meinte sie. Und die größte Sünde, um deren Genuß er sich so intensiv bemühte, konnte ihm nach ihrer Meinung nur gewährt werden, wenn das heulige Band der Ehe gordisch verknotet war. Aber zu so einem radikalen Schritt wollte er sich nicht hinreißen lassen, bevor er nicht wußte, ob es sich bei ihr auch wirklich zu sündigen lohnte. So dauerte die Beziehung schon mehrere Jahre, was sich für die Beiden hauptsächlich darin äußerte, daß sie älter wurden.

Gustav half sich mit Phantasien und Tagträumen. Nachdem er einige Exemplare des Playboy auf sich hatte einwirken lassen, bastelte er sie zusammen, die Traumfrau, mit der er leben wollte. Besonders wichtig war, daß sie einen braunen, extrem schlanken, ja geradezu knabenhaften Körper hatte. Und ein exotisches Gesicht. Schmal mit großen, mandelförmigen Augen, einem breiten, geschwungenen, vollen Mund und langen schwarzen Haaren. Ja, so mußte sie sein, die Frau, mit der er leben wollte. Und er hatte auch schon gehört, wo er solch eine Frau finden konnte. In Thailand. Da sollten die Frauen auch noch etwas taugen. Da hatte der Mann zu bestimmen und die Frau hatte zu gehorchen, hatte er gehört. Und billig sollten solche Frauen dort sein, hatten ihm Leute gesagt, die schon öfter da gewesen waren. So nährte Gustav seine Traumfrau schon seit mehreren Monaten, lag mit ihr auf der Couch vor dem Videogerät, ging mit ihr an den Strand und ins Bett. Sie war sehr anschmiegsam und sprach sehr wenig, sagte ihm nur, wie sehr sie ihn liebt und was er für ein guter und starker Mann ist, und vor allen Dingen war sie überhaupt nicht katholisch.

Eine Überraschung sollte ihn in die Nähe einer Auswahl solcher Traumfrauen bringen. Seine Freundin teilte ihm nämlich mit, daß sie angesichts der potentiellen Gefahr körperlicher Nähe den Urlaub, den sie das erste Mal gemeinsam zu verbringen geplant hatten, absagen wollte, weil zufälligerweise zur gleichen Zeit auch eine schöne Pilgerfahrt nach Frankreich angeboten wurde. Gustav erholte sich schnell von dem Schrecken und meinte, das sei eine sehr gute Idee, denn er hätte auch schon an eine Pilgerfahrt gedacht, wollte aber auf keinen Fall nach Frankreich.

Som war eines von vielen Kindern einer Kleinstbauernfamilie in einem kleinen Dorf in der Provinz Phetchabun. Die Familie besaß drei kleine Felder und ein kleines Haus, das auf hohen Stelzen vier Zimmer hatte; zwei Schlafzimmer, eine Küche und einen Versammlungsraum. Ansonsten hatten sie noch einige Schulden, viel Hunger, ja, und sehr viele Kinder. Das Dorf war ein hübsches kleines Dorf, ein zu kleines Dorf, befand Som. Es gab noch nicht einmal einen Tempel, geschweige denn eine Schule. Von hier aus sah man auf viele kleine Reisfelder und wenig Wasser. Das Leben war ausgesprochen ruhig, geradezu langweilig. Die meisten jungen Leute hatten das Dorf verlassen, um Arbeit in den Städten zu finden und nur die Alten saßen auf dem Dorfplatz zusammen und hatten noch nicht einmal genug Geld für ihren Lao Kao, den weißen Reisschnaps, den einige Bauern in den größeren Orten heimlich brannten. Junge Männer, für die man sich interessieren konnte, kamen höchstens einmal zu besonders hohen Festtagen aus der Stadt zum Besuch der Familie, ansonsten war das Dorf leer, wenn man von den kreischenden Kindern absah.

Auch Som würde bald das Dorf verlassen, darüber war sie sich klar. Die Eltern hatten sie schon zweimal darauf angesprochen, aber es hatte bisher noch keine Möglichkeit gegeben, niemand, der etwas über irgend eine freie Arbeitsstelle in der Nähe des Dorfes oder in einer Stadt wußte. Die Eltern fragten überall herum und sobald sie etwas über irgend eine Arbeitsstelle für sie hören würden, war es an ihr, das Dorf zu verlassen.

Aber nun war eine Sensation in das Dorf gekommen. Bisher war das größte Gebäude das zweistöckige Holzhaus des Dorfvorstehers gewesen. Doch jetzt wurde ein noch größeres Haus aus Stein gebaut. Das ließ ein alter Farang bauen, der ein Mädchen aus dem Dorf kennengelernt hatte. Es hieß, er wollte da später einmal leben, aber in Wirklichkeit war für es für die Familie des Mädchens, denn die war da jetzt schon halb eingezogen. Som hatte mit dem Mädchen gesprochen, es war die ältere Schwester einer guten früheren Schulfreundin namens Nam. Sie hatte den Farang in Pattaya an einer Bar kennengelernt. Er besaß sehr viel Geld und hatte dem Mädchen auch schon viel Geld gegeben. Es war ein längeres und sehr offenes Gespräch, bei dem die beiden jüngeren Mädchen hörten, wie das Leben in Pattaya ist.

Es war sicher nicht immer schön, aber man konnte genug verdienen, um keinen Hunger zu haben und mit etwas Glück konnte man einen Farang finden, der mit einem leben wollte. Dem mußte man nur sagen, daß man Geld für die armen Eltern verdienen muß, dann konnte man jeden Monat ein paar tausend Baht auf die Bank bringen und was man zum Leben brauchte, das bezahlte dann der Farang. Es sollte nicht das einzige Gespräch bleiben und von nun an sah man auch Som und Nam oft zusammen. Die Beiden schmiedeten Pläne, wie sie am besten das Dorf verlassen würden, um gemeinsam nach Pattaya zu fahren. Dort wollten sie nach einem Farang suchen, um das nötige Kapital oder einen geeigneten Farang für ein angenehmes Leben zu suchen.

Als die Schwester von ihrem Farang abgeholt wurde, sprachen Som und Nam mit ihren Eltern. Denn rein zufällig wußte die ältere Schwester, daß in einem ehrbaren Restaurant, das jetzt gerade in Pattaya eröffnet wurde, dringend noch Personal für die Bedienung gesucht wird und dabei könnten die beiden Mädchen doch gut Geld verdienen, während sie hier im Dorf nichts machen und nichts verdienen konnten.

Es fiel nicht schwer, die Eltern zu überzeugen und so fuhren Som und Nam mit deren älterer Schwester und ihrem Farang mit nach Pattaya. Er war alt und komisch, der Farang. Er war laut und es mußte alles nach seinem Willen geschehen. Aber er hatte Geld und er spendierte unterwegs auch eine gute Mahlzeit. In Pattaya setzte er sie an einer belebten Bar ab, die die ältere Schwester empfohlen hatte. Dort wollten sie sich auch in einer Stunde treffen, weil noch eine Unterkunft gesucht werden mußte.

Som und Nam konnten zusammen anfangen, worüber sie sehr froh waren, denn sie fühlten sich doch sehr unsicher. Sie wußten überhaupt nicht, was sie zu tun hatten. Es hatte sich so angehört, als müßten sie nur mit den Farang ins Bett gehen, um reich zu werden. Jetzt aber mußten sie den Abwasch machen und Getränke servieren. Der Abwasch störte sie nicht, das war eine Arbeit, die sie kannten. Aber sie kannten doch überhaupt keine Getränke. Und wenn ein Farang etwas sagte, konnten sie überhaupt kein Wort verstehen, wußten nie, was sie tun sollten. Es dauerte einen Monat, bis sie sich etwas einfanden und auch ein paar Worte verstanden. Das schafften sie, weil sie sich jeden Tag mit einem Englischbuch zusammensetzten und eines der Mädchen, bei denen sie wohnten, ihnen gegen Übernahme von Hausarbeit und Wäsche beim Lernen half.

Mit den ersten Männern hatten sie ihre Probleme. Sie hatten absolut keine Ahnung und wußten nicht, was die Männer wollten. Komplikationen gab es bei einem, der Analverkehr wollte, wovon sie noch keine Ahnung hatten und für den sie auch strikt ablehnten. Viel wichtiger war ihnen, daß sie bereits Geld verdienten. Immerhin hatten sie schon im ersten Monat mehr verdient, als sie sonst im Dorf in einem Jahr hatten und das ermutigte. Aber nun waren sie schon ein halbes Jahr in der Bar beschäftigt und der gesuchte Farang hatte sich immer noch nicht sehen lassen.

Som war schon mehrmals für einige Wochen mit einem Farang zusammengewesen, aber das waren Urlauber gewesen, die zuhause verheiratet waren. Nam hatte es über einen Monat mit einem Farang ausgehalten, der störrisch und geizig war. Nicht nur, daß er mit ihr immer einen Wochenvertrag aushandelte und dann ihren Preis erheblich drückte. Sie mußte auch ihr Essen selbst bezahlen, sogar wenn sie zusammen weggingen, und wenn sie einkaufte, mußte sie alles genau abrechnen und als ihr einmal zehn Baht fehlten, mußte sie die aus ihrer Tasche bezahlen. Ansonsten befahl er ihr, wo sie das Haus sauberzumachen hatte und wie sie das zu tun hatte und war nur laut und unfreundlich. Eines Tages hatte sie keine Lust mehr und ging. Der Farang kam später an ihre Bar, um sie wiederzuholen, aber sie wollte nicht. Daß es dann Krach gab, änderte nichts daran.

Es war vielleicht zwei Monate später, daß ein Farang kam, der sich geradezu auf Som stürzte. Sie sollte sich zu ihm setzen und ein Bier bringen. Som saß da und brauchte gar nicht viel zu sagen, er redete alleine und fühlte sich sehr verstanden, weil Som hin und wieder  mit dem Kopf nickte, wenn sie schon wieder einmal mehrere Minuten nichts verstanden hatte. Sie bekam von dem Farang einen Ladydrink, den sie gar nicht bestellt hatte und wurde von ihm ausgelöst. Auf dem Weg zum Hotel sagte er, er heiße Gustav. Er war schon über eine Woche in Pattaya und hatte auch schon mehrere Frauen mitgenommen. Die waren zwar schlank und sehr jung gewesen, aber sie hatten nur eine sehr entfernte Ähnlichkeit mit seiner Traumfrau. Nachdem er sie schon voller Skepsis mitgenommen hatte, fand er bald Gründe für seine Unzufriedenheit.

Zu kindisch waren sie, zu laut, sie redeten zu viel und ließen sich auch nicht so zurechtlegen, wie er es von seiner Traumfrau gewohnt war. Aber als er Som gesehen hatte, wußte er sofort, daß er sie getroffen hatte, seine Traumfrau. Er bewunderte ihren Körper, schaute ergriffen in die Mandelaugen und fand die Bestätigung dafür, daß sie auch wirklich die Traumfrau war, darin, daß sie kaum etwas sagte. Im Hotel mußte sie sich erst ausziehen, um dann von Gustav geradezu angebetet zu werden. Seine Hände wanderten über ihren ganzen Körper, bevor er sie ins Bett legte, so, wie es ihm paßte. Und Som hatte schon viel gelernt in dem ersten halben Jahr, sie sagte ihm, daß er ja so ein starker Mann sei und daß sie ihn liebe, weil er so ein guter Mensch ist. Sie wußte, daß Männer das gerne hörten, wenn man sich dabei  ernst bleiben konnte. Genau die Worte, die er seine Traumfrau immer hatte sagen lassen, merkte Gustav, und war sicher, daß Som die Traumfrau war.

Am nächsten Tag ließ er nicht von ihr ab und kaufte ihr völlig unaufgefordert eine Goldkette für dreitausend Baht. Und sie sagte ihm, daß sie ihn liebt, weil er so ein guter Mensch ist. Und Gustav kaufte ihr daraufhin gleich noch einen Rock und eine Bluse. Und er hielt sie jetzt alle Tage im Arm, neben, vor oder unter sich, kaufte seiner ruhigen Traumfrau alle Sachen, die sie gar nicht wollte und war ja so glücklich, wenn sie ihm sagte, daß sie ihn liebt, weil er so ein guter Mensch ist und so ging das Leben jetzt jeden Tag und das Glück nahm überhaupt kein Ende…

Aber der Urlaub. Entsetzen machte sich breit. Das konnte den Verlust seiner Traumfrau bedeuten. Er merkte nicht, daß er sie noch gar nicht kannte, war sich aber sicher, ohne sie nicht mehr leben zu können. So kaufte er ihr noch eine Goldkette mit einem Diamantanhänger und teilte mit, daß er sie heiraten wird und sie sagte, sie liebte ihn so sehr, weil er so ein guter Mensch ist.

Nun leitete er alles für eine Heirat in die Wege, aber diese Wege waren länger, als der Urlaub. Er würde bald wiederkommen, um in Thailand zu leben. Er war Programmierer und solche Leute wurden hier gesucht, meinte er und wußte gar nicht, wie recht er hat. Dann gab der programmierte Programmierer seiner Traumfrau Geld, damit sie während seiner Abwesenheit nicht mehr in der Bar arbeiten mußte. Dann gab er Geld für die armen Eltern und er gab Geld, damit man mit dem Bau eines kleinen Häuschens für die armen Eltern in ihrem Heimatdorf beginnen konnte, noch mehr Geld würde er dafür von Deutschland schicken, und dann gab er Geld, damit Som in eine Sprachschule gehen konnte und er gab Geld für alle möglichen Notfälle und dann fuhr er ab. Som weinte erwartungsgemäß einige hart erarbeitete Tränen, die Gustav ja so glücklich machten.

In Deutschland leitete er die Heirat in die Wege und schickte öfter Geld für das Haus der Eltern, in dem er nicht wohnen wollte, weil er als Programmierer in der Stadt leben mußte. Aber er fühlte sich verpflichtet, für die Eltern seiner geliebten Traumfrau zu sorgen, damit die nicht noch auf den Gedanken kämen, sich später in seinem Haus zusammen mit Som einzunisten und sein langersehntes Glück behinderten. Und dann er schickte Geld für Som, die sich auch um ihre Hochzeitspapiere kümmerte.

Ein halbes Jahr später kam Gustav und heiratete seine Traumfrau in ihrem kleinen Dorf, wo er auch das einzige große Steinhaus sah, das es dort gab. Das Haus für die Eltern, sagte Som, das Haus, das er bezahlt hatte, wo jetzt nur noch einige Leute drin lebten, die Bauarbeiter, die dort noch arbeiten sollten, bis es ganz fertig war, wie dies in Thailand so üblich ist, weil Bauarbeiter wegen der langen Wege zur Arbeit in oder bei den von ihnen zu bauenden Häusern wohnen. Gustav war sehr froh über das Haus. Und er würde mit Som in Pattaya ein Häuschen kaufen, auf ihren Namen natürlich, und dann würde er für alle Zeiten glücklich mit seiner Traumfrau leben und alle Tage glücklich mit Som leben und programmieren.

Som fand in Pattaya ein Haus, von dem sie ganz begeistert war und auch Gustav fand das Haus gut, obwohl es viel größer und teurer war, als er es geplant hatte. Dann richteten sie das Haus ein und dabei ging Gustavs Geld langsam zur Neige. So mußte er denn doch noch einmal nach Deutschland, um Geld zu verdienen. Aber er tröstete Som damit, daß er ein sehr gutes Angebot habe und in einem halben Jahr bestimmt wiederkommen könnte. Vor allen Dingen tröstete er sie mit dem Geld, das sie brauchte, um jetzt in diesem Haus alleine leben zu können ohne in die schreckliche Bar gehen zu müssen, mit dem Geld für einen weiteren Sprachkurs und mit dem Geld für mögliche Kosten und für alle Fälle und dann fuhr er ab.

Am nächsten Tag saß die arme Som ganz alleine im Kreise der Mädchen in der Bar und rechnete sich aus, wie lange es wohl noch dauern würde, bis sie auf Gustav verzichten kann, Denn nun hatte sie zwar ein Haus in Pattaya, aber das Geld, das er für den Bau des Hauses in ihrem Dorf gegeben hatte, würde sicher nicht viele Jahre reichen. Da wäre es schon besser, wenn er vorher noch etwas Geld schickte. Vielleicht, um sie nach einem schweren Unfall vor dem sicheren Tod durch die Überweisung für eine hohe Krankenhausrechnung zu retten. Inzwischen mußte ihm ja wohl bekannt sein, daß Traumfrauen schon immer etwas teurer waren.

 

 

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Haie, Ratten und ,gute Freunde‘

Erstellt von Admin am 29. März 2009

-         6 Seiten –  (‘Victor Schluff’ in ‘Treffpunkt Pattaya’)

Die Erlebnisse und Begegnungen mit verschiedenen Menschen an einem guten Morgen an einer Bar

Kurzgeschichte von Gad Labudda

Ihr Victor Schluff muß sich hier einmal ganz energisch gegen die allgemeine Volksmeinung zur Wehr setzen; es ist gar nicht wahr, daß er bereits am frühen Morgen in volltrunkenem Zustand die Bars bevölkert. Das geschieht höchstens an besonders späten Abenden. Allerdings muß zugestanden werden, daß die Erlebnisse den Eindruck machen, als wäre der Beobachter sternhagelvoll gewesen, so voll, daß er trotz Lektüre namhafter Einführungen in die Kenntnisse der Fauna als auch der Anatomie noch nicht einmal in der Lage gewesen wäre, Haie, Ratten und ,gute Freunde‘ zu unterscheiden. Das entspricht auch den Tatsachen. Doch leider auch in einem vollkommen nüchternen Zustand. Doch vielleicht lassen Sie Ihren Schluff erzählen und nehmen dann die Unterscheidungen selbst vor.

Um angelegentlich eines Stromausfalls einmal etwas völlig Neues zu erleben, geht Ihr Schluff also nach ausgedehnter Nachtruhe bereits um neun Uhr morgens an eine Eck-Bar an der Pattaya Second Road, wo man ihn schon als abendlichen Gast gut kennt. Schluff bestellt einen Kaffee, versucht, einen Teil des Tagesablaufes an den Bars zu erleben und unterhält sich mit den Mädchen über die letzten Neuigkeiten und Gerüchte.

Die Nachbar-Bar in dem Komplex offener Bars wird neu dekoriert. Sie ist gerade zu einem Preis von 1,2 Millionen Baht verkauft worden. Das beinhaltet freilich nicht den Besitz, sondern nur das ,Schlüsselgeld‘ der türlosen Bar bei einer Vertragsdauer von drei Jahren und die Einrichtung. Ein sehr stolzer Preis. An der Bar fährt ein neues Massenbeförderungsmittel vorbei; ,Dein Freund und Helfer‘ – Aufschrift in Pattaya: ,Station für die Völker aller Nationen‘ (,Station for all Peoples‘) – hat sich wohl zu deren Unterbringung einen Lieferwagen zugelegt, der von einem Drahtgeflecht geziert wird, das so dicht ist, daß auch keine Ratten entweichen können. Das war sicher Absicht. Der Wagen hat die Funktion einer ,grünen Minna‘, ist aber schwarz. In Anlehnung an die Polizeiwagen in Köln, die alle ,Peter‘ heißen und unter besonderer Berücksichtigung der Funktion der hiesigen Polizei und dieses neuen Wagens hält Ihr Schluff aber den Namen ,Schwarzer Peter‘ für sinnvoller.

Schluff lacht erst über den großen Wagen für die kleine Station, sieht ihn dann aber doch recht oft wohlgefüllt in Richtung Chonburi vorbeifahren. Das kann natürlich mit einem Großeinsatz der Freunde und Helfer, einer Art kasernierter Nächstenliebe, zu tun haben. Aus Bangkok, wo der Verkehr ohnehin wegen einiger Regenfälle lahmliegt, sind nämlich wieder einmal Massen von uniformierten Freunden und Helfern nach Pattaya geschickt worden. Sie haben den Auftrag, vornehmlich den Handel mit Drogen in Pattaya, insbesondere mit ,Ya ba‘, der ,verrückten Droge‘ in den Griff zu bekommen und lahmzulegen.

So schwärmen unzählige Freunde und Helfer zur Mittagszeit in Uniform und Zivilkleidung, in Polizeiwagen, Pick-ups, Personenwagen und auf Motorrädern aus, die Drogenhändler zu fangen. Das ist amtliche Logik. Zwar sind die Drogenhändler hauptsächlich während der späten Nacht aktiv, da die Polizei dann jedoch bereits schläft, bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Drogenhändler zur Mittagszeit zu verfolgen. Als beliebtes Mittel hierzu haben sich Verkehrskontrollen herausgestellt, da die sich bei Tageslicht besonders problemlos gestalten. Jetzt müßte man nur noch versuchen, die Drogenhändler zur Mittagszeit auf die Straßen zu schicken.

Eines der Mädchen von der Nachtschicht kommt vom Strand zurück, wo es Muscheln gefangen hat, die es in einem Plastikbeutel bringt. Wohl nur diese Tiere sind der an den Bars bekannten Arbeitsgeschwindigkeit hilflos ausgeliefert und so war die Jagd ein voller Erfolg. Ein anderes Mädchen hat irgendwo Gemüse gefangen und auch Reis und etwas Hühnerfleisch sind vorhanden (wobei das Huhn nicht am Strand gefangen wurde!). Die Zeiten sind schlecht, es gibt nur wenige Gäste und damit nur wenig Einkommen und Trinkgeld. So versucht man, zu sparen, wo es nur geht. So ein Essen kostet an den Essensständen immerhin um die zwanzig Baht pro Person. Gemeinsam bereiten die Mädchen das Essen.

An einer äußeren Ecke sitzt ein hagerer Ausländer mit ernstem, unnahbarem Gesicht, schütterem, rotblondem Haar, einer jener Typen, die zwar rot oder auch blau, aber niemals braun werden. Er trägt ein abgenutztes, billiges, aber sauberes Hemd und trinkt ein Bier. Als die Mädchen mit der Zubereitung ihres Essens fertig sind, sagt er, daß er auch noch nichts gegessen hat und bekommt auch seinen Teller Reis, zu dem er sich auch prompt eine weitere Flasche Bier bestellt. Während die Mädchen essen, kommt ein weiterer Ausländer. Nein, er will nichts trinken, er will nur wissen, ob hier Bars zu verkaufen sind, oder ob irgendwelche Barinhaber kein Geld mehr haben, die Miete nicht bezahlen können oder so…

Die Verständigung ist schwierig, denn sein Englisch ist nicht viel besser, als das der Mädchen, aber irgendwie verstehen sie ihn und sagen, die Nachbar-tränke wurde für 1,2 Millionen verkauft. Er winkt ab und macht mit Worten und Zeichensprache verständlich, wenn kein Geld da ist und die Polizei kommt, dann sind die Leute auch mit 200.000 Baht zufrieden. Ein Freund ist bereit, 400.00 Baht für eine Bar zu bezahlen, aber er braucht für seine Arbeit ja auch noch eine Kommission, das sind dann die anderen 200.000 Baht. Die Mädchen sollen sich umhören. Wenn sie eine gute Bar kennen, die verkauft werden kann und es kommt zum Kauf für 200.000 Baht, dann zahlt er ihnen eine Kommission von 2.000 Baht. Er wird wiederkommen, um nachzufragen, ob sie eine gute Bar ausfindig gemacht haben. Der Mann geht und man unterhält sich an der Bar eine Weile über den ,Spinner‘. Die Mädchen meinen, da laufen jetzt mehrere Leute ‘rum, die zum Ende der ,low season‘ einen Fang machen wollen, aber 200.000 Baht ist zu niedrig. Diese Zeiten sind schon lange vorbei.

Schluff geht kurz weg und holt Zigaretten. Bei der Rückkehr sitzt ein Mädchen in der Ecke und heult, das andere schimpft. Der Ausländer, der schon am frühen Morgen da saß, ist inzwischen gegangen. Als er nach der Rechnung gefragt hat, haben die Mädchen seine Biere zusammengezählt – der Reis war gratis – und ihm die Rechnung von 300 Baht gegeben. Die hat er wieder zurückgegeben und gesagt, daß er kein Geld hat und ist gegangen, und sein unnahbares Gesicht hat er auch mitgenommen.

Als ich frage, warum die Mädchen nicht die Polizei geholt haben, meinen sie erst, sie hätten Mitleid mit ihm gehabt. Und außerdem, das war wohl das Ausschlaggebende, kriegen sie das Geld von der Polizei auch nicht zurück, aber sie können damit rechnen, Ärger zu haben, wenn sie stundenlang bei der Polizei sitzen müssen, bis das Protokoll fertig ist und sich vielleicht noch Vorwürfe anhören zu müssen. Anschließend haben sie mit Sicherheit Ärger in der Bar, weil sie die nicht allein lassen dürfen. Die dreihundert Baht müssen die Mädchen natürlich aus ihrer Tasche bezahlen, denn die Bierflaschen sind ja gezählt.

An der Seite der Bar sitzt inzwischen ein älterer Herr mit seiner Anstandsdame, die mit den Barmädchen in höherem Tempo konversiert. Er trinkt gemütlich ein Bier. Es ist ruhig an der Bar. Bis der nächste Gast kommt. „You smoking?“ fragt er mich. Ich schaue auf meine brennende Zigarette, das Päckchen und das Feuerzeug neben dem Aschenbecher, überlege scharf: „Yes.“ Er bittet um eine Zigarette. Ich biete ihm eine an und erkläre ihm, wo er ganz in der Nähe Zigaretten kaufen kann.

„Wer juh komm fromm?“ fragt er mich. Ich sage, daß er einen sehr starken deutschen Akzent hat und vielleicht besser Deutsch spricht. Er erklärt, daß ich ihm aber Geld geben muß, wenn er mit mir Deutsch sprechen soll. Ich mache ihm klar, daß ich gar keine Lust habe, überhaupt mit ihm zu sprechen und da wir in Thailand sind, soll er mit mir in Thai sprechen; für Englisch soll er Übersetzungsgebühr zahlen. Es stört ihn nicht. Er fragt weiter in Englisch, ob ich sein Freund bin. Nein, bin ich nicht. Er muß mich mit jemand verwechseln. Er erklärt, daß er aber mein Freund ist und ich sage ihm, daß er das nicht tun soll. Freunde in Pattaya sind mir zu teuer. Als wenn er das nicht gehört hätte, fragt er, ob ich ihm ein Bier ausgebe. Nein, tu ich nicht.

Er wird mir ein Bier ausgeben, sagt er und zeigt sich zwar unverschämt, aber nicht ungeschickt. „Two beer“, bestellt er bei einem der Mädchen und zeigt dabei auf mich. Das Mädchen wirft mir einen warnenden Blick zu. Wer sich nicht auskennt, glaubt, der Zeigefinger bedeutet, daß ich das zweite Bier bekommen soll. Ich bin aber wirklich nicht das erste Mal an einer Bar. Der Zeigefinger bedeutet, daß ich die Rechnung bezahle. Ich trinke kein Bier, erkläre ich. „One beer“, korrigiert er und zeigt weiter auf mich. Ich mache ihm klar, er soll den Finger wegnehmen. Ich bezahle ihm kein Bier. „One beer“, wiederholt er seine Bestellung.

Ich eröffne ihm, daß an dieser Bar kein Bier verschenkt oder verliehen wird, sondern nur verkauft, und zwar gegen Vorauszahlung. Er greift in die Tasche und zieht fünf Baht hervor. Ich erkläre ihm, daß es an dieser Bar keine so kleinen Flaschen gibt, die muß er woanders suchen. Unbeeindruckt fragt er nach einer weiteren Zigarette. Ich gebe ihm einen Geheimtip. Wenn ich rauchen oder trinken will, gehe ich arbeiten. Dafür bekomme ich Geld, von dem ich mir Zigaretten und etwas Trinkbares bestelle. Die Nachahmung unterliegt keinem Copyright.

Als hätte er mich nicht gehört, meint er, ich sollte ihm fünfhundert Baht geben. Auf mein Kopfschütteln ermäßigt er bis auf einhundert Baht. Dann geht er zu dem älteren Herrn und spricht mit dem. Schätzt, daß der aus der Gegend von London kommt, bekommt aber trotzdem nicht die zweihundert Baht, die er nun verlangt. Auch kein Bier. Schließlich zieht er weiter, worauf die Mädchen erzählen, daß er gestern auch schon ein Bier bestellt und nicht bezahlt hat, anschließend aber wiedergekommen ist, um von den Gästen der Bar etwas zu bekommen. Der ältere Herr, der sich später als ein gemütlicher Rheinländer aus Aachen herausstellt („Dat liecht ja auch jleich um die Ecke von London“), schimpft erst einmal ganz ungemütlich und kann sich gar nicht vorstellten, wie er sich fühlen würde, wenn er andere Leute um eine Zigarette oder ein Bier anhauen sollte. Schließlich einigen wir uns. Wenn man kein Bier hat, braucht man nicht zu betteln, man braucht nur keins zu trinken. Am nächsten Tag erzählt der Aachener, daß er den gleichen Typ gesehen hat, wie er die ganzen Bars an der Strandstraße abgeklappert hat, um alle Ausländer um Bier und Geld anzuhauen.

Schließlich geht der Aachener mit Anstandsdame nachhause und ich lasse mir von den Barmädchen etwas von den verarmten Farang erzählen. Die meinen zunächst, es gibt auch anständige Farang ohne Geld. Die fragen nach einem Glas Wasser oder nach einem Job als Manager für sechs- bis zehntausend Baht. Dann erzählen sie mir einige Geschichten, nach denen mir die Haare zu Berge stehen. Während ich noch meine Haarstoppeln zu beruhigen versuche, kommt ein weiterer Ausländer an die Bar. Eine hagere Figur, deren Kleidung etwas zu weit ist. „Singha“ bestellt er. Das Mädchen stellt die Flasche im Thermosbecher und die Rechnung im Holzbecher vor ihm auf den Tresen. Er nimmt die Flasche aus dem Becher, läßt die Rechnung stehen und geht, ohne einen Ton zu sagen.

In diesem Augenblick kommt gerade eine Polizeistreife vorbei. Ihr Schluff hält sie an und erklärt, der Hagere, der noch keine zehn Meter weiter weg ist, braucht dringend Hilfe. Der hat gerade ein Bier bestellt und ist gegangen, ohne zu bezahlen. Der weiß noch nicht, daß man das Bier bezahlen muß. „Dem helfen wir schon“, verspricht ein Polizist und ruft den Hageren zurück. Dann geht er zu ihm hin und fragt, wo er das Bier her hat. Der zeigt auf die Bar. Der Polizist fragt, ob er bezahlt hat. Der schaut auf die Leute an der Bar, schüttelt mit dem Kopf und bedeutet schließlich, daß er kein Geld hat. Der Polizist bestellt per Sprechfunk einen Wagen und sagt mir, ich soll mitkommen. Ich erkläre, daß ich meinen Kaffee immer bezahlt habe. Der Polizist meint, wegen der Anzeige soll ich mitkommen.

Welche Anzeige? Ich habe nur gesagt, dem Mann müsse man helfen. Dann zeige ich auf die Flasche Bier und auf die Rechnung und erkläre, der Mann wird schon die Wahrheit sagen; wir sind ja noch länger da. Außerdem gibt es Zeugen, daß der Mann stiehlt und deshalb kann man damit rechnen, daß er auch woanders gestohlen hat, was ich nicht gesehen habe und nicht bezeugen kann. Deshalb ist es besser, wenn man ihn selbst sagen läßt, was er alles gestohlen hat. Der Polizist stutzt einen Moment, dann grinst er, nimmt dem Hageren die Flasche ab, nimmt die Rechnung und verfrachtet seinen Patienten. Schluff bezahlt freiwillig das Bier für die Mädchen, die ihm versichern, das wäre ein ganz einmaliger Tag; sonst hätten sie in einer ganzen Woche vielleicht ein oder zwei Kunden, die nicht bezahlen oder nicht genug Geld bei sich haben.

Als dann später der Schwarze Peter mit dem Hageren an der Bar vorbeifuhr, hat Ihr Schluff sogar noch fröhlich gewunken. Der hat aber gar nicht zurückgewunken, noch nicht einmal gelächelt hat er. Später hört Schluff, daß der Mann tatsächlich noch mehrere Diebstähle unterschrieben hat, wodurch die Aufklärungsrate von Verbrechen in Pattaya verbessert werden konnte. Soweit zum Preis einer Bierflasche, wenn man meint, man kann sie klauen und die Mädchen dafür bezahlen lassen. Der Mann tut Schluff überhaupt nicht leid, auch wenn er vielleicht gar nicht weiß, was er alles unterschrieben hat. Man wird es ihm schon sagen.

Als wäre es noch nicht genug gewesen, kam noch ein etwas dicklicher Dreißigjähriger, erklärte, er würde mich kennen und wir wären doch Freunde. Im Moment ging es ihm etwas schlecht und er brauche erst einmal ein Bier und dann müßte ich ihm unbedingt tausend Baht leihen, die würde er auch bestimmt in einer Woche zurückgeben, weil er dann fünfzigtausend Euro für den Rest seines Urlaub bekommt, die schon vor einer Woche abgeschickt wurden, nach denen er aber schon seit vier Tagen vergeblich fragt.

Da sah Ihr Schluff eine dieser meist etwas langhaarigen und verschmierten Personen, die an den Bars vorbeiziehen und alle möglichen Getränkereste in eine große Flasche gießen, die strikt zum persönlichen Gebrauch bestimmt ist. Ihrem Schluff fiel zum ersten Mal auf, wie nett und ehrlich diese Leute eigentlich sind, wenn auch meist angetrunken und leicht verschmutzt. Aber das ist bei denen schließlich nur äußerlich und ließe sich mit etwas Wasser und Seife ändern. Aber sie lügen und betrügen nicht, sie nehmen Abfälle. Ihrem Schluff wurde die Gesellschaft zu viel. Er bezahlte die Rechnung und ging und der Dickliche wartet wohl immer noch an der Bar auf ein Bier und seine Freunde.

Schlimm ist, daß jeder auffällige Europäer zu dem Bild beiträgt, daß sich die Thai von ‘den Farang’ machen. Sie haben ja selbst gesehen, daß die Farang alle reich sind und sie haben gesehen, daß die Farang als Gäste kommen, sich von den sicher nicht reichen Frauen an den Bars ihr Essen erbetteln und ihnen dann sogar noch das Bier klauen.

Schlimm ist auch, daß viele Leute in Europa mit der Überzeugung abfahren, daß sie hier als Vertreter einer besseren Rasse als Herrenmenschen ankommen, die weit über den ‘Eingeborenen’ stehen, die weit unter ihnen stehenden Menschen nicht zu respektieren brauchen und sich nicht um die Gesetze kümmern zu müssen. Diese Einstellung sorgt dafür, daß man in Thailand zur Überzeugung gekommen ist, daß man die Farang nicht akzeptieren kann und bekämpfen muß, weil sie glauben, alle Farang seien arrogant und überheblich. Daran ändert auch die traurige Tatsache nichts, daß viele dieser Farang auch in ihrer Heimat keine Achtung vor Menschen haben, nur ihre Selbstherrlichkeit empfinden können, grundsätzlich nicht mit anderen Menschen leben können oder wollen und nun in Urlaub kommen oder auswandern, um die hier lebenden Menschen ausschließlich zu ihrem Vergnügen zu benutzen.

 

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Rudi heiratet – es fehlt nur noch die Frau

Erstellt von Admin am 28. März 2009

- Zwei mal sechs Seiten – von ‘Victor Schluff’ in ‘Treffpunkt Pattaya’ –

Kurzgeschichte von Gad Labudda

 

Es ist inzwischen kaum noch möglich, eine Frau aus Thailand für einige Monate zum Vergnügen nach Deutschland zu holen. Deshalb gibt es immer mehr Männer, die sich aus dem Urlaub irgend eine besonders schöne Frau zum Heiraten mitnehmen wollen. Das ist nicht immer ganz so einfach. Dennoch kann man seine Illusionen erhalten… 

Es war einfach kein Leben, so wie es war. Sechsunddreißig Jahre war Rudi jetzt alt und lebte bei der Großmutter, seit seine Eltern sich vor zwanzig Jahren getrennt hatten. Die bemutterte ihn zwar, aber ein Mann wollte ja auch einmal etwas anderes, als eine Großmutter, auch wenn das Leben mit ihr wesentliche Vorteile brachte. Außerdem drängte sie ihn ja auch selbst ständig und fragte oft, wann er denn nun heiraten würde. Sie hatte sich auch immer von ihrer freundlichsten Seite gezeigt, wenn Rudi einmal mit einer Frau nachhause gekommen war. Aber das war nicht oft gewesen und es war auch seltsamerweise nie dazu gekommen, daß Rudi mit derselben Frau ein zweites Mal kam, obwohl er nie eine Frau weggeschickt hat.

Es lag ganz eindeutig an den Frauen. Die wußten eben das Edle in einem Mann nicht zu schätzen; die Zärtlichkeit, die er geben wollte, die Fürsorge und sein umfangreiches Wissen über das Leben, wie das zu verlaufen hatte und was in der Ökonomie und in der Politik des Landes zu geschehen hatte. Die meisten Frauen, die er kennengelernt hatte, wollten noch nicht einmal verstehen, daß die Frau eben dazu da ist, den Haushalt zu versorgen und Kinder zu kriegen, ein Punkt, in dem sogar seine Großmutter ihn voll unterstützte, und dann gab es sogar welche, die es störte, daß er etwas korpulent war und sein Haarwuchs sich auf den Außenrand seines Kopfes beschränkte. 

So hielten sie sich an Nebensächlichkeiten auf, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren; die Zärtlichkeit und wie sein Zimmer in Ordnung zu halten war, wie sein Essen zuzubereiten war und wie sie sein Leben angenehm zu gestalten hatten, denn schließlich würde er ja der Geldverdiener sein. Aber selbst in dem Punkt gab es Frauen, die das glatt abstritten und als Frau ihre Selbständigkeit behalten wollten, was einfach lächerlich war, denn sein Gehalt als kaufmännischer Angestellter reichte zweifellos für mehr als zwei Personen.

Aber er hatte jetzt genug über Thailand erfahren, um sicher zu sein, daß ihm dort mit den Frauen nicht dasselbe passiert, wie in Deutschland. Dort hatten Frauen noch die Rolle, die ihnen zusteht. Da gab es noch klare Linien, die dafür sorgten, daß es keinen Streit gab, denn es ist ja wohl selbstverständlich, daß immer nur Einer bestimmen kann, ob das nun in der Firma war oder in der Familie, sonst herrschte ja geradezu Anarchie. Und es war ja wohl klar, daß Rudi als Mann der Boss war.

So hatte Rudi schon sein Ticket nach Thailand gebucht und war voller Hoffnungen und freudiger Erwartungen. Er hatte auch nicht vergessen, beim Standesamt ein Ehefähigkeitszeugnis zu holen, hatte ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Verdienstbescheinigung beschafft, denn man wußte ja nicht, was die Behörden in Thailand bei einer Heirat an Papieren haben wollten. Aber wahrscheinlich wären sie froh, wenn über-haupt ein Ausländer kommt, eine Thai mitnimmt und sie ernährt.

Wenn seine Großmutter so gegen neun Uhr abends schlafen ging, saß Rudi da und stellte sich vor, wie seine künftige Frau auszusehen hat und wie er ihr beibringen würde, sich richtig zu verhalten. Denn ihm war schon klar, daß sie aus einem ganz anderen Kulturkreis kam, keine Bildung und keine Erziehung genossen hatte, daß er ihr also vieles zeigen mußte, damit sie sich an ihn anpassen konnte. Und dann stellte er sich vor, wie sie im Bett zu sein hatte und schlief mit sich und der Welt zufrieden ein.

Als Rudi endlich in Pattaya ankam, war er überwältigt von der riesigen Auswahl von Frauen, die sich ihm bot. Es störte ihn etwas, daß er nun bei dieser riesigen Auswahl auf sich selbst angewiesen war. Woher sollte er wissen, ob es auch wirklich die Beste war, wenn er jetzt eine Frau mitnahm. Immerhin hatte er in einem deutschen Restaurant gegessen und war später in einer deutschen Bar gewesen, wo er sich eine Menge Informationen geben ließ, so daß er nicht so ganz hilflos war.

Daß man ihm gesagt hatte, er solle sich das Heiraten aus dem Kopf schlagen, brauchte er ja nicht so ernst zu nehmen, denn Pattaya lebte ja nur von den Frauen und es war klar, daß die Ansässigen nicht wollten, daß man ihnen die schönsten Frauen wegholt, weil das ihren Verdienst schmälert. Er entschloß sich, die Frauen einfach auszuprobieren und wanderte Sodawasser trinkend lange durch die Barlandschaft, bis er eine sah, die weitgehend dem Bild entsprach, das er sich von seiner Frau aufgrund von Illustriertenfotos entwickelt hatte, seit er das Ticket nach Pattaya besaß.

Sie war noch keine zwanzig Jahre alt, sehr schlank, hatte sehr helle Haut, Mandelaugen und lange, schwarze Haare. Er rief sie zu sich, bestellte erst einmal ein Bier. Dann fragte er nach dem Preis für ihre Auslösung und was er für die Nacht zu bezahlen hätte, bezahlte die zweihundert Baht Auslösung und befahl ihr, sich neben ihn zu setzen. Als sie kam, überprüfte er erst einmal, ob ihre Brüste auch echt waren, weil sie ihm für einen derart schlanken Körper unverhältnismäßig groß erschienen. Sicherheitshalber griff er ihr noch einmal in den Ausschnitt und dann legte er zärtlich seinen Arm um ihren Körper. Er merkte sofort, daß es Liebe auf den ersten Blick war, denn auch sie legte ihren Arm um seinen Rücken und war zärtlich. Er empfand es als schade, daß sie weder Deutsch noch Englisch sprach, aber das würde sie dann eben noch lernen müssen. Nach einigen Bieren ging er mit ihr so etwa vier Stunden später ins Hotel.

Als er am nächsten Morgen aufwachte, hingen seine Hemden, seine Unterwäsche und die Socken schon sauber gewaschen auf der Leine, wie es sich gehörte. Aber er war dennoch enttäuscht und schickte sie weg. Bei der gebotenen Auswahl könnte er sicher noch etwas Besseres finden. Denn wenn sie ihn wirklich liebte, dann hätte sie im Bett auch etwas aktiver sein können. Sie hatte alles einfach über sich ergehen lassen, sich selbst aber nicht gerührt und nichts von sich aus unternommen und so hatte er sich die wahre Liebe nicht vorgestellt. Aber schließlich hatte er ja noch Zeit und eine nicht zu bewältigende Auswahl von zur Verfügung stehenden Frauen. Am Abend des nächsten Tages ging Rudi deshalb in eine Go Go-Bar, denn da waren ja die Frauen, die sich dauernd bewegten und sicher mehr Interesse an einer bewegten Nacht hatten und dort konnte er auch den Körper seines Heiratsobjektes von vornherein richtig betrachten, weshalb er wartete, bis die Zeit kam, wo die Frauen ,oben ohne‘ tanzten.

Nach Rudis Meinung waren diese Frauen auch viel interessierter daran, einen Mann zu finden und mit ihm heiße Nächte zu erleben, denn sonst würden sie sich ja nicht ausziehen und auf der Bühne zeigen. Deshalb wären sie sicherlich auch im Bett aktiver. Rudi hatte Glück. Schon in der ersten Go Go-Bar war eine ganze Reihe bildschöner Frauen, wovon ihn auch einige anlächelten, ein sicheres Zeichen, daß sie ihn auch lieben würden. Er müßte sich nur noch entscheiden, welche die geeignetste für sein Leben ist. Als sie so gegen Mitternacht ihre Oberteile fallen ließen, fiel es Rudi auch schon leichter, sich für die geeignetste Lebensgefährtin zu entscheiden. Das war die mit den größten Brüsten.

Er bestellte sich noch eine Flasche Bier und nannte der Bedienung die Nummer seiner Auserwählten, die bald darauf lächelnd erschien. Sie setzte sich sofort neben ihn und sprach ihn in Englisch an. Sie wollte erst einmal einen Ladydrink, aber das gehörte sich wohl so. Dann zahlte Rudi die Auslösung, die hier natürlich teuerer war, als in den normalen Bars. Als Rudi ein Taxi rufen wollte, wies sie darauf hin, daß sie Hunger hat und erst einmal etwas essen will. Aber danach fuhren sie in sein Hotel, wo sie ihm eine herzzerreißende Geschichte erzählte, wie arm sie ist und warum sie in einer Go Go-Bar arbeiten muß. Es störte Rudi etwas, daß sie dauernd von Geld sprach und ihn um Hilfe bat, aber im Bett wurde sie immerhin selbst aktiv.

Am Morgen dauerte es lange, bis Rudi es schaffte, sie wach zu bekommen, doch als sie die Augen aufschlug, stürzte sie sich unter die Dusche und erklärte, sie hätte Hunger und sie müßten etwas essen gehen. Während des Frühstücks erzählte sie Rudi noch einmal die vielen Probleme ihrer Familie und machte ihm klar, daß er unbedingt helfen muß, denn er sei schließlich reich und habe genug Geld übrig, um es ihr zu geben. Als sie von Rudi ihr Geld bekam, machte sie einen ganz traurigen Eindruck und erklärte, daß sie von ihm noch so gerne ein kleines Souvenir hätte, ein Goldkettchen oder so etwas. Rudi ließ sich breitschlagen und kaufte schließlich eine Goldkette, die weitaus mehr kostete, als er veranschlagt hatte, aber es war die einzige, die sie wirklich mochte.

Dafür umarmte und küßte sie ihn auch, als er schließlich einwilligte und bezahlte. Dann wies sie darauf hin, daß es schon Mittag sei und daß sie unbedingt essen gehen müßten, wobei sie ihm dann noch einmal ihre Familienprobleme nahelegte, worauf Rudi es vorzog, sie von seiner Heiratsliste zu streichen, denn er wollte ja keine Probleme heiraten und er hatte eine gewisse Ahnung, daß diese Frau teuer werden könnte. Er erzählte ihr, daß er zur Botschaft muß und erst am Abend wiederkommt, wobei er beschloß, seine Frau in einer anderen Gegend zu suchen, was bei der Auswahl ja nicht schwer war.

Am Abend machte Rudi sich nach bewährtem Muster mit Sodawasser auf die Suche, bis er wieder ein junges Mädchen fand, das seiner Idealvorstellung nahekam. Es hieß Pet und sprach sogar etwas Englisch, was das tiefere Verständnis sehr erleichterte. Wieder durfte sich seine neue Traumfrau nach Überprüfung ihrer körperlichen Qualitäten neben ihn setzen und ging mit ihm ins Hotel. Als sie sich auf seinen Befehl hin auszog, duschte und aufs Bett legte, machte Rudi ihr klar, daß sie nicht nur daliegen, sondern auch selbst etwas aktiv werden sollte. Schließlich wollte er ja nicht mit einer Frau leben, die bewegungslos war und nichts tat.

Am nächsten Morgen war Rudi überzeugt, seine Traumfrau gefunden zu haben. Als er aufwachte, war das Zimmer sauber und seine Sachen gewaschen und in der Nacht hatte sie sich genauso verhalten, wie er es ihr befohlen hatte. Und sie hatte an ihn auch keine Erwartungen gestellt. Das war die perfekte Liebe. Deswegen ging er nach dem Frühstück gleich mit ihr los und kaufte ihr eine hochgeschlossene Bluse und einen langen Rock, denn er wollte nicht, daß fremde Männer seiner Frau in den Ausschnitt oder auf die Beine schauen konnten, nachdem er stundenlang überlegt und beschlossen hatte, daß er sie liebt und heiraten wird. Es war ja wohl selbstverständlich, daß sie darüber glücklich sein mußte. Er kaufte ihr ein Englischbuch und sagte, sie soll sich hinsetzen und Englisch lernen.

Die nächsten zwei Wochen fühlte Rudi sich am Ziel seiner Wünsche. Sein weiteres Leben schien nun gesichert, nachdem er mit Pet zweifellos das ideale Brautpaar darstellte. Sie machte sauber, wusch seine Sachen und tat alles, was er ihr befahl. Er ging mit ihr ins Restaurant, wo sie sich nur einen Teller Reis bestellte und ohne ihn zu unterbrechen zuhörte, wenn er sprach. Setzte er sich nachmittags ans Schwimmbad, so setzte sie sich daneben und lernte Englisch. Sie verursachte keine Kosten und trank höchstens ein Glas Wasser. So war es auch abends in der Bar, bis er sie rief und mit ihr nachhause ging, wo sie ihm eine himmlische Nacht bescherte. Genau so hatte er sich das Eheleben schon immer vorgestellt.

Er schickte sie einkaufen und überprüfte das Wechselgeld. Er ließ absichtlich Geld im Hotelzimmer liegen, um zu überprüfen, ob sie ihn bestehlen würde. Er schickte sie los, um noch eine Bluse und noch einen Rock zu kaufen, wie sie ihm gefielen und sie kaufte die Sachen nach seinem Geschmack und viel preiswerter, als er sie bekommen hätte. Auch als er mit ihr zwei Tagestouren in die Umgebung buchte, zeigte sie sich umsichtig, sparsam und sehr hilfreich. Rudi vergaß auch nicht, sie über Familienprobleme zu befragen und sie erzählte begeistert von ihren Eltern, erwähnte wohl auch, daß sie arm waren, aber sie erwähnte keine Probleme und auch mit den Geschwistern gab es keine Probleme. Als Rudi ihr befahl, sie solle einen Paß beantragen und den Betrag dafür gab, den man ihm an der Bar gesagt hatte, tat sie das ohne Widerworte. Aber sie mußte dafür zwei Tage verreisen, nämlich in ihr Heimatdorf und nach Bangkok.

In dieser Zeit bemerkte Rudi, daß sie ihm wirklich fehlte und daß sie doch schon einen großen Einfluß auf ihn ausübte. Er sprach darüber in einer deutschen Kneipe mit jemand, der gerade neben ihm saß. Als er sagte, daß er die einzig anständige und ehrliche Frau in Pattaya gefunden hat, fing der plötzlich an, lauthals zu lachen. Nachdem Rudi ihm noch mehr von seiner Pet erzählte, meinte der, daß er sich vielleicht besser ein Spielzeugauto und eine Beate Uhse-Puppe kaufen sollte. Aber Rudi merkte sofort, der war nur neidisch, daß er nicht so eine gute Frau hatte.

Als der Mann dann fragte, wie Rudi sich das Leben mit ihr in einer ostdeutschen Kleinstadt vorstellt und wie sie dort leben sollte, sagte Rudi sofort, daß sie ja Deutsch lernen kann und selbst wenn sie keine Arbeit fände, gäbe es keine Probleme, denn sie hätte ja ihn und bekäme immer genug zu essen und das würde ja wohl reichen. Er erzählte noch, daß er eine sichere Stellung und ein gutes Gehalt hat und daß die Frau ihn kaum etwas kostet. Er merkte, daß er den Gesprächspartner voll überzeugt hatte, denn der sagte daraufhin gar nichts mehr.

Als Pet von ihrer Fahrt zurückkam, wollte er sie überraschen und sagte ihr, daß sie jetzt heiraten und daß sie mit ihm nach Deutschland fährt. Pet war tatsächlich sprachlos und Rudi war sich schon sicher, daß sie von seiner Güte überwältigt war und ihm gleich um den Halsw fallen würde. Aber dann fing sie an, laut zu lachen und sagte, daß sie gar nicht heiraten und auch nicht nach Deutschland gehen will. Sie würde sich hier in Pattaya wohlfühlen und wenn sie verreisen will, dann würde sie höchstens in ihr Heimatdorf zu ihren Eltern fahren, aber niemals ins Ausland.

Rudi war tief enttäuscht. Hatte er sie doch die ganze Zeit für eine anständige Frau gehalten und nun mußte er feststellen, daß sie eine richtige Hure war, eine Nutte, die nur mit ihm mitgegangen war, weil sie dafür Geld bekam. Während er noch glaubte, er wäre für sie die Rettung aus ihrem schrecklichen Leben, hatte sie nur gezählt, wieviel Geld er ihr für diese Zeit bezahlt. Und statt sich über den Sprung in ein anständiges Eheleben mit ihm zu freuen, wollte sie an der Bar bleiben.

Rudi war erschüttert. Er war gekommen, um eine Frau zu heiraten. Nun war schon über die Hälfte seines vierwöchigen Urlaubs vergangen und er stand mit leeren Händen da. Zwei Frauen hatten nichts getaugt, doch die dritte war dann die richtige gewesen, in die hatte er sich verliebt, aber die wollte ihn nicht heiraten und sie wollte auch nicht nach Deutschland. Es hatte ihn tief getroffen, daß sie mit ihm nur für Geld mitgegangen war, wo er doch ganz sicher gewesen war, daß sie ihn liebt. Jetzt hatte er kaum noch Zeit, eine Frau kennenzulernen und zu heiraten. Das Schlimmste war, daß er dauernd an Pet dachte, die ihn gar nicht liebte und nicht mit ihm leben wollte.

Rudi ging wieder einmal in die deutsche Kneipe, wo er sich schon einmal Ratschläge geholt hatte. Als jemand Rudi trösten wollte und sagte: „Das sind eben alles Nutten“, begann eine eifrige Diskussion, denn einige der Gäste waren Thailandkenner, die schon drei oder vier Mal nach Pattaya gekommen waren, doch andere lebten hier seit Jahren mit ihren thailändischen Frauen zusammen. Die ganze Diskussion wiederzugeben, würde zu weit führen, doch einige Bemerkungen waren durchaus interessant: „Du dachtest, daß du hier mit ’nem Teller Reis ankommst und daß dafür ein hübsches Mädchen aus heißer Liebe bei dir einen lebenslangen unbezahlten Job als Dienerin mit Nachtschicht annimmt, weil du ihr das Leben gerettet hast. Hier in Thailand verhungert keiner; die brauchen dich gar nicht“, meinte einer gefühllos.

Ein anderer sagte trocken: „Laß dich nicht fertigmachen, Du hast doch nur den Puff mit ‘nem Heiratsinstitut verwechselt“ und ein Dritter erklärte: „Du bist zu spät gekommen; die Sklavenmärkte, wo die großen Leute ihren Bedarf einkauften, wurden schon vor hundert Jahren geschlossen“, wieder ein Anderer, der wohl gar nicht verstanden hatte, worum es ging, erklärte: „Du bist einfach nur zu weich, du mußt die streng an der Kandarre halten, dann parieren die auch.“

Was den Bildungsunterschied betrifft, stimmte man einem zu, der meinte: „Wenn ich intellektuelle Ansprüche habe, dann kaufe ich mir Bücher und suche nicht eine Thai, lesen kann ich auch selbst. Aber ich will auch nicht dauernd nur über Salat und schöne Kleider sprechen. Sie sollte schon zur Schule gegangen sein und wenigstens einmal eine Zeitung, ein Buch oder eine Illustrierte lesen.“ Der Einwurf: „Die meisten Deutschen, die hier leben, können doch selbst kaum lesen und die lesen mit Sicherheit keine Bücher“, wurde mit einem stummen Nicken der Diskussionsteilnehmer quittiert.

Auch das unterschiedliche Alter kam zur Sprache. Als jemand bemerkte: „In Deutschland gibt es eine alte Bauernregel, nach der die Frau sieben Jahre mehr als die Hälfte des Alters des Mannes haben sollte. Wenn er also 50 ist, sollte die Frau 32 sein. Aber das Alter ist gar nicht so wichtig. Viele Frauen lieben einen ruhigen, gesetzten Mann“, fragte einer: „Und was sagst du zu den Männern, die schon 60 oder 70 sind und sich ein Mädchen suchen, das noch keine 20 ist?“ Prompte Antwort: „Das sind entweder gealterte Pädophile oder Männer jenseits von Gut und Böse, die ein hübsches Hausmädchen brauchen.“

Aber das alles half Rudi nicht viel weiter und so brachte er sich wieder in Erinnerung: „Aber was soll ich denn jetzt machen?“ Auch er bekam eine prompte Antwort: „Versuch’ doch erst ’mal, dir nicht selbst etwas vorzumachen. Du kommst doch nicht, weil du eine Frau liebst, die du noch gar nicht kennst. Du willst doch gar nicht mit einer Frau zusammen leben. Du kannst nichts mit dir anfangen und kannst nicht allein sein. Jetzt willst du für ein Taschengeld ein exotisches Kindermädchen kaufen, das dir die Suppe kocht und Dich anschließend auch noch in den Schlaf wiegt.“ Daß einige Gäste Rudi in Schutz nahmen und meinten, mit den Barmädchen kann man sowieso nur ins Bett gehen, erregte nicht nur Widerspruch, es half Rudi auch nicht weiter. So wandte er sich später an einen Mann, der schon seit Jahren mit einer Thai zusammenlebt. Der sollte ihm jetzt sagen, was er machen soll.

Der aber meinte: „Machen brauchst du gar nichts, die machen das schon alles. Du mußt nur zusehen, daß du an eine Frau gerätst, die ruhig und ein bißchen nett ist, auch wenn sie nicht die Schönste ist. Eine Frau, die dezent gekleidet ist, sich etwas zurückhält und freundlich ist. Dann mußt Du auch zu ihr nett sein und sie in Ruhe lassen. Schau ‘mal, Du kommst aus Deutschland und erwartest, daß sich Deine Frau so verhält, wie eine Deutsche, aber deutsche Frauen magst Du nicht und diese Frau ist noch niemals in Deutschland gewesen und kann gar nicht wissen, was Du willst. Du bist hier der Ausländer. Schau Dir doch das Leben hier erst einmal an und laß die Frau so leben, wie sie es gewohnt ist, wenn Du keinen Ärger willst. Du mußt nicht davon ausgehen, daß Du besser bist und alles besser weißt. Es ist klar, daß sie dieses Land viel besser kennt, als Du, und Du mußt verstehen, daß das Leben hier anders ist und daß ihr Beide unterschiedlich seid, einfach anders und daß keiner von euch besser oder größer ist. Und dann solltest Du Dir überlegen, ob sie in einer deutschen Kleinstadt leben kann. Du sagst, Du willst eine Partnerschaft, Du willst eine Frau heiraten, aber Du denkst nur an Dich, an das, was Du willst. Das geht aber nicht lange gut. Du mußt die Frau doch erst einmal kennen, um zu wissen, was sie will, wie sie leben will, und ob Du überhaupt mit ihr leben kannst. Dann kannst Du überlegen, ob sie mit Dir in Deutschland zusammen leben kann und ob sie das auch will.“

Nach einiger Überlegung kam Rudi zu dem Schluß, daß der Mann einfach alt war und resigniert, der hatte keinen Kampfgeist mehr, wollte nur noch seine Ruhe haben und tat wahrscheinlich alles, was seine Frau ihm sagte. Es war ja wohl klar, daß er als Europäer viel besser war und viel mehr Bildung hatte und außerdem war er der Mann, er hatte ja auch das Geld, also hatte er über sie zu bestimmen. Er beschloß, daß ihm keine guten Ratschläge helfen würden, eine Frau nach Deutschland mitzunehmen, zumal ihm ja auch alle nur abrieten, statt zu helfen, die richtige zu finden. Er würde also selbst noch einmal auf die Suche gehen.

So geschah es, daß ein sehr unzufriedener und wider Willen etwas nachdenklicher Rudi sich wieder auf der Suche nach der Frau seines Lebens befand, aber diesmal erschien ihm die Auswahl gar nicht mehr so groß und das viele Sodawasser, das er an mehreren Bars trank, um einen klaren Kopf zu behalten, machte ihm bereits zu schaffen. So war es diesmal wohl eher das zu viel getrunkene Sodawasser, als eine auffallende Schönheit, was ihn in eine Bar zwang. Er sah auch keine Frau, die seinem Schönheitsideal entsprach, andererseits hatte er keine Lust, weiter herumzuwandern und Sodawasser zu trinken. So begnügte er sich damit, nach altem Muster ein Mädchen auszulösen, auch wenn das noch nicht einmal richtig geschminkt war und auch nicht gerade als ausgesprochene Schönheit auffiel. Es war also nicht das, was er brauchte, wenn er in Deutschland ausging oder seinen Kollegen seine Frau vorführen wollte. Sie schien seine negative Stimmung auch zu merken.

Hatte sie ihn vorher noch angelächelt, so saß sie jetzt mit ernstem Gesicht neben ihm, nachdem er sie ausgelöst und erst einmal ihren Körper befühlt hatte. Nun saß er da, hatte den Arm um sie gelegt, die Hand auf ihrem Bauch, aber sie hatte beide Hände vor sich auf der Theke und lächelte nicht mehr und war auch nicht zärtlich zu ihm. Er beschloß, diese Situation zu ändern und ging gleich mit ihr ins Hotel, wo sich ihr Verhalten sicher ändern würde, wenn sie mit ihm erst einmal alleine war. Rudi setzte sich auf den Stuhl in seinem Hotelzimmer und sagte ihr, sie solle sich jetzt erst einmal ausziehen. Dann fragte er, ob sie ihre Zunge auch gut bewegen kann. Zu seiner größten Verblüffung drehte sie sich um und verließ den Raum. Er überlegte sich, ob sie vielleicht an der Rezeption etwas bestellen oder vielleicht etwas holen will. Erst nachdem etwa zehn Minuten verstrichen waren, kam er auf den Gedanken, daß sie gegangen war. Sie hatte ihn einfach sitzen lassen, hatte nicht einmal nach Erlaubnis gefragt und war ohne ein Wort gegangen.

Voller Wut ging Rudi nun in die Bar, wo er sie ausgelöst hatte und verlangte das Geld für die Auslösung zurück. Aber die Mama Sang (von vielen Ausländern Mama San genannt), die für die Mädchen verantwortlich war, erklärte ihm, daß sie ihm kein Geld zurückgeben kann, denn er habe sie schließlich ausgelöst, also das Geld bezahlt, was der Bar verlorengeht, wenn ein Mädchen früher zu arbeiten aufhört, und das Mädchen habe ja auch seinen Arbeitsplatz verlassen und sei mit ihm mitgegangen. Was dann weiter geschieht, geht sie nichts mehr an, denn das Mädchen hat ja den Arbeitsplatz verlassen. Dann fragte sie, ob er dem Mädchen denn Geld gegeben hat oder ob das Mädchen etwas gestohlen hat und wollte schließlich wissen, was vorgefallen war. Als Rudi alles erzählt hatte, erklärte sie, daß sie daran gar nichts ändern kann. Sie wäre nur für die Arbeitszeit in der Bar zuständig. Wenn das Mädchen mit ihm mitgeht und irgendetwas nicht tun will, dann ist das eine Sache zwischen ihm und dem Mädchen. Das hat ja auch nichts versprochen und kein Geld genommen und kann also gehen, aber Rudi könnte sich ja selbst überlegen, warum das Mädchen ihn nicht mag oder warum es weggegangen ist.

Rudi war wütend und meinte, wenn er bezahlt, dann kann er mit dem Mädchen machen, was er will. Die Mama Sang schüttelte mit dem Kopf und erklärte, daß er das mit dem Mädchen ausmachen muß, und zwar am besten, bevor er die Auslösung bezahlt. Wenn er sich mit dem Mädchen über den weiteren Verlauf des Abends einig ist und dann die Auslösung bezahlt, dann gibt es auch keine Probleme. Rudi sah das zwar irgendwie ein, dennoch hielt er es für reinen Nepp. Wo kommen wir denn hin, wenn die Frau bestimmen kann, was er tun darf, das war ja schon fast wie in Deutschland. In diese Bar würde Rudi jedenfalls nicht mehr gehen, aber jetzt wollte er erst einmal seinen Ärger hinunterspülen und dazu ging er an eine Bar, die ein ganzes Stück weiter weg lag.

Nach drei Flaschen Bier beruhigte er sich, aber sein Weltbild war zerstört. Er hatte immer gehört, er kann in Pattaya tun und lassen, was ihm paßt und jetzt hieß es, er muß das mit den Mädchen besprechen. Aus seiner jüngsten Erfahrung sah er aber ein, daß das sicherer war. In der nächsten Bar änderte er deshalb sein Ritual des Kennenlernens seiner Ehefrau. Aber er ärgerte sich enorm, daß es ihm nicht möglich war, in Gegenwart aller Mädchen zu sagen, was er eigentlich wollte. Als er nach einigen Bieren wieder eine passende kindliche Schöne gefunden hatte, fragte er deshalb nur: „You sleep with me?“ bevor er die Auslösesumme bezahlte. Das Mädchen hieß Lek, war lustig und fröhlich und ließ ihn bald seinen Ärger vergessen. Im Hotel versprach es auch, auf seine Wünsche einzugehen, aber es lag wohl an dem vielen Ärger und an den Bieren, daß er sich am nächsten Morgen nicht an den Verlauf der Nacht erinnern konnte.

Lek wurde für die nächsten Tage die fröhliche ständige Begleiterin eines griesgrämigen Rudi, der darum kämpfte, sein Weltbild neu zu ordnen. Auf keinen Fall wollte er etwas aufgeben, aber er sah ein, daß er wohl oder übel einige Konzessionen machen mußte, wenn er nicht allein sein wollte. Seine Absicht, eine Frau aus Thailand mit nachhause zu bringen, hatte er aufgeben müssen, denn dafür würde die Zeit nicht mehr reichen. Außerdem waren die Frauen eben doch nicht so, wie er es gehört hatte. Er hatte geglaubt, daß er irgend eine besonders schöne Frau mitnimmt und die würde dann eben tun, was er befiehlt, damit sie etwas zu essen bekommt, aber das schien noch nicht einmal mehr in Thailand zu funktionieren.

Nun mußte er darum kämpfen, eine Frau zu finden, die so soweit wie möglich seinen Wünschen entgegenkam. Wichtig war dabei nicht, was sie konnte und schon gar nicht, was sie wollte, sondern nur, daß sie möglichst schön war und vor allen Dingen, daß sie ihm absolut gehorchte. Das aber war bei Lek eine sonderbare Sache. Er war ja schon froh, daß sie ihm nicht widersprach und keine Widerworte gab. Wann immer er etwas sagte, antwortete sie: „Yes my darling, I love you too much.“ In Wirklichkeit aber machte sie, was sie wollte. Wenn er sie daran erinnerte, was er gesagt hatte, dann meinte sie: „Oh, I forget, Lek always forget.“ Aber sie tat auch dann nicht, was er wollte, sie tat es „later“, das war, bis er sie wieder daran erinnerte und sie wieder sagte: „Oh, Lek forget.“

Aber sie war ausgesprochen schön und im Bett war sie so, wie er es sich erträumt hatte und es gab mit ihr nie Streit und sie war immer fröhlich. Er war sich gar nicht sicher, eine bessere Frau zu finden, wenn er jetzt eine suchen würde. Vielleicht war es das Beste, sich Lek warmzuhalten und bei Gelegenheit eine andere zu suchen. Wenn er eine bessere Frau gefunden hatte, dann konnte er Lek ja immer noch wegschicken, aber er wollte erst einmal eine bessere haben. Er würde jetzt eben ohne Frau nach Deutschland zurückfahren, aber er würde versuchen, in einem halben Jahr wiederzukommen. Dann könnte er versuchen, eine bessere Frau zu finden und dann könnte er auch entscheiden, ob er Lek mit nach Deutschland nimmt, aber davon wollte er ihr noch nichts sagen.

So rückte der Tag der Abreise immer näher und Rudi tat sich schwer, zu einem Entschluß zu kommen. Endlich sprach er mit Lek und erklärte ihr, er würde bald wiederkommen, aber er wollte nicht, daß sie weiter in der Bar arbeitet. Wenn sie sich eine andere Arbeit sucht, dann würde er ihr jeden Monat einen Scheck schicken, damit sie finanziell zurechtkommt, auch wenn sie nicht in der Bar arbeitet. Dann fiel ihm ein, daß es sicher besser ist, wenn sie in der Zeit seiner Abwesenheit Deutsch lernt und er bezahlte ihr einen Sprachkursus und gab ihr noch Geld für ein eigenes Zimmer. Dann fuhr er ab und freute sich auf den nächsten Urlaub, in dem er Lek ganz bestimmt in ihrem Zimmer auf ihn wartend antreffen wird, weil er ihr ja Geld schickt – was braucht eine Frau denn sonst noch zum Leben? Und dann kann er entscheiden, ob er sie nach Deutschland mitnimmt.

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Die reservierte Urlaubsfrau

Erstellt von Admin am 27. März 2009

- 6 Seiten –  (‘Victor Schluff’ in ‘Schnipselbuch)

- Richard findet eine Frau, die fast ideal ist. Deshalb will er sie für seinen jährlichen Urlaub reservieren. Er schickt regelmäßig Geld und trifft sie tatsächlich auf ihn wartend. Die Sache hat nur einen kleinen Haken, aber das kann Richard ja nicht wissen –

Kurzgeschichte von Gad Labudda

 

Eine größere Anzahl von Männern kommen in Pattaya nicht von dem Gedanken los, daß sie sich unbedingt eine junge Frau reservieren müssen, die abgeschieden von der Welt darauf wartet, daß ihr geliebter Farang sie jedes Jahr ein- oder zweimal besucht. Doch gegen entsprechende Unterstützung wird in Thailand jede Illusion umgehend erfüllt.

Pa und Pen hätten eigentlich ein besonders kräftiger Junge werden sollen. Zumindest hatten die Dorfbewohner das vorausgesagt, nachdem die Mutter schon im siebenten Monat ihrer Schwangerschaft einen stark gewölbten Bauch zeigte und ihr Mann sehr groß und kräftig gebaut war. Man prophezeite dem Ungeborenen eine große Zukunft. Doch dann erschienen zur Verblüffung des ganzen Dorfes die zwei Schwestern. Es muß für die Eltern ein großer Schock gewesen sein, denn sie legten vor der Produktion einiger Nachzügler eine zehnjährige Pause ein, obwohl sie etwas spät geheiratet hatten und schon nicht mehr die Jüngsten waren.

Pa und Pen waren sich zum Verwechseln ähnlich, sie wuchsen gemeinsam auf, gingen gemeinsam zu Schule und verließen diese gemeinsam im zarten Alter von zwölf Jahren. Dann warteten sie gemeinsam auf die Möglichkeit irgendeiner Tätigkeit. Währenddessen kamen noch drei kleine Geschwister hinzu. Das war wohl der Grund, daß die Eltern überzeugt waren, daß sie eine der Schwestern brauchten, damit sie sich um die Geschwister kümmern konnte. Diese Aufgabe sollte Pen beibehalten, während sie Pa hiervon befreiten und mit einem jungen Mann aus einem Nachbardorf vermählten, als sie siebzehn Jahre alt wurde. Es verlief alles wunschgemäß, auch die Geburt des ersten Enkelkindes war vorausgesehen und gewünscht worden. Irritierend war dagegen, daß auch Pen fast zeitgleich ein Kind erwartete, obwohl sie doch nachweislich gar nicht geheiratet, sondern nur an der Hochzeit teilgenommen hatte.

Irritierend war auch, daß Pas Ehemann nach scheinbarem Einvernehmen bei der Hochzeit doch bald viele heftige Auseinandersetzungen mit ihr erlebte und nach einer recht kritischen und heftigen Zeit mit seiner jungen, schwangeren Frau unvermutet spurlos verschwand, nachdem er noch kurz zuvor geschworen hatte, daß er nur mit seiner Frau im Bett gewesen wäre, wozu die Schwestern sich nicht weiter äußerten.

Doch die Eltern waren sehr pragmatisch und erkannten spontan die Nützlichkeit der von den Schwestern an den Tag gelegten Fähigkeiten. Deshalb entschieden sie, daß zwei Töchter mit zwei Kindern unbedingt einen Ernährer benötigten, nachdem ihnen gerade einer entlaufen war. Am zweckmäßigsten erschien es deshalb, daß Pen einen Ernährer suchte oder notfalls selbst etwas unternahm, um zur Versorgung ihrer Familie und insbesondere ihres Kindes beizutragen.

Da Pattaya sich im Verlaufe langer Jahre  einen guten Ruf als Urlaubsressort für einzelne sowie besonders ruhebedürftige Personen erworben hatte, konnte kein besserer Ort für Pens neue Erwerbstätigkeit gefunden werden. Während ihrer Einarbeitungszeit wurde sie denn auch weitgehend in Ruhe gelassen, wobei sie nur die tobenden Lautsprecheranlagen der Bar als etwas störend empfand. Doch es war der Formschönheit der gerade achtzehn Jahre alt gewordenen Pen, ihrer hohen Eigenaktivität als auch ihrem sehr thailändischen Lächeln zuzurechnen, daß sie bald viele Ruhelager und anschließend auch viele Ruhebedürftige kennenlernen konnte. Deshalb konnte sie ihrer Familie regelmäßig eine ausreichende Unterstützung zuschicken, was diese ungemein beruhigte und keine Sorgen über das Befinden der jungen Mutter aufkommen ließ.

Je mehr Erfahrungen Pen in ihrer Tätigkeit sammelte und je besser ihre Englischkenntnisse wurden, desto häufiger fand sie auch Kunden, die mit ihr mehrere Tage oder ihren ganzen Urlaub verbringen wollten und auch jene Leute, die sie sich gleich ganz reservieren wollten. Diese Menschen treffen ein Mädchen im Alter von vielleicht achtzehn oder zwanzig Jahren, das sie für hübsch und sexuell brauchbar halten und sind fest überzeugt, daß dieses Mädchen sich in Zukunft in sein Zimmer einschließt und ein Jahr lang darauf wartet, daß ihr sie heiß liebender Farang mit ihr ins Bett geht. Dafür sollen sie dann jeden Monat ein paar tausend Baht bekommen, damit sie genug zu essen haben und nicht Hunger leiden, während sie auf ihren Farang warten.

Der Gedanke, daß ein Mädchen hier in Pattaya von zwei- bis dreitausend Baht monatlich leben kann und sich einschließen will, ist völlig absurd. Die Farang, die solch einen Vorschlag unterbreiten, reden sich tatsächlich ein, daß sie ein gutes Werk vollbringen, indem sie ein Mädchen aus einem schrecklichen Leben mit der Sünde befreien. Daß dieses Mädchen keine andere Arbeit finden kann, ist bekannt. Und nun glauben diese Farang, daß das Mädchen glücklich ist, weil es nicht zu arbeiten braucht und monatelang alleine in einem Zimmer sitzen darf, bis sein großherziger Gönner kommt, um mit ihm zwei oder drei Wochen lang ins Bett zu gehen. Die Großherzigkeit zeigt sich darin, daß diese Leute sogar bereit sind, dem Mädchen für seinen monatlichen Lebensunterhalt in Pattaya so viel Geld zu geben, wie sie selbst in Pattaya an einem oder zwei Tagen für ihr Vergnügen ausgeben, die Reisekosten nicht mitgerechnet.

Es ist aber wohl denkbar, daß ein Mädchen, das zuhause ein gesundes Familienleben und vielleicht ein oder zwei Kinder hat und tatsächlich nur nach Pattaya gekommen ist, um seine Familie zu unterstützen, lieber bei der Familie im Dorf als in Pattaya lebt, wenn es vier- oder fünftausend Baht im Monat erhält. Für ein Leben mit einer Familie in einem Dorf ist das viel Geld, nicht aber für einen einzelnen Menschen in Pattaya.

Üblich ist es aber, daß viele Mädchen ganz begeistert auf den Farang eingehen, wenn der sagt, es soll sich eine andere Arbeit suchen, er zahlt dann jeden Monat zwei- oder dreitausend Baht dazu, wenn es ein anständiges Leben jenseits der Sünde als auch anderer Männer führt und nie wieder mit einem anderen Mann ins Bett geht, sondern nur noch mit ihm, und darauf wartet, daß er im nächsten Jahr wiederkommt. Wenn die Mädchen zwei oder drei solcher Leute beisammen haben, kann das als eine willkommene Unterstützung der Familie bezeichnet werden und das Mädchen wird sich auch ernsthaft bemühen, sich für den Farang Zeit zu nehmen, wenn er denn tatsächlich im nächsten Jahr wiederkommt.

Pen hatte bisher nur zwei solcher Leute, die ihr im Monat zwei- bzw. dreitausend Baht schickten, damit sie ein Jahr auf sie wartet. Dieses Geld hatte ihr auch geholfen, zum ersten Geburtstag ihrer Tochter für einige Tage nachhause zu fahren. Bei dieser Gelegenheit hatten die Schwestern eine lange Unterhaltung über das Leben in Pattaya, bei dem man viel freier lebt und viel besser verdient, als im Dorf. Pen wollte viel lieber mit ihrer Schwester in Pattaya zusammenarbeiten und hoffte währenddessen, eine andere Lösung für die Unterbringung der Kinder zu finden.

Doch hier zeigte sich, daß die Schwestern, so identisch sie auch aussahen, doch unterschiedliche Meinungen hatten. Zwar hatte Pa keine Angst vor Männern, doch sie hatte Angst davor, alleine in einer Stadt zu leben. Im Dorf hatte sie ihre Familie, die Nachbarn, einige ehemalige Schulfreundinnen und die zwei Kleinkinder, zu denen sie noch ein weiteres zur Pflege angenommen hatte. Hier war sie beschäftigt und hatte ihre Gesellschaft, während sie in einer Stadt keinen Menschen kannte und sich bestimmt nicht zurechtfinden konnte. Pa wollte nicht nach Pattaya gehen. Sie sah aber ein, daß sie nicht erwarten konnte, von Pen ernährt und versorgt zu werden. Deshalb erklärte sie sich bereit, sich auch um Farang zu kümmern, wenn Pen einen hätte und wenn jemand da wäre, der sich um die drei Kleinkinder und die jüngeren Geschwister kümmerte.

Es dauerte nicht lange, bis Pen da auch schon einige Ideen hatte und sie nahm ihr das Versprechen ab, Englisch zu lernen, wenn sie ihr einen Cassettenkursus zum Erlernen dieser Sprache schickte. Das erledigte sie sofort, als sie nach Pattaya zurückkam und wartete auf den geeigneten Farang, der sich eine hübsche Urlaubsfrau gegen eine regelmäßige monatliche Unterstützung reservieren wollte.

In den folgenden Monaten hatte sie den normalen Kundenverkehr; Ausländer, die ein kurzes Abenteuer suchten, Geschäftsreisende, die sich von ihren Geschäften mit einer hübschen Begleiterin erholen wollten und Urlauber, die noch eine oder zwei Wochen weibliche Gesellschaft wünschten. Dann endlich kam Richard, der das erste Mal in Thailand war und noch seinen ganzen Urlaub vor sich hatte. Er befand sich gerade auf einer Geschäftsreise in Abu Dhabi, hatte er seiner Frau gesagt, worauf diese ihm das Flugticket buchte und ihn bedenkenlos ziehen ließ. Doch Richard flog nach einem kurzen Geschäftsgespräch in Abu Dhabi gleich am nächsten Morgen weiter nach Thailand. Das Leben mit seiner Frau war sehr unterkühlt und gar nicht erbaulich, doch war er von ihr abhängig, da ihr die Firma gehörte, in der er arbeitete und sehr gut verdiente. So war es kein Wunder, daß er nur eine einzige Nacht brauchte, um sich in die viel jüngere, schönere und anschmiegsame Pen zu verlieben, die ihm auch nach wenigen Stunden prompt gestand: „I love you too much!“

Nur wenige Tage dauerte es, bis Richard sich im siebten Himmel befand und überzeugt war, daß er sich dieses Glück erhalten mußte. Den anfänglich aufkommenden Gedanken, sich von seiner Frau zu trennen, wies er allerdings aufgrund ökonomischer Erwägungen weit von sich. Doch er bemühte sich um eine praktikable Lösung. Auf keinen Fall konnte er zulassen, daß irgendein Mann ihm seine Pen wegnahm und womöglich noch heiratete, wo er sie doch so liebte und sie mit einem anderen Mann sehr unglücklich sein mußte. Unerträglich war ihm auch der Gedanke, daß ein anderer Mann sie auslösen und mit ihr ins Bett gehen könnte.

Er hielt es für sehr geschickt und umsichtig, Pen zu fragen, warum sie an einer Bar arbeitet und fand umgehend eine Lösung aller Probleme, als sie ihm versicherte, daß sie dazu gezwungen ist, weil ihre Eltern so arm sind und sie Geld verdienen muß, damit ihre Eltern etwas zu essen haben. Wenn sie eine andere Arbeit verrichten könnte, würde sie selbstverständlich etwas anderes tun. Da sie aber nichts gelernt hat, würde das Geld, das sie verdienen kann, nur sehr knapp für ihren eigenen Lebensunterhalt, aber auf keinen Fall für die Eltern reichen. Nun wollte Richard wissen, ob sie lieber in Pattaya oder in ihrem Heimatdorf lebt, worauf sie ihm versicherte, daß sie viel lieber mit ihrer Familie in ihrer Heimat leben würde, als hier in einer fremden Stadt, die sehr teuer und voller Lärm ist, wo sie keinen Menschen kennt. Das hatte ihre Schwester einmal gesagt und es hatte sich sehr überzeugend angehört.

Nun brachte Richard seinen völlig neuen Gedanken hervor und fragte Pen, ob sie denn nicht lieber mit ihrer Familie in ihrem Heimatdorf leben würde, wenn er sie unterstützt, damit sie nicht in einer Bar arbeiten muß. Er versprach ihr sogar, daß sie ihn dann nicht verliert, weil er sie zwei- bis dreimal im Jahr besuchen würde, damit sie mit ihm zusammensein könnte und nicht so einsam ist. Pen zeigte sich hoch erfreut und sagte ihm: „I love you too much.“ Richard versprach ihr eine monatliche Unterstützung von zweihundert Euro, etwa zehntausend Baht. Pen war begeistert, weil dies eine Summe war, die im Dorf bereits einen außerordentlichen Wohlstand garantierte und sagte ihm, daß sie so glücklich wäre, wenn sie im Dorf mit ihrer Familie leben könnte und er sie besuchen kommt.

Als Richards Urlaub zu Ende ging, gab er ihr das Geld für die ersten drei Monate und bezahlte die Kosten für den Umzug ins Dorf. Um ja nicht übervorteilt zu werden, hatte er sich von Pen ihre Heimatanschrift geben lassen und nachgefragt, was ein Lastwagentransport nach Ubon kostet. Dem Farang sagte man natürlich, man gäbe ihm einen Sonderpreis von zwölftausend Baht, was weit überhöht, also nicht gelogen war. Pen wunderte sich zwar, warum sie für ihre zwei Plastiktüten und die Schlafmatte einen Lastwagen brauchen sollte, befand das Geld aber für ausreichend. Im letzten Moment des Abschieds gab er ihr auch noch seine restlichen Scheine thailändischer Baht und versprach, so bald wie möglich in ihr Dorf zu kommen. Pen meinte, das sei für einen Ausländer schwer zu finden und sie vereinbarten, daß er ihr vorher schreibt und sie würde ihn dann von einem Hotel in Ubon abholen.

Pen hatte nun viel Arbeit, denn sie mußte Pa ganz genau aufschreiben, was sie mit Richard erlebt hatte, worüber sie gesprochen hatten, wie er seinen Kaffee trank, welches Essen, welche Getränke er bevorzugte, wie er am liebsten schlief und welche anderen Gewohnheiten er hatte.

Tatsächlich dauerte es nur fünf Monate, bis Richard sich meldete und nach Ubon fuhr. Als Pa ihn vom Hotel abholte, umarmte er sie in alter Liebe und war glücklich, seine Pen wiederzusehen. Als sie ins Dorf kamen, sah er sofort, daß sie die ganze Zeit mit ihrer Familie und den Kindern verbracht hatte, zog es aber vor, die Zeit mit ihr in Pattaya zu verbringen, weshalb Pen dringend die Bar wechseln mußte, damit er ihr nicht begegnete. Als er Pa sagte, sie hätte sich verändert, erklärte sie, daß sie krank gewesen sei und noch nicht wieder ganz gesund ist, und daß sie in ihrem ruhigen Dorf ein ganz anderes Leben hat, was er voll verstand. Er freute sich, daß sie sich daran erinnerte, daß er Singha Bier ohne Schaum wollte, Kaffee ohne Zucker trank und zum Schlafen zwei Kopfkissen haben wollte. Er gestand ihr, daß er sich schon gleich am ersten Tag in sie verliebt habe, weil sie so einmalig und so ganz anders sei, als alle anderen Frauen und Ta sagte ihm: „I love you too much.“

 

 

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Ein Club von Mauerblümchen in den Bars

Erstellt von Admin am 27. März 2009

- ‘Victor Schluff’ in ‘Treffpunkt Pattaya’ -

In manchen Bars finden sich Frauen, die wirklich mit niemand mitgehen. Sie haben ihre Gründe, aber auch sie können hier leben –

Kurzgeschichte von Gad Labudda

 

Man sollte nicht glauben, daß es in Pattaya noch Mauerblümchen gibt. Bei dem regen Verkehr, der hier herrscht, erwartet man, daß diese Gattung in den Straßen der Stadt zumindest genau so selten anzutreffen ist, wie etwa Löwenzahn oder ,Rühr-mich-nicht-an‘. Auch Pa, die aus Ubon kommt, hätte nie geglaubt, daß es hier Mauerblümchen gäbe – und nun war sie eins.

Sie hatte eine hübsche Figur, war hochgewachsen und schlank, hatte helle Haut, eine lange, gerade Nase und dunkelbraune Haare. Ja, ihr Vater war ein Farang, aber ihre Mutter hat nie viel von ihm erzählt. Ihre Mutter hat früher lange in Pattaya gelebt, bis sie nach Ubon zurückgekehrt ist, wo sie sich im Dorf ihrer Großmutter neben deren großem Holzhaus ein eigenes kleines Steinhaus gebaut hat, das der Stolz des Dorfes wurde, denn es war wesentlich besser und vor allen Dingen auch teurer als das große Holzhaus des Kamnan, des Dorfvorstehers.

Früher hat Pa in dem großen Holzhaus zusammen mit der Großmutter gelebt. Von dort ist sie dann auch zur Schule gegangen und nach der Schule ist sie noch ein paar Jahre dort geblieben hat tatenlos herumgesessen und auf Wunder gewartet, bis der Großvater einen jungen Mann aus Ubon geholt hat, den sie heiraten mußte. Nach der Hochzeit ist sie von zuhause weggezogen und hat drei Jahre mit dem jungen Mann gelebt. Nein, eigentlich hätte die Mutter das schöne neue Haus nicht bauen müssen, meint Pa, denn jetzt vor knapp einem Jahr ist die Großmutter gestorben und das große Holzhaus steht ganz leer.

Die Mutter hatte daran gedacht, das Haus der Großmutter zu vermieten, aber es gab auch noch viele andere leerstehende Häuser und niemand wollte dort ein Haus mieten. Die Bewohner zogen in die Städte. Pa sinnierte, wenn die Mutter das Steinhaus nicht gebaut hätte, dann hätte sie jetzt sicherlich mit der Mutter glücklich in dem großen Holzhaus leben können. Aber nun hatte die Mutter das ganze schöne Geld, das sie verdient hatte, für das neue Steinhaus ausgegeben und es war nicht mehr genug übrig, daß sie dort ohne große Kosten und Probleme mit ihrer Mutter leben konnte.

Pa war drei Jahre verheiratet gewesen und hatte eine kleine Tochter, die jetzt bei der Mutter lebte. Während der drei Jahre hatte Pa mit ihrem Mann am Rande der Stadt Ubon gelebt. Als ihr Mann eines Tages seine Arbeitsstelle verloren hatte, ging er nach Bangkok und hat sich seitdem noch nicht wieder gemeldet, seit gut anderthalb Jahren. Pa hatte noch eine Weile gewartet und sich Geld von der Mutter geliehen, bis die gemeint hatte, es sei billiger, wenn sie mit ihrer kleinen Tochter zur Mutter käme. Nach einemweiteren Jahr ohne Arbeit und ohne Einnahmen hatte die Mutter dann gemeint, daß Pa wohl nichts anderes übrig bleibt, als auch nach Pattaya zu gehen und dort ihr Leben zu verdienen, wie die Mutter es früher getan hat, denn sie hätte nicht mehr soviel Geld, als daß Pa fortwährend mit ihrer Tochter bei ihr leben konnte, ohne selbst Geld zu verdienen.

Pa hatte dann von der Mutter sehr viele gute Ratschläge, dafür aber recht wenig Geld bekommen und war daraufhin nach Pattaya gefahren, wo sie schon ein halbes Jahr an einer Bar gearbeitet hatte, die aber schließen mußte, weil keine Gäste kamen. Nun war Pa schon seit fünf Monaten in einer gutgehenden Bar an der Second Road, aber bisher war sie trotz des guten Betriebs erstaunlicherweise immer noch nicht ausgelöst worden.

Wenn ich angedeutet habe, Pa war dekorativ, so habe ich damit wohl auch die meisten ihrer Charaktereigenschaften ausführlich beschrieben. Pa stand meistens halb verdeckt hinter der Kühltruhe mit den Getränken und sah freundlich lächelnd dem Betrieb zu, womit sie sich so geschickt verhielt, wie die sympathischen Beamten, die auf ihrer Arbeitsstelle nur wenig stören, indem sie freundlich lächelnd auf Geld warten. Nur wenn die Chefin nicht da war, dann saß, hing oder lag Pa in der hintersten Ecke der Bar, wo man nur noch einige Quadratzentimeter ihre Körpers erblicken konnte. Eines Tages fragte eine Kollegin nach ihren Erfahrungen. Nein, mit den Getränken kannte sie sich nicht aus, meinte sie, sie sei noch neu hier. Nur Bier, das könnte sie schon bringen, aber die anderen Getränke kennt sie nicht. Auf die Frage: „Und die Farang?“ Die Farang stören sie nicht, beteuert Pa, die wären manchmal ganz lustig.

Lek geht gerade an ihr vorbei und hört die letzten Worte. Lek ist wirklich klein, dafür aber sehr rundlich und sie gehört auch schon zu den Auslaufmodellen. Mit ihrer Knollennase, einem fleckigen Gesicht und den Haaren, die sie sich offensichtlich regelmäßig von einigen Mäusen an der Bar trimmen läßt, gehört sie nicht zu den Schönheiten der Bar, aber Lek ist eine allgemein beliebte Ulknudel. Auch sie gehört zum Club der Mauerblümchen. Wahrscheinlich kommt das daher, daß kein Farang sie wollte und jetzt rächt sie sich und sagt, daß sie keine Farang will. Sie kümmert sich um die Gläser, kennt sich mit allen Getränken und allen Tricks aus und ist in krassem Gegensatz zu Pa dauernd in Bewegung.

Als sie an Pa vorbeihuscht, die zwar sagt, die Farang wären ganz lustig, selbst aber dauernd hinter der Kühltruhe Verstecken spielt, meint Lek zu ihr, die Farang könnten noch viel lustiger werden, wenn sie sich einmal dazu aufraffen könnte, ihren Hintern aus dem Eiskasten zu nehmen und zu den Farang hinüberzugehen. Doch das ist für Pa kein Argument: „Dann gucken die wieder so komisch und sagen irgend etwas, was ich doch nicht verstehe und dann wird es langweilig und dann komme ich doch wieder hierher zurück, da kann ich auch gleich hier stehen bleiben.“

Nein, Englisch hat sie noch nicht gelernt, aber das liegt nur daran, daß ja keiner mit ihr Englisch spricht und außerdem hat sie nicht genug Geld für einen Englischlehrer. Deswegen braucht sie auch nicht mit den Farang zu sprechen, weil sie die ja doch nicht versteht und die Farang, die sprechen ja auch alle kein Thai. Auf die indezente Frage, was sie wohl glaubt, warum kein Farang sie mitnimmt, meint sie überzeugt, daß sie das nicht weiß, vielleicht wäre sie nicht hübsch genug, oder die Farang hätten eben einen anderen Geschmack oder sonstwas. Lek huscht wieder vorbei und meint, Pa wäre schon gut, man müßte sie nur einmal in Bewegung bringen. Aber Pa will davon nichts wissen. Statt dessen erzählt sie, daß Lek überhaupt nicht mitreden darf, weil Lek schon weit über vierzig Jahre alt und erst mit dreißig Jahren aus ihrem Dorf im Isan hervorgekrochen ist und bisher weder ein Kind noch einen Farang gehabt hätte und sie würde wetten, daß Lek nicht einmal weiß, was sie machen müßte, um ein Kind zu haben.

Voller Dankbarkeit für diese Worte gießt ihr Lek einen halben Kübel mit Eiswürfeln und kaltem Wasser in den Rückenausschnitt ihres Kleides, worauf Pa mit einem spitzen Schrei hinter der Kühltruhe hervorprescht und ihre attraktive Vorderfront weit nach vorne streckt, um den Eiswürfeln zu entgehen. Sofort ertönt lautes Gelächter und Pa erntet diverse anerkennende Bemerkungen über ihr Aussehen von den Farang, von denen auch sofort einer meint, sie solle doch mal etwas nach vorne kommen. Aber Pa denkt nicht ans Geschäft und schon gar nicht an männliche Gesellschaft, sie sinnt vielmehr auf Rache, nimmt einen Eiswürfel und geht auf Lek zu.

Die aber nimmt ihr den Eiswürfel blitzschnell ab, steckt ihn in den Mund und meint: „Gut, kannst mir gleich noch einen bringen.“ Gelächter, aber Pa lacht mit. Sie will sich in ihre neutrale Ecke ganz nach hinten verziehen, aber da liegt inzwischen Ao in süßem Schlummer. Ao war mit einem Farang auf Ko Samet gewesen und erst kurz vor sechs Uhr zurückgekommen. Sie hat sich dann nur geduscht und hat überhaupt nicht geschlafen, klar daß sie Mitleid verdient sowie als auch den Schlummerplatz. Pa kommt also wieder zurück und hält die Kühltruhe fest.

Auf die Frage, ob sie Angst vor den Farang hat, schüttelt sie mit dem Kopf und meint, die wollten auch nichts anderes, als was ihr Mann gewollt hätte, aber die Farang kennt sie ja nicht, sie wäre vielleicht ein etwas langsamer Typ und müßte jemand erst etwas kennenlernen, bevor sie mit ihm ins Bett geht. Auf Leks Frage, wie lange es wohl dauert, bis sie hinter der Kühltruhe einen Farang näher kennenlernt und ob sie ihr vielleicht besser einen hübschen Farang dort vorbeischicken soll, wehrt sie erschrocken ab. Zu erschrocken, als daß man nicht auf den Gedanken kommen müßte, daß sie gar nicht so gerne etwas mit einem Farang zu tun hat, was sie nur nicht zugeben will. Auf die Frage, wie sie mit ihrem Gehalt auskommt, wenn sie kein Geld bei den Farang verdient, meint sie ohne rechte Begeisterung, na ja, sie hätte ja immer noch den Monatslohn und dann käme noch der Tip dazu, den manche Farang geben. Der käme immer in einen Topf und wird gleichmäßig auf alle Mädchen verteilt. Und dann würde sie sich ja auch nach der Arbeit nebenher noch etwas Geld verdienen.

Sie lebt mit Lek und zwei weiteren Mädchen zusammen, die auch noch nicht mit einem Farang mitgegangen sind. Sie waschen und bügeln nebenher Wäsche von Ausländern, die in kleineren Apartments und Pensionen in der Nähe leben und dann gibt es noch verschiedene alleinstehende Männer, die ihnen ihre Wäsche bringen, bei denen sie hin und wieder auch saubermachen und sie gehen für diese Leute auch einkaufen, meistens zu Foodland, außerdem bekommen sie auch von einigen Frauen, die mit Farang leben, die Wäsche zum Waschen. Nebenher nehmen sie auch stundenweise oder tageweise Kinder auf. Weil die beiden Mädchen, mit denen sie zusammenleben, nur tagsüber arbeiten, ist praktisch immer jemand im Haus, so daß sie nicht nur am Nachmittag auf Kinder aufpassen, sondern auch Kinder aufnehmen könnten, wenn die Eltern kurz verreisen.

Alles zusammengerechnet reicht es schon zum Leben. Es bleibt zwar nie etwas übrig und manchmal müssen sie auch zu Fuß nachhause gehen, statt mit dem Motorradtaxi zu fahren, aber das halten sie nicht für so schlimm, als daß sie etwas tun müßten, wenn sie es gar nicht wollen. Um ja nicht richtig verstanden zu werden, erklärt Pa das näher und meint, wenn also ein Farang einmal total betrunken wäre, dann brauchte sie nicht unbedingt mit ihm mitözugehen, weil sie immer genug zum Essen hat und ihrer Mutter nicht soviel Geld für den Unterhalt der kleinen Tochter schicken muß, wenn sie gerade nicht so viel hat. Ihren Freundinnen hat sie allerdings einmal erzählt, daß die nächtlichen ,Vergnügungen‘ mit ihrem Mann der schlimmste Teil ihrer Ehe gewesen war und daß sie da sehr viele negative und schmerzhafte Erlebnisse gehabt hat, die sie nicht vergessen kann. Nun nimmt sie wohl an, daß diese nächtlichen Gemeinsamkeiten immer negativ und schmerzhaft sind und verzichtet darauf.

Während bis jetzt alle Mädchen mit einem Farang beschäftigt waren, sei’s zur Unterhaltung, sei’s um mit ihm eines der üblichen Spiele zu spielen, kommt nun ein Farang im Alter von etwa fünfzig Jahren, der alleine dasitzt. Pa kann sich offensichtlich nicht dazu aufringen, zu ihm zu gehen, also kommt Lek von der Spüle her an Ao vorbei, klatscht ihr kräftig auf den Hintern, geht zu dem neuen Kunden und fragt, was er trinken möchte. Dann drückt sie Ao ein Glas Black Label mit Soda in die Hand, das diese dem Kunden bringt. So verschlafen wie sie ist, reichen die fünf Schritte und das Bewußtsein, daß der Farang Black Label trinkt, also vermutlich ein Neuer ist, der Geld hat, um sie ausgesprochen munter zu machen, denn schließlich ist sie müde und möchte bald schlafen gehen, aus welchem Grund sie sich schon einmal den zweitobersten Knopf ihrer Bluse aufknöpft, damit der Farang auch gut erkennen kann, ob er nicht vielleicht auch bald schlafen gehen möchte und nur die passende Begleitung sucht.

Inzwischen kommt ein kleines, knubbeliges Mädchen mit dreißig Zentimeter hohen Gerüstschuhen und einem Haarschnitt, der eine exakte Kopie von Leks Haarkunst zu sein scheint, bekleidet mit einem bunten Kinderpullover und einem schwarz-weiß gestreiften fußlangen Rock, der ihre fußballähnliche Kapitalsanlage an der Körpermitte sehr gut zur Geltung bringt und spricht mit Lek, als wäre sie zuvor als Flaggenkadett auf einem Kriegsschiff gewesen. Doch Lek schaut nicht einmal hin und versteht sie dennoch, kommt später zu Pa und erklärt ihr, daß sie nach der Arbeit an zwei Pensionen Wäsche abholen muß. Lek selbst muß die Wäsche von einem Farang abholen, die sofort gewaschen werden muß, weil der Mann schon gegen Mitternacht von Bangkok aus nachhause fliegt und vorher noch unbedingt seine Wäsche einpacken und mitnehmen will. Lek strahlt und erklärt, das wäre immer gut, weil Farang, die abreisen, immer etwas übrig haben, was sie nicht mitnehmen können. Entweder etwas, was man essen kann oder manchmal sogar etwas, was man verkaufen kann und meistens freuen sich die Farang über die pünktliche Wäsche so, daß sie auch noch das übriggebliebene Kleingeld als Tip geben.

Lek bestätigt meine Vermutung, daß die in Streifen gewickelte Dame eine der Zimmerkolleginnen ist, die auch nicht mit Farang mitgehen. Lek nickt mit dem Kopf, kommt etwas näher und sagt ganz leise: „Thong kommt aus Mukdahan, aus einem ganz armen Dorf. Mit sechzehn ist sie nach Bangkok gegangen, um Geld zu verdienen. Nach zwei Tagen Arbeitssuche ist sie von fünf Männern vergewaltigt worden und lag zwei Monate im Krankenhaus. Sie will nicht mehr mit Männern gehen, ist aber sonst ein sehr guter Mensch, eine echte Freundin.“

Als ich mein Glas für eine Nachfüllung vorschiebe, verabschiedet sich Ao, die inzwischen auch den dritten Knopf ihrer Bluse geöffnet hat, mit einem Wai und strahlendem Lächeln, das verrät, daß die Nachtruhe und die Ernährung der nächsten Woche gesichert sind.

Mit einer knappen Geste und einem Grinsen deute ich Pa an, daß sie es hätte sein können, die jetzt unterwegs ist zu einem gewinnträchtigen Schlafplatz, doch Pa ist weder beleidigt, noch irgendwie getroffen, sondern meint ganz gemütlich, das wäre schon ganz gut so, weil Ao für ihr Kind Geld nachhause schicken muß und nicht genug zusammengehabt hat, und sie selbst hätte heute auch nicht gerade so viel Lust gehabt, mit einem Farang mitzugehen. Nach einer kurzen Pause fügt sie noch hinzu, vielleicht läßt Ao ihr das nächste Mal den Vortritt und außerdem hätte sie ja auch schon versprochen, daß sie morgens die Wäsche abholt.

Es dauerte einige Zeit, bis der Klub ein neues Mitglied erhielt. Sen war vom Flaggenkadett an der Busstation aufgegabelt worden, wo sie stundenlang heulend in einer Ecke auf dem Boden saß. Als Thong das dritte Mal dort vorbeikam und das Mädchen immer noch da saß, ging sie hin. Sen war noch keine achtzehn Jahre alt und von zuhause weggelaufen. Sie hatte sich das Fahrgeld für den Bus zusammengebettelt und der Busfahrer hatte ihr noch die fehlenden achtzehn Baht dazugegeben. Sie sah schlimm aus und ihr Gesicht war nur schwer zu erkennen. Als sie dreizehn Jahre alt wurde, war ihre Mutter gestorben und seither hatte sie den Haushalt zu führen und dem Vater und dessen Bruder zur Verfügung zu stehen. Sie war zuhause eingeschlossen worden.

Als sie siebzehn Jahre alt wurde, sollte sie einen Freund des Onkels heiraten. Der zog in die Wohnung des Vaters mit ein und nun verlangten alle Drei von ihr Sex. Sie gebrauchten sie nacheinander und erlaubten sich ihre Späße mit ihr, sehr schmerzhafte Späße. Die übrigen zwei schauten dann zu. Als sie zur Hochzeitsfeier in den Tempel gebracht wurde, riß sie sich los und lief weg. Vater, Onkel und Freund fingen sie ein, sie wehrte sich und wurde von den Dreien zusammengeschlagen, bis sie von einigen Dorfbewohnern befreit wurde. Die halfen ihr, wegzulaufen. Nun hat sie kein Geld, keine Unterkunft und nichts zu essen, aber sie will nicht an einer Bar arbeiten, sie kann es nicht.

Thong hat sie mitgenommen. Sie soll ihre Wunden heilen lassen. Dann kann sie an einer Bar Gläser spülen und putzen, sie braucht nicht mit Männern mitzugehen. Und zuhause kann sie Wäsche waschen, nähen und auf Kinder aufpassen. Fürs Essen wird es reichen, hat Thong ihr versprochen. Wenn es ihr besser geht, kann man sich vielleicht etwas überlegen.

 

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